Foto: Schloss Zbiroh, von der Autobahn aus, nach Pilsen zu entdecken.

Die illustere Geschichte des Schlosses Zbiroh

Schloss Zbiroh, an der Goldenen Straße gelegen, ist eng verbunden mit den Namen des großen tschechischen Malers Alfons Mucha und der illustren Gestalt des Berliner Barons Henry Bethel von Strousberg, genannt der "Eisenbahnkönig".

 

Über dem romantischen Städtchen Zbiroh, gelegen an der Scheide der Brdy-Wälder und dem Landschaftsschutzgebiet der Region Kriivoklát (Pürglitz) thront ein Schloss, dessen Ursprünge als Burg in die Ära von Přemysl Otakar II.  zurückgehen. Gelegen an der Goldenen Straße hat sein Schloss eine wohl einmalige Geschichte unter den unzähligen Schlössern Böhmens aufzuweisen.

Kirche St. Nikolaus in Zbiroh

 Zbiroh ist ein kleiner Ort, gelegen an der Grenze des Brdy Waldes und des Naturschutzgebiets Křivoklátsko. Wander-und Radwege laden ein durch anmutige Wälder rund um Felsen, Wiesen, Teichen und Bächen zu laufen. Naturschönheit und Kulturdenkmälern schaffen hervorragende Bedingungen für die Entwicklung des Tourismus und bieten Ihnen die Möglichkeit zu Ruhe und aktive Erholung auf Zbiroh.

Zbiroh Stadt ist der Geburtsort des Dichters Josef Vaclav Sladek und Joseph Palivce. Viele kehrten hier ein: Fráňa Šrámek, Alfons Mucha, Vaclav Vačkář, Adolf Branald.  Die Stadt kam 1369 als Lehen an die Herren von Rosenberg. Das Wappen der Rose erinnert noch heute daran.

Information:

Stadt Zbiroh
 Masaryk-Platz. 112
 338 08 Zbiroh

Website: www.zbiroh.cz                E-mail:mesto(at)zbiroh(dot)cz

Schloss Zbiroh

Fotos: Zwei riesige Löwen bewachen die Schlossanlage, rechts der Eingang.Sie stammen aus der Zeit von Stroußberg.

Der letzte adelige Besitzer, Fürst Coloredo - Mansfeld (von 1879 bis 1945) wurde 1943 enteignet. Bis 1945 ließ sich im Schloss der SS-Stab der Deutschen nieder um Feindsender abzuhören. Gemunkelt wird heute noch im Ort von Geheimgängen und einem Geheimversteck der Nationalsozialisten. Da ist die Rede von einem SS Flugzeug, das kurz vor Kriegsende landete, große Kisten seien zum Schloss hinaufgeschleppt worden. Und weiter wird erzählt, dass die letzten SS Leute ohne Habe geflohen sind. Ob hier eventuell das berühmte Bernsteinzimmer ruht?

Abhöranlage des Warschauer Pakts

Ab dem Jahre 1945 nahm die Armee des kommunistischen Staates das Objekt auf ein halbes Jahrhundert in Beschlag, der Ort verschwand von der Landkarte. Noch heute zeugen die leer stehenden Unterkünfte am Rande des Parks von dieser Zeit. Als absolutes Sperrgebiet hermetisch abgezäunt, dachte die umliegende Bevölkerung im Schloss sei ein Militärkrankenhaus. In Wahrheit  war hier der Hochsicherheitstrakt des gesamten Warschauer Nachrichtendienstes untergebracht. Von hier aus wurde der Nachrichtenverkehr der Nato - Einheiten im Westen ausspioniert. Die abgeschirmte Lage der Brydy – Wälder, die Felsformationen aus Kieselschiefer, im Burghof befindet sich der tiefste Burgbrunnen Europas mit einer Gesamttiefe von 163 Metern als Spirale in das harte Gestein getrieben, begünstigten das Abhörsystem. Als der damalige Präsident Vaclav Havel erstmals zu Besuch in Berlin weilte, fragte ihn Außenminister Dietrich Genscher, der von der Abhöranlage wusste: „Was wird mit Zbiroh, Herr Präsident?“. Havel, der offensichtlich nicht in die Geheimnisse des Schlosses eingeweiht war, musste erst bei seinem Begleiter, Außenminister Jiři Dienstbier, nachfragen.

Heute: Hotel und Restaurant

Fünf Jahre nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regierung wurde das Schloss im Jahr 1994 geschlossen und verkam. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten konnte es 2005/06  als neues kulturell-gesellschaftliches Zentrum für die Öffentlichkeit wieder eröffnet werden. Die Familie Coloredo Mansfeld, die es zurückbekam, übergab es an die Gemeinde Zbiroh, diese war froh, es an die Prager Gesellschaft Gastro-Žofin s.r.o. zu verkaufen. Besitzer Jaroslaw Pacha, der in der tschechischen Hauptstadt Prag seit Jahren ein edles Restaurant auf einer Moldau Insel samt Partyservice betreibt, investierte rund 200 Millionen Kronen (rund sieben Millionen Euro). Vielleicht hat ihn die Idee, das Bernsteinzimmer zu finden, zum Kauf motiviert. Sollte er einen Schatz finden, hat sich die Investition gelohnt. Bislang fanden sich im Brunnen in 60 Meter Tiefe nur Waffen und Schriftstücke der Nationalsozialisten, nicht viel wert, im Schloss sind sie ausgestellt.

  

Fotos. Bergfried und Mucha-Zimmer

Die Schlossausstellungen

Heute kann das Schloss besichtigt werden. Die Ausstellungstour führt durch die Geschichte des Schlosses und des Landes vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart.  Weiter geht es in den alten Teil der Burg mit Kapelle (hier kann geheiratet werden) mit einigen original gotischen Wandfresken aus dem 14. Jahrhundert im Chorgewölbe. Den Hauptsaal, in dem Mucha arbeitete und den Vorhof mit dem frühgotischen 20 Meter hohem Burgturm, dem ältestes Turm des Landes und dem schon erwähnten Brunnen.

 

Nach der Führung - auf Anmeldung ist sie bei Gruppen auch in deutscher Sprache möglich - lässt es sich ausgezeichnet im Burgrestaurant speisen. Bei schönem Wetter ist auch draußen im Burghof gedeckt. Ein riesiger Park mit alten Bäumen und ausgiebigen Spazierwegen umgibt das Schloss. Auch die exklusiven Hotelzimmer sind fertig gestellt. Für eine kleine Gebühr kann der PKW unterhalb des Schlosses im Park abgestellt werden. Busse müssen auf einem gesondert ausgewiesenen Platz kostenlos parken. Der Fußweg zum Schloss dauert rund 15 Minuten

 

Die illustere Geschichte des Schlosses

Die ursprüngliche Burg wurde wahrscheinlich am Anfang des 13. Jahrhunderts auf strategischer Stelle gegründet. Nachgewiesen ist, dass in der ehemaligen Burg Johann von Luxemburg, sein Sohn Karl IV. und dessen Söhne Wenzel IV., Kaiser Sigismund und Kaiser Rudolf II verweilten. Im Laufe von Jahrhunderten unterzog es sich etlichen Umgestaltungen bis zur heutigen Gestalt eines Neurenaissanceschlosses. In Besitz des Schlosses Zbiroh gelangten nach den Přemysliden die Familien  von Rožmberk (Rosenberg ), die Kolowrats und die Lobkowitzer. Im Jahre 1609 wurde der Schlossbesitzer Popel von Lobkowitz durch die Habsburger enteignet. Sie funktionierten es nach der Schlacht am Weißen Berg (1620) um in ein Staatsgefängnis für prominente Persönlichkeiten. Der Dreißigjährige Krieg ging nicht spurlos am Ort und am Schloss vorbei, überall herrschten Verwüstungen.

Bethel Henry Stroußberg- der Eisenbahnkönig

Im Jahre 1868 schlug für Schloss Zbiroh und das Städten eine „neue Stunde“. Der Industrie- und Finanzmagnat Bethel Henry Baron von Strousberg erwarb das Schloss. Ihn lockte der Reichtum an Eisenerz, Holz und Steinkohle. Er hatte vor, die Gegend aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und im großen Stil eine Eisenhüttenindustrie nach dem Vorbild des englischen Manchesters zu errichten. Die Burg ließ er in nur einem Jahre zur heutigen Gestalt eines Schlosses im Neurenaissancestil umbauen. Neben Zbiroh sollte eine neue Stadt für 5000 Einwohner mit allen notwenigen Einrichtungen entstehen.

Spekulant oder Finanzgenie, die Diskussion war seinerzeit groß. Stroußberg, jüdischer Abstammung, wurde in Neidenburg Ostpreußen geboren. Mit 12 Jahren Vollwaise, kam er zu seinem Onkel nach London. Nach seiner Schulausbildung arbeitete er als Korrespondent der Times. Verheiratet und mit sieben Kindern, zog es ihn, um besser zu verdienen, nach Amerika. Erfolgreich im Handel, studierte er und erwarb den Doktortitel in Philosophie. Rückgekehrt nach England, trat er 1856 in Berlin den Posten eines Vertreters der britischen Versicherungsgesellschaft Waterloo an. So erhielt er Zugang zu den höchsten Ämtern. Als Doktor der Philosophischen Fakultät der Universität Jena erwarb er den Titel eines Barons, unterstützt von Kaiser Wilhelm II., gehörte er bald zu den mächtigsten Männern Mitteleuropas. In erster Linie befasst er sich stets mit dem Bau von Eisenbahnlinien, Eisenhütten und -gruben. In Hannover ließ er die bislang größte deutsche Siedlung namens „Klein Rumänien“ bauen.

In Berlin ließ er die ersten Schlachthöfe und Fleichfabriken zur Versorgung der Bevölkerung bauen.

Foto: Der ehemalige Schlachthof im Berlin-Friedrichshain

Unter dem Titel „Der Eisenbahnkönig oder Rumänien lag in Linden: Materialien zur Sozialgeschichte des Arbeiterwohnungsbaus; mit Beispielen aus Hannovers Fabrikvorort“, existiert eine Arbeit von Wolfgang Voigt (1982 in München erschienen).  Mit dem Bau von Eisenbahnlinien, wie der von Berlin nach Görlitz über Cottbus, wurden nicht nur ganze Regionen agrarisch und industriell erschlossen, sondern zugleich auch der Weg Berlins von der wenig bedeutenden Residenzstadt zur Weltmetropole verkürzt. Zu den vielfältigen Unternehmungen Stroußbergs, die Berlins Stellung nachweislich stärkten, gehörte unter anderem der erste große Schlachthof der Stadt mit strengen hygienischen Vorgaben, ein Börsenhaus, Markthalle und viele öffentlichen Armenküchen. Sogar Friedrich Engel konnte sich seine Bewunderung für Stroußberg in einem Brief an Karl Marx nicht verkneifen. Mit dem Ruhm wuchs der Neid, vor allem die Familie Rothschild setzte ihm zu, in Deutschland wuchs zudem der Antisemetismus und so kam er immer wieder wegen waghalsiger Geschäfte an den Rand des Ruins. Auch in Tschechien ging sein Unternehmen den Berg hinab. 1874 erhielt er einen Großauftrag für Eisenbahnbauten aus Frankreich. Für die Finanzierung gab er Aktien im Wert von acht Millionen Gulden heraus und gab diese achtmal mehr in den Umlauf. Betrug und Korruption ließen seine Schulden anwachsen, 1875 kam es zum Börsenkrach in Wien und Stroußberg meldete Konkurs an. Er floh nach Russland, gab dort eine Serie von Aktien ohne Deckung heraus und wurde im Oktober des gleichen Jahres in St. Petersburg festgenommen. Nach zweijähriger Haft kehrte er arm und einsam nach Berlin zurück. Schloss Zbiroh plünderten die Gläubiger ebenso aus, wie seine Berliner Villa. Er starb im Mai 1884. Sein Grab befindet ist am Matthäus Friedhof im Stadtviertel Schöneberg.

Foto: Die Grabstätte der Familie Stroußberg, ein neogotischer Backsteinbau, am historischen Matthäus-Friedhof Berlin Schöneberg.

 

1879 kaufte Fürst Coloredo Mansfeld das Schloss.

Im Zeitraum von 1912 bis 1928 verweilte im Schloss Alfons Mucha nach seiner Rückkehr aus Amerika. Mucha, der zu den berühmtesten Vertretern des Jugendstils zählt, fand für seine Idee, sein berühmtestes Werk, den Slawische Epos zu schaffen (1928 beendet) im großen Saal des Schlosses Zbiroh ein lichtdurchflutetes Atelier. Mucha sind zwei Räume des Schlosses gewidmet.

Zeichen der Feimaurer

 Bild: Im Mucha Zimmer ist der Maler als Großmeister der Freimaurerloge zu sehen.

 

Foto: Blick vom Schloss auf die Brydywälder

Anfahrt:

Der Weg führt über die Via Carolina von Waidhaus vorbei an Pilsen und Mytho. Nach der Ausfahrt „Cerhovice“ sofort links abbiegen und der ausgezeichneten Beschilderung „Zámek Zbiroh“ rund 6 Kilometer folgen. Die Zu- und Abfahrt zum Schloss erfolgt über Einbahnstraßen. Parkplätze im Schlosspark gegen eine geringe Gebühr.

Öffnungszeiten:
Ab 2008 durchgehender Betrieb, im Schloss gibt es auch Gästezimmer.

Di - So: 10.00 - 18.00 Uhr, letzte Besichtigung; 17.30 Uhr.

Gruppenbesichtigung nach Voranmeldung

Schloss Zbiroh - Zbiroh č. p. 1     CZ 338 08 Zbiroh

eMail info(at)zbiroh(dot)com  Internet http://www.zbiroh.com (tschechisch und englisch)