Foto. Breslau/Wroclaw -Blick über die Oder zur Dominsel
 
Breslau / Wroclaw- 2016 Kulturhauptstadt Europas der Wojwodschaft Niederschlesiens
 
Breslau – Wroclaw- die Stadt
Als 1945 die schlesische Metropole, deren Einwohnerzahl auf 700 000 angewachsen war, in Feuer und Zerstörung unterging, wurde eine 700 Jahre alte historische Entwicklung in wenigen Wochen zerstört. Die Stadt, die um 900 ihren Namen erhalten hatte, war bereits in der Steinzeit besiedelt und um das Jahr 1000 als eine wichtige Siedlung bekannt. Hier kreuzten sich die Fernwege von Ost nach West und von Süd nach Nord. Heute ist die viertgrößte Stadt Polens.
Das Breslauer Wappen ist ein Schild, das durch ein Kreuz in vier Felder geteilt ist:
  1. Im oberen rechten Feld sieht man einen brüllenden Löwen mit einer Krone auf dem Kopf und einem gegabelten Schwanz. Der böhmische Loewe, der aus dem Hause Luxemburg stammt, ist silbern auf rotem Hintergrund.
  2. Im linken Feld befindet sich ein Adler mit weit gespreizten Flügeln. Der Kopf ist zur linken Seite geneigt. Ein geschwungener Bogen mit einem kleinen Kreuz in der Mitte ist auf Brust und Flügel gezeichnet. Der Adler ist schwarz auf goldenem Hintergrund. Der Bogen und das Kreuz sind silbern.
  3. Im unteren linken Feld befindet sich in großer Schrift der Buchstabe „W“.
  4. Im unteren linken Feld ist der Evangelist Johannes zu sehen. Der Kopf ist dem Betrachter zugewandt. Das Gesicht ist jugendlich und von langen mädchenhaften Haaren umrahmt. Um den Kopf verläuft ein goldener Heiligenschein. Der Körper steht auf einer umgedrehten goldenen Krone. Der Hintergrund ist rot, die Figur des Johannes silbern gezeichnet.
  5. Auf der Schnittstellen zwischen den vier Feldern liegt ein silberner Teller, auf dem der Kopf Johannes des Täufers zu sehen ist. Das Gesicht ist bärtig, mit geschlossenen Augen und geöffnetem Mund nach oben links gerichtet.
Die Furten der Oder und die vielen Inseln des Flusses machten es leicht den Fluss zu passieren. Die Piasten-Fürsten  verlegten ihren Sitz von der Dominsel-Burg an die Stelle, wo heute die Universität steht. Heinrich I. hatte eine deutsche Mutter und heiratete die Fürstentochter Hedwig aus dem bayerischen Geschlecht der Andechser. Er und seine Nachfolger holten deutsche Bauern und Kaufleute ins dünnbesiedelte Land. Wie die böhmischen Premysliden versprach er sich Wirtschaftswachstum  und Stärkung der Herrschaft. Während der Regierungszeit seines Hauses wurden mehr als 1200 deutsche Dörfer und Städte in Schlesien erbaut. Friedlich lebten Slawen und Deutsche nebeneinander.  Ein großes gemeinsames Werk beider Völker war es, den Mongolensturm im Jahre 1241 aufzuhalten, der das Land beinahe verwüstet und die Tore nach Westen geöffnet hatte. Breslau war überrannt worden, die Burg am linken Ufer der Oder vernichtet.
Sofort nach dieser Katastrophe machte man sich an den Neuaufbau.  Eine neue Stadt wird mit dem Ringplatz in einer Größe von 3,64 Hektar angelegt, zahlreiche Rechte und Privilegien stärkten die Entwicklung für Handel und Gewerbe. Die Bezeichnung Ring leitet sich von dem alten Wort „Thing“ ab und bedeutet so viel wie Gerichtsstätte, bis Prag ist dieser Begriff durchgängig. Im Schachbrettmuster wurden  die Straßenzüge angelegt und so entstanden zwei weitere große Marktplätze: der Neumarkt und der Salzring. Der alte Dom, das Bistum um 1000 einst von Gnesen aus gegründet, hatte den Ansturm der Mongolen heil überstanden. Die junge Bürgerschaft wählte als Patronin ihrer neuen Stadtkirche die Heilige Elisabeth von Thüringen. Fast gleichzeitig entstand im Osten die Stadt Krakau.
 
Bereits 1267 wurde die bayerische Herzogstochter Hedwig Heilig gesprochen. Mit ihrem Sohn Heinrich IV., dem Erbauer der Kreuzkirche starb das Piastenhaus aus. Schlesien und Breslau gingen 1336 an die Krone Böhmens über. Die Breslauer Kaufleute und die Zisterzienser, die im ganzen Lande wirkten, machten sich daran, die Stadt zu verschönern. So wurde der Dom gotisch umgebaut, Augustiner Eremiten errichteten die Dorotheen – Kirche, es entstand die Vinzenzkirche mit dem kostbaren Grabmahl Heinrich II..
Foto: Besuch im historischen Rathaus Breslau
 
Fotos: Was für München das Hofbräuhaus, für Leibzig der Auerbach Keller, ist für Breslau der Schweidnitzer Keller im historischen Rathaus. Ein Besuch gehört unbedingt ins Programm.
Fotos. Ursulinen Kloster und Kirche - Marktplatz
 
Als ein besonderer Förderer der Stadt erwies sich der Böhmenkönig und Deutsche Kaiser Karl IV. aus dem Hause Luxemburg. Er übertrug den Ratsältesten der Stadt die „Hauptmannschaft“ über das ganze Land. Die Stadt wurde durch Mauern und prächtige Türme befestigt und die Kaufleute zogen mit ihren Wagen vom Ring über den alten Handelsweg nach Glatz, Nachod (Tschechien), Podiebrady, Prag auf der Goldenen Straße nach Nürnberg und weiter nach Frankfurt am Main. Bereits um 1241 gab es in Breslau Niederlassungen von mehr als 60 Kaufleuten aus Florenz und Venedig. Frühe Renaissancebauten mit lombardischen und florentinischem Einfluss weisen darauf hin, dass auch Künstler aus dem Süden hier tätig waren.
 
Fotos. Breslauer Dom mit der prächtigen Nepomukstatue
 
Breslau wird preußisch
m Jahre 1741 schlug die Stunde der Preußen. Am 3. Januar des Jahres zog überraschend der junge König Friedrich II. in die Stadt ein. Es war Faschingszeit und Friedrich, der sich als roter Domino zu einem Maskenball verkleidet einfand,  eroberte die Herzen der Bürgerschaft.  Auf dem Neumarkt nahm er die  Vereidigung der Bürgerwehr und im Rathaus die Huldigung der Ratsherren entgegen. In die Zeit der Preußenkönige fiel die Errichtung der Hofkirche und des Schlosses. In dieser Zeit schrieb der bekannte Dichter Lessing in Breslau seine „Minna von Barnhelm“. Eingebunden in die Wirtschaft war der oberschlesische Bergbau. Die Zeit Napoleons stoppte wiederum den Aufschwung, 1813 kam es zur Volkserhebung.
Das 19. Jahrhundert brachte der Stadt eine erneute wirtschaftliche Aufwärtsbewegung. Im Jahre 1811 wurde die Universität gegründet, 1842 zählte Breslau bereits 100 000 Einwohner, fünfzig Jahre später das Dreifache dieser Zahl. Seit 1842 wurde das  Eisenbahnnetz Schlesiens ausgebaut, in Breslau entstand ein Zentralbahnhof.
Jahrhundert Halle
1910 entstand die Technische Hochschule. Mit der Jahrhundertfeier 1913 wurde die von Max Berg erbaute „Jahrhundert-Halle“ als einer der größten Kuppelbauten Europas eröffnet. Auf gleichem Gelände entstand nach Bergs Plänen etwas später das Messegelände.
 
Im Jahr 1913 baute der Architekt hieß Max Berg, die "Jahrhunderthalle" in Breslau. Die Konstruktionstechnik dieses Monumentalbaus war so neu und für die Bauarbeiter derartig beängstigend, dass sie sich weigerten, die Verschalung der mächtigen Betonpfeiler zu entfernen. Sie fürchteten, die Riesenkuppel würde in sich zusammenbrechen. Der Architekt musste einen Passanten dazu überreden, ihm beim Entfernen der Verschalung des ersten Pfeilers behilflich zu sein. Das Bauwerk war zu damaliger Zeit Beton gewordener Wagemut - viermal hatten Statiker die Berechnungen überprüft. Die Spannweite der aus 32 Gewölberippen gebildeten Kuppel beträgt 65 Meter, fast das Doppelte des Pantheons in Rom.
Errichtet wurde der weltgrößte Kuppelbau aus Stahlbeton als Ausstellungs- und Festhalle zur Hundertjahrfeier der Befreiung von der napoleonischen Herrschaft. Dass hier später auch unheilvolle Veranstaltungen abgehalten wurden, konnte der Architekt nicht vorhersehen.
Die Halle wurde zu Ehren des 100. Jahrestages der preußischen Befreiungskriege gegen Napoleon I. erbaut und am 10. März 1913 mit Gerhart Hauptmanns Festspiel in deutschen Reimen eröffnet. Die Halle diente/dient auch für Massenveranstaltungen von Diktatoren und Politikern der Deutsch- Polnischen Geschichte, aber auch Künstler wie Marlene Dietrich oder Paul Anka sind hier bei Konzerten aufgetreten. Max Schmelling boxte vor vor allem Haus umd nur einige wenige zu nennen. Die Halle wird gegenwärtig für Messen, Sportveranstaltungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Sie besitzt ca. 6.000 Sitzplätze, bei Verwendung von Stehplätzen fasst sie fast 20.000 Personen. In den 1970er und 1980er Jahren existierte in der Halle ein Kino. Im Jahre 2004 wurde die Halle auf die polnische Liste der wichtigsten Baudenkmäler der Geschichte des Landes gesetzt, die derzeit ca. 25 Objekte zählt. Als Breslau im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört wurde, hat das Bauwerk dies fast unbeschadet überstanden - ein Glücksfall der Architekturgeschichte.
Das eigentlich Revolutionäre dieses heute als WELTERBE von der UNESCO ausgezeichneten Bauwerks ist nicht nur der frühe Einsatz von Beton, sondern auch, dass der Architekt jedes Dekorationselement verweigerte. Die "Jahrhunderthalle" im heute polnischen Wroslaw wird "Hala Ludowa" - "Volkshalle" - genannt.
Folgen des 1. Weltkrieges
Ein erster schwerer Schlag traf die Stadt mit Beendigung des 1.Weltkrieges. Die Grenzen der neuen Staaten Polen und der 1. Tschechischen Republik rückten auf 50 bis 60 Kilometer an die Stadt. In der Weimarer Republik wurde 1922 Oppeln Hauptstadt der neu geschaffenen Provinz Oberschlesien, Breslau musste sich mit der Rolle eines Verwaltungsmittelpunktes für Niederschlesien begnügen.
 
Zweiter Weltkrieg – aus Breslau wird Wroclav
Während des zweiten Weltkrieges wurden Schlesien und vor allem Breslau zum „Luftschutzkeller“ des Reiches ausgebaut. 1944 kam der schreckliche Befehl des Stellungsbaus und damit das totale Ende der Stadt.  Im Winter 1944/ 45 leb- ten 600 000 (!) Menschen in Breslau. Am 16. Februar 1945 wurde die Stadt von der russischen Armee eingeschlossen. Am 6. Mai kapitulierte der bis auf ein Drittel noch übriggebliebene Restteil der Stadt, nur eine einzige Oderbrücke hatte standgehalten, keine der einst 30 Glockentürme läutete mehr, nur die der Domtürme. In der sterbenden Stadt lebten nur noch rund 2000 Deutsche.
 
Die von den Russen eingesetzte polnische Verwaltung nannte die Stadt in Wroclav um. 400 000 Menschen, ebenfalls von den Russen vertriebene Bewohner aus den Gebieten des östlichen Polens, wurden in die Stadt umgesiedelt, Ostpolen wurde durch die Sowjetunion inkorporiert. Zu den Neubürgern Breslaus kamen Bewohner aus den von den Deutschen zerstörten Städten Zentralpolens, Menschen aus Konzentrationslagern und der Emigration.
Breslau heute
In jahrzehntelangen Bemühungen und vor allem nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ erlebte die Stadt einen großen Wiederaufbau, viele Gebäude wurden aufwendig rekonstruiert. Ein großes Ereignis war der Besuch Johannes Paul II. im Jahre 2001, aus diesem Anlass erfolgten weitere große Sanierungen. Die schwer zerstörte Stadt erlebte eine Wiedergeburt ihrer farbenprächtigen Bürgerhäuser mit deren Fassaden im Stil der verschiedenen Epochen.
Die Stadt hat rund 625 000 Einwohner und zählt zu den wirtschaftlich aufblühenden Großstädten Polens mit einer beachtlichen Bautätigkeit. Die Preise pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung liegen (Stand 2000) bei 1500 –3000 Mark(!). 60 000 Studenten beherbergt die Hochschulstadt. Die meisten Taxifahrer beherrschen etwas deutsch, nach den kommunistischen Zeiten sehnt sich wohl niemand mehr zurück.
Es gibt sicherlich kaum eine Großstadt in Polen, in der die heutigen Einwohner ihre gemeinsame polnisch-deutsche-österreichische Geschichte so pflegen, wie in Breslau. Renoviert wurde das alte Schillerdenkmal im Scheitniger Park, in der Uni hängt im ersten Stock die Ehrentafel der acht Nobelpreisträger, die aus ihr hervorgingen, alle sind Deutsche: Theodor Mommsen, Literatur 1902, Philipp Lenard, Medizin 1903, Eduard Buchner, Chemie 1907, Paul Ehrlich, Medizin 1908, Fritz Haber, Chemie 1918, Friedrich Bergius, Chemie 1931, Otto Stern, Physik 1943, Max Born. Physik, 1954.
Bilder der Universität
Foto: Eingang der Universität
Vor der Magdalenenkirche wurde 2000 ein Denkmal für Dietrich Bonhoeffer, dem Widerstandskämpfer und Sohn der Stadt aufgestellt, vieles weitere wäre zu berichten. Die Bevölkerung steht der Deutschen Vergangenheit aufgeschlossener denn je gegenüber. Bislang verschwiegen, machen sich die Nach -kommen der ebenfalls vertriebenen Polen auf Spurensuche.
Symbolcharakter Wroclav- Breslau
So gesehen ist Wroclav eine symbolischen Stadt: Sie hat eine deutsche, polnische, böhmische, jüdische, russische und mit der Aussiedlung von Ukrainern- die von den neuen polnisch – kommunistischen Machthabern aus dem polnisch-sowjetischen Grenzgebiet zwangsausgesiedelt wurden, auch eine ukrainische  Geschichte.
Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat war und ist bis heute ein schrecklicher Akt. Ein Europa des 21. Jahrhunderts darf so etwas nie mehr zulassen, bedenkt man, dass im vergangenen Jahrhundert über 60 Millionen Menschen nur europaweit ihre Heimat zwangsweise verlassen mussten. Wir benötigen heute die Versöhnung im alltäglichen Umgang, gerade mit Polen und Tschechen und auch umgekehrt. Wir sind aufgefordert unsere jeweils eigene Geschichte mit der des Nachbarn zu teilen. Zum Glück gelingt es der Volksdiplomatie auf unterster Ebene eher und mit mehr Geschick, als der hohen Politik, den Käfig nationaler Egoismen aufzubrechen.

Informationen

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