Foto: Schneekoppe 

"Goldenen Straße" von Nachod nach Wroclaw / Breslau

durch die Wojwodschaft Niederschlesien (Polnische Republik)                

von Nachod- Kudowa Zdroj - Klodzko/Glatz - Zabkowice Sl./ Frankenstein -Wroclaw/Breslau            =  130 km

Gesamtkilometer Luxemburg  über Prag nach Wroclaw: 1.178 km  rund 1.200 km

Die wechselhafte Geschichte Niederschlesiens - vom Schlesischen Adler und dem Böhmischen Löwen

                     

 

Ob sich der Name Schlesien (polnisch Śląsk, tschechisch Slezko) von den Silingen, einem germanischen Volk, das ab dem 2. Jh. v. Chr. das Gebiet des heutigen Schlesien besiedelt hatte abstammt, ist wissenschaftlich nicht gesichert. Das fast menschenleere Land wurde ab Mitte des 6. Jh. von slawischen Stämmen, die aus dem Osten kamen, besiedelt.

Nördlich und südlich von Schlesien hatten sich zwei Königreiche gebildet, Polen und Böhmen, die beide das Land an der Oder für sich beanspruchten. Die Folge waren immer neue Kämpfe um den Besitz Schlesiens. Der böhmische Herrscher Vratislav I. drang um etwa 900 über die Sudeten bis an die Oder vor und errichtete zur Sicherung des Flussübergangs auf einer Insel in der Oder eine Befestigung, die seinen Namen erhielt: Vratislavia. Aus dieser Befestigung entwickelte sich die Hauptstadt des Oderlandes, auf polnisch Wrocław, auf Deutsch Breslau (wenn man die Lautverschiebung von W zu B rückgängig macht, ist der alte Name zu erkennen). Inzwischen jedoch war in Polen ein tatkräftiger Herrscher an die Macht gekommen, Boleslaw Chrobry (der Tapfere) aus dem Geschlecht der Piasten. 999 konnte er ganz Schlesien erobern. Die Westgrenze seines Reichs erstreckte sich in etwa entlang der Flüsse Oder und Neiße. Auf diese Grenze beriefen sich im 20. Jh. polnische Politiker, als sie eine Angliederung dieser Gebiete an Polen forderten, ein Polen „in den Grenzen des Boleslaw Chrobry”.

Die Kämpfe zwischen Böhmen und Polen hielten aber weiterhin an und fanden erst im Glatzer Pfingstfrieden 1137 einen vorläufigen Abschluss. Schlesien blieb bei Polen. Im Jahr darauf  eilte der König von Polen sein Land testamentarisch unter seinen vier Söhnen auf

Eines dieser Teilgebiete war Schlesien, das der älteste der Brüder, Władysław, bekam. Er wurde damit zum Stammvater der schlesischen Piasten. Doch statt einträchtig – jeder in seinem Gebiet – zu regieren, gerieten die Brüder bald in Streit und Władysław wurde aus seinem Land vertrieben. Er suchte Unterstützung beim deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa. Bei einem Feldzug nach Polen erreichte Barbarossa 1163 die Wiedereinsetzung der beiden Söhne des inzwischen verstorbenen Władysław. Sie regierten als Herzöge von Nieder- und Oberschlesien.

Piastenkönige und die Rolle der Hl. Hedwig

Zu den bedeutendsten schlesischen Piasten gehören Heinrich (Henryk) I., der Bärtige, und sein Sohn Heinrich II, der Fromme, Herzöge von Niederschlesien. Heinrich I. war mit Hedwig aus dem Geschlecht der Grafen von Andechs-Meranien, einer aus Bayern stammenden Adelstochter, verheiratet. Hedwig (um 1170-1243) führte ein frommes Leben, widmete sich besonders der Armenpflege und war bei ihren Untertanen so beliebt, dass sie bis heute als Schutzpatronin Schlesiens gilt. Auf ihre Initiative hin wurde das erste Frauenkloster in Schlesien gegründet, das Zisterzienserinnenkloster von Trebnitz (Trzebnica). Hierher zog sie sich nach dem Tode ihres Mannes zurück. Sie wurde 1267 heilig gesprochen.

Hedwigs Sohn, Herzog Heinrich II, wird der Fromme genannt, weil er sein Leben ließ bei dem Versuch, sein Land gegen den Vorstoß der Mongolen zu verteidigen. Diese waren 1241 in Schlesien eingefallen. Heinrich II. stellte sich ihnen mit seinen ca. 10 000 deutschen und polnischen Rittern bei Wahlstatt (Legnickie Pole) in der Nähe von Liegnitz (Legnica) entgegen. In dieser Schlacht wurde das christliche Heer völlig vernichtet. Doch statt weiter nach Westen zu ziehen, machten die Mongolen kehrt, um an der Wahl des neuen Großkhans teilzunehmen. Angeblich soll die Hl. Hedwig selbst den toten Körper ihres Sohnes auf dem Schlachtfeld gefunden haben. An dieser Stelle wurde im 18. Jh. das Kloster St. Hedwig errichtet.

Der frühe Tod Heinrichs II. führte zur Aufteilung seines Herzogtums Niederschlesien unter seinen Söhnen. Es entstanden die Teilherzogtümer Breslau, Liegnitz und Glogau. Durch weitere Teilungen in den folgenden Generationen bildeten sich immer neue Teilherrschaften: Löwenberg, Jauer, Schweidnitz, Münsterberg, Oels.

Dasselbe geschah in Oberschlesien. Bis zum Ende des 13. Jh. waren an die 18 Herrschaften entstanden, alle von Piasten regiert, die nichtsdestotrotz einen ständigen Kleinkrieg gegeneinander führten. Um die eigene Herrschaft einerseits gegen die schlesischen Konkurrenten, andererseits gegen das wiedervereinte und erstarkte Polen zu schützen, begaben sich immer mehr schlesische Piastenfürsten in die Lehnshoheit des böhmischen Königs, damals einer der mächtigsten Herrscher innerhalb des Deutschen Reiches (er war einer der sieben Kurfürsten). Von 1289 bis 1327 unterstellten sich alle schlesischen Teilherrscher (bis auf einen- dem Herzog von Schweidnitz Bolko) dem böhmischen König. Da Böhmen Teil des Deutschen Reiches war, wurde Schlesien indirekt auch Teil des Deutschen Reiches. Die Versuche Polens unter König Kasimir dem Großen, Schlesien für Polen zurückzugewinnen, waren damit fehlgeschlagen. Im Vertrag von Trentschin 1335 verzichtete Polen formell auf Schlesien.

Deutsche Siedlungswillige  werden nach Schlesien eingeladen

Mitte des 12. Jh. war Schlesien ein noch recht dünn besiedeltes und im Vergleich zum Westen Europas ein eher unterentwickeltes Land, modern gesagt ein Entwicklungsland. Die Söhne Władysławs, die 1163 mit Hilfe Kaiser Barbarossas ihr Erbe in Schlesien antraten, hatten bei ihrem langjährigen Exil im Deutschen Reich die wirtschaftlichen Erfolge eines systematischen Landesausbaus kennen gelernt. Sie wollten daher deutsche Wirtschaftsweise und Rechtssystem auch in ihren Ländern einführen und luden deutsche Siedler ein, sich in Schlesien anzusiedeln.

Diese deutsche Siedlungsbewegung begann ab Mitte des 12. Jh., erreichte zwischen 1200 und 1300 ihren Höhepunkt und lief dann langsam aus. Das Hauptmotiv der Piastenfürsten bei der Anwerbung deutscher Siedler bestand – wie bei den Böhmenkönigen - darin, die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Länder voranzutreiben. Sie wollten durch Einführung neuer Arbeitstechniken die Erträge des Bodens steigern, durch Förderung von Handel und Handwerk die Wirtschaftskraft des Landes erhöhen und letztlich durch mehr Menschen mehr Steuereinnahmen erzielen.

In heutigen Worten: Sie waren an der Entwicklung ihres Landes durch modernes „Know-how” interessiert. Und die Deutschen brachten dieses Know-how in Form ihrer viel weiter entwickelten landwirtschaftlichen und handwerklichen Produktionstechniken mit. Unter den Neuerungen sind hervorzuheben: der „moderne” Pflug, der – im Gegensatz zum einfachen Hakenpflug – den Boden umwendete statt nur Saatfurchen zu ziehen, die Egge, das Kummet (Pferdegeschirr) und das Hufeisen, die Dreifelderwirtschaft, Wasser- und Windmühlen, neue Methoden in Bergbau, Glas- und Textilindustrie.

Alles in der Geschichte wiederholt sich: Die Piastenherrscher taten genau dasselbe wie heutige Staaten, die versuchen, gut ausgebildete Fachkräfte und ausländische Wirtschaftsunternehmen anzusiedeln, um damit die eigene Wirtschaft zu stärken.

Neben der Ansiedlung von Bauern in bisher unberührten Wäldern und ungenutztem Ödland förderten die Landesherren auch den Ausbau des Städtewesens. Die planmäßige Anlage dieser Städte lässt sich bis heute deutlich erkennen: Den Mittelpunkt bildete ein großer rechteckiger Marktplatz, Ring (Rynek) genannt, auf dem das Rathaus stand. Die Straßen um den Ring waren schachbrettartig angelegt. Die den Ring umsäumenden Bürgerhäuser hatten oft einen Laubengang, der dem Auslegen von Waren diente. Um Handwerker und Kaufleute für seine Städte anzulocken, musste der Landesherr ihnen, wie den Städten im Deutschen Reich, das Recht auf Selbstverwaltung verleihen. Vorbild dabei wurde das Stadtrecht von Magdeburg. Die deutschen Siedler brachten also nicht nur ihr Wissen und Know-how mit, sondern ebenso ihr Rechtssystem. Etwa 120 Städte sind im 13. Jh. in Schlesien, meist auf der Grundlage einer alten polnischen Siedlung, entstanden und mit Stadtrecht ausgestattet worden.

Breslau, das 1261 deutsches Stadtrecht bekam, wurde seiner günstigen Lage wegen schnell zur größten und führenden Stadt in Schlesien.

Drei wichtige Handelswege kreuzten sich:

1. Die Hohe Straße „Via Regia“, eine Ost-West-Verbindung von Frankfurt über Erfurt- Leipzig- Görlitz- Liegnitz nach Breslau und weiter nach Krakau und Kiew. Kaum eine Stadt im schlesischen  Teil Sachsens, die nicht den böhmischen Löwen im Wappen hat oder hatte.

2. Die Bernsteinstraße von der Ostsee in den Donauraum. Über die Seestädte hatte Breslau sogar Anschluss an den Welthandel und war zur Sicherung dieser Verbindungen zeitweilig Mitglied der Hanse.

3. Die verlängerte „Goldene Strasse“ von Nürnberg- Prag – Königsgrätz- Glatz- Breslau - Krakau hatte eine besondere Funktion unter den Luxemburgern auf dem böhmischen Thron. Kaum eine Stadt in Niederschlesien, die nicht den böhmischen Löwen im Wappen hat oder hatte.

Ein dritter Wirtschaftsbereich neben Landwirtschaft und Gewerbe war der Bergbau, der durch Ansiedlung erfahrener Bergleute intensiviert werden sollte. Damals entstanden die Städte Goldberg (Złotoryja) und Löwenberg (Lwówek Śląski). Im 15. und 16. Jh. wurden neue Erzlagerstätten entdeckt, wie etwa in Silberberg (Srebrna Góra) und in Schmiedeberg (Kowary), wo – wie der Name schon sagt – Eisen gefördert und gleich geschmiedet wurde.

Als Anreiz für die Mühen des Neuanfangs bot man den Zuwanderern viele Vergünstigungen. Die Bauern waren persönlich frei, nicht leibeigen, und mussten daher keinen Frondienst leisten. Bauern und Bürger waren für einige Anfangsjahre von Steuern und Abgaben befreit. Die bessere Rechtsstellung und die Möglichkeit eines sozialen Aufstiegs – das waren die eigentlichen Trieb- federn der Menschen zur Auswanderung in den Osten. Und erneut wiederholt sich diese Geschichte: Dieselben Motive veranlassten im 19. Jahrh. Menschen aus allen Ländern Europas in die USA auszuwandern. Das „gelobte Land“ lag im Mittelalter im Osten. Sollte es sich vielleicht in den nächsten Jahrzehnten wiederholen? 

Foto: Ausstellung Schlesien-Perle Böhmens im Waldsetinpalais Prag 2007

Die dichte Besiedlung des ganzen Landes hatte zu einer enormen Bevölkerungsvermehrung (teilweise um das 5-10fache) geführt und in der Folge eine rasche Assimilation der polnischsprachigen an die deutschsprachigen Einwohner nach sich gezogen. Bis zum Ende des 15. Jh. war Niederschlesien eine Land -schaft mit fast völlig deutschsprachiger Bevölkerung geworden.

In Oberschlesien entstand eine andere Situation: Hier war die deutsche Zuwanderung nicht so dicht. Während die Deutschen westlich der Oder und in den meisten Städten die Mehrheit ausmachten, entstand östlich und südlich der Oder im Laufe der folgenden Jahrhunderte eine besondere oberschlesische Mischkultur, in die Elemente (z.B. Acker- und Hausgeräte, Kleidung, Speisen, religiöse Bräuche) deutscher und polnischer Herkunft eingingen. Selbst die Sprache trug Mischcharakter. Auf der Basis des damals gesprochenen Altpolnischen nahm sie viele deutsche und böhmische Wörter auf. Diese Sprache wurde ab dem 17. Jahrh., wohl wegen der vielen oderabwärts fahrenden Flößer, als wasserpolnisch bezeichnet. In der Fachliteratur nennt man sie auch schlonsakisch, abgeleitet von dem polnischen Wort Ślązak, was Schlesier bedeutet und wie „schlonsak“ gesprochen wird. Für einen Polen aus anderen Gegenden ist sie nicht verständlich. 

Im 14. Jahrhundert wird Schlesien böhmisch

Polens König Kasmir war daran gelegen, von Böhmen einen endgültigen Verzicht auf Thronansprüche in Polen zu erhalten. In Prag regierte Johann von Luxemburg, er aber überließ die Verhandlungen seinem diplomatisch versierten Sohn Karl IV. Dieser brachte es am 24. August 1335 fertig, gegen Verzicht auf die polnische Krone die schlesischen Herzogtümer – jedes einzeln für sich – unter den Schutz der Wenzelskrone zu nehmen. So wurde das Herzogtum Glogau bereits 1331, Breslau 1342 eingegliedert. Das Herzogtum Münsterberg wurde lehensrechtlich eingebunden, das bedeutete, dass die Herzöge als Vasallen des böhmischen Königs galten und Schlesien ins Deutsche Reich eingegliedert wurden, da ja der Böhmenkönig zugleich Deutscher Kaiser war. Nur eines des 18 scherte aus, das von Schweidnitz. Herzog Bolko II. lehnte den Treueschwur ab, doch Karl konnte warten. Als Bolko starb, fügte es das Schicksal, dass Karls zweite Gemahlin zu Grabe getragen wurde. Da in Schweidnitz kein männlicher Erbe vorhanden war, fiel das Erbe an Bolkos Frau Anna. Sie wurde 1353 Karls dritte Frau und gebar ihm eine Tochter und 1361 den ersten Sohn, den späteren König Wenzel IV. Ein Jahr später starb sie und Schweidnitz fiel an den Böhmenkönig, so war ganz Schlesien böhmisch. In der Mitte des 14. Jahrhunderts machte Karl Johann von Neumarkt, einem um 1315 in Breslau geborenen Mann zum Kanzler seines Reiches. Dieser Johann, der als einer der ersten bedeutendsten Kanzler der deutschen Verwaltung in die Geschichte einging, verstarb 1380 als Bischof von Breslau. 

Hussitenkriege

Nach Karls Tod übernahm Wenzel die Regentschaft. Mit dem tragischen Tod des Jan Hus und dem ersten Prager Fenstersturz 1414 begann 1419 die Zeit der Hussitenkriege, unter der besonders die Oberpfalz ebenso wie auch Schlesien litten. Am 27.12. 1428 kämpfte der Münsterberger Herzog Johann bei Altwilmsdorf in der Nähe von Glatz gegen die Hussitten und fand in der Schlacht den Tod. Bis 1434 erschütterten die hussitischen Überfälle das Land. Für Münsterberg bedeutete der Tod Johanns das Ende  der piastischen Linie, er war der letzte männliche Nachkomme. Doch nicht alle verbündeten sich gegen die Hussitten,  so mancher kämpfte mit ihnen. Die Ungerechtigkeit der Verurteilung Jan Hus erlebten in Konstanz auch schlesische Adelige. Enttäuscht über die Haltung der Kirche zog es nicht wenige, ähnliches geschah auch auf oberpfälzer Ebene, auf die Seite der Hussiten. König Sigismund, Sohn Karl IV. und Nachfolger seines unfähigen Bruders Wenzel, übernahm die Regentschaft und übergab u. a. das Herzogtum Münsterberg an den böhmischen Pfandherren Georg von Podiebrad 1454.

 

König Podiebrad

Jede politische Anarchie gebiert irgendeinmal den notwendig starken Mann, so auch der Hussitismus, der sich allmählich totlief. Georg von Podiebrad hieß der Mann der Stunde, der sich im gemäßigten Flügel der Utraquisten an die Spitze arbeitete. Sigismund, der letzte Sohn Karl IV. war gestorben, sein Schwiegersohn Albrecht II., König von Böhmen und Ungarn starb nach der Rückkehr eines Türkenfeldzuges und so übergaben die böhmischen Stände, Georg von Podiebrad die Krone. Polen hätte gern den jungen Kasimir auf dem Thron gesehen. Doch Podiebrad setzte sich als „Ketzerkönig" durch und der schlesische Adel, bis auf den Breslauer Bischof, erkannte ihn als Lehnsherren an. Georg übergab Münsterberg sowie das Herzogtum Troppau als Lehen an seine Söhne. Als König Podiebrad am 22. März 1471 starb, fielen weitere schlesische Herzogtümer und Grafschaften an seinen Sohn Heinrich. Dieser wurde durch die Gunst Kaiser Friedrich III. im Jahr 1642 sogar Reichsfürst . Das bedeutendste Mitglied der böhmischen Königsfamilie war ohne Zweifel Karl II. von Münsterberg, der zwischen 1560 und 1603 in Oels eines der schönsten Renaissanceschlösser Schlesiens erbauen ließ. Die böhmische Krone selbst hatte Podiebrad laut Testament an den polnischen König Vladislavus vermacht. Sein Sohn Heinrich gewann mehr Macht in Schlesien und konvertierte zum katholischen Glauben. Als der letzte dieser Familie, Karl Christoph, 1596 starb, fiel das Lehen an die nun in Prag residierenden Habsburger zurück. 

Der Böhmische Aufstand

Zum zweiten Male erlebte Prag 1618 einen Fenstersturz. Die Folge, der 30jährige Krieg mit all seinen Schrecken. Die Mehrheit der Böhmen wollte keinen katholischen Habsburger, sondern einen Protestanten als König haben. Ihre Wahl fiel auf Friedrich V. von der Pfalz, die Wiener Juristen titulierten diesen Schritt „als böhmischen Aufstand“. Es kam zur Schlacht am Weißen Berg bei Prag. Am 8. November 1620 endete das kurze Gastspiel des „Winterkönigs“, dessen Verbindungen auch in die Oberpfalz reichten. Friedrich konnte sich gerade noch aus der Prager Burg retten, bevor die kaiserliche Vorhut die Tore erreichte. Die Rache der Habsburger war grausam, sie straften alle Teilnehmer am Aufstand, indem ihre Güter konfisziert wurden, auch schlesische Adelige waren betroffen. Die Haupträdelsführer wurden vor dem Rathaus am Altstädter Ring hingerichtet.

Spurlos ging der 30jährige Krieg an Schlesien nicht vorbei. Schlösser, Burgen, Städte und Dörfer wurden, wie in der Oberpfalz und Böhmen vernichtet. Mal waren es die kaiserlichen Truppen, mal die Schweden. Mit dem Tode Wallensteins wurden auf Befehl des Kaisers am 25. Februar 1618 in Eger dessen Güter auch in Schlesien eingezogen. Seine treuesten Generäle 1635 in Regensburg zum Tode verurteilt, vier kamen frei, der fünfte, der Schlesier Hans Ulrich Schoaffgotsch wurde auf dem  Schaffott enthauptet. Die Grafen Schaffgotsch mit dem Namen Scof aus Franken stammend, sind ein ein altes Adelsgeschlecht  mit einer erloschenen Linie in Böhmen. Sie zählten zu den größten Grundbesitzern des Landes und brachten Bischöfe, Generäle und Unternehmer hervor. 

Kriege belasteten das Land

Beginnend mit den Mongoleneinfällen über die Husittenkriege, dem 30jährigen Krieg, die schlesischen Kriege, den preußischen Befreiungskriegen bis zum 2.Weltkrieg - die schlesische Landschaft, vor allem um Breslau, ist getränkt vom Blut ungezählter Schlachten aus den letzten Jahrhunderten.

„Nun danket alle Gott“, sangen die überlebenden preußischen Grenadiere am Abend nach der Schlacht des Dritten Schlesischen Krieges bei Leuthen gegen die Habsburger, niemand hat die Toten auf beiden Seiten gezählt. Der große schlesische Maler Adolf Menzel aus Breslau war ein Sohn dieser Zeit.

 

Foto. Grabstätte Adolf von Menzel in Berlin 

Adolph Friedrich Erdmann von Menzel, geadelt 1898 (* 8.12. 1815 in Breslau  † 9.02. 1905 in Berlin) war Maler, Zeichner und Illustrator. Er gilt als der bedeutendste deutsche Realist des 19. Jahrhunderts.

 

Bild repro: Adolph Menzel
Ansprache Friedrichs II. an seine Generäle vor der Schlacht bei Leuthen (1757), 1858-1861
Öl/Leinwand, 318 x 424 cm
Berlin, Alte Nationalgalerie