Foto Kurpark des ehemaligen ältesten preußischen Staatsbades

Von Bad  Kudowa nach Bad Rückers

Vorspann- mit persönlichen Anmerkungen

Seit dem Fall „des Eisernen Vorhangs“ 1989/90  beschäftige ich mich mit der einstigen „Goldenen Straße“ von Prag nach Nürnberg. Dieser alten Handelsstraße, die auf den Böhmenkönig und Deutschen Kaiser Karl IV.  ( 1346- 1378 ) aus dem Hause Luxemburg zurückgeht. In ihr spiegelt sich eine friedliche Epoche europäischen Zusammenlebens wieder. Faszinierend, wie es dem Herrscher – der in Tschechien „als Vater des Vaterlandes“ noch heute gepriesen wird, gelang, den Frieden in einem Vielvölkerstaat zu sichern. Er, der eine Rechtsgrundlage schuf, an die sich die Menschen hielten; ein wahrlich europäischer Monarch! Wie die Straße im Westen nicht in Nürnberg endete, so endete sie im Osten nicht an der Teynkirche in Prag, sondern ging weiter nach Breslau und Krakau. Und hier begann für mich eine neue ungeahnte Faszination: Die Fortsetzung der „Goldenen Straße“ führte exakt durch die Stadt Frankenstein, die Heimatstadt meiner Vorfahren. Und gleichzeitig erfuhr ich, dass die Geschichte Schlesiens, durch den Böhmenkönig Karl eine ähnliche Dimension aufweist, wie die neuen Oberpfälzer Heimat meiner Eltern und den Teilen Frankens, dem ehemaligen „Neuböhmen“. Diese Strecke noch genauer zu ergründen, war ist Anlass, mich mehrmals auf eine Reise nach Schlesien zu machen. Durch diese Orte verlief der Weg des Kaisers nach Breslau/Wroclaw: Auf dem Weg nach Breslau führt die Verlängerung der „Goldenen Straße“ nach dem tschechischen Grenzübergang Nachod, der heutigen Europastraße 67, zunächst durch die einstige schlesische Grafschaft Glatz, die nicht nur eine fast 1000jährige Geschichte, sondern auch viele Naturschönheiten vorweisen kann.

 

Fotos: Ausflug ins Heuscheuergebirge Ausgangspunkt Bad Kudowa an der CZ-PL Grenze herrliches Wandergebiet: "Wilde Löcher".

Der deutsche Name des Gebirges leitet sich von den Tafelbergern de Goßen Heuscheuer (919 m; polnisch Szczeliniec Wielki, tschechisch Hejšovina), und der Kleinen Heuscheuer (895 m ü.N.N.polnisch Szczeliniec Mały) ab. Die Felsformationen erinnern an riesige "Heu_Scheuern" . Der polnische Name Góry Stołowe bedeutet „Tafelgebirge“. Das Gebirge weist zahlreiche markante Sandsteinfelsen auf, die dramatische Klüfte, Schluchten und Türme bilden und wurde schon 1790 touristisch erschlossen. Das Kurbad Kudowa Zdroj (Bad Kudowa liegt südwestlich des Heuscheuer-Gebirges). Von Klodzko (Glatz) aus führt der Weg über Neuheide – Albendorf –Wünschelburg durch den Bergwald nach Carlsberg. Die Heuscheuer, ein riesiger Tafelberg aus Sandstein mit bizarren Verwitterungsformen, ist ein wunderschönes Wandergebiet. Sein Fortsetzung  geht über nach Tschechien in die Felsenstädte von Aldersbach und Wekelsdorf und zu den Wilden Löchern nach Bad Kudowa (Kudowa Zdroj).

Bad Kudowa – Kudowa Zdroj

Bad Kudowa – 411 m hoch, liegt im sogenannten „Böhmischen Winkel“, Fürstenhof, eleganter Kurpark, fünf Trink- und Badequellen gegen Herz-, Nieren-Dauererkrankungen, eines der bekanntesten schlesischen Kurbäder.

Foto: Kurzentrum Bad Kudowa

Grenzeck

Der Ort liegt ein klein wenig abseits von der mittelalterlichen Handelsstraße. In einer kleinen Kirche im Ort Grenzeck (Tscherbeney) befinden sich 21.000 Schädel von Menschen in der Zeit von 1776 bis 1804, die durch den Probst Wenzel Tomaschek aus dem aufgelassenen Friedhof gesäubert und gebleicht wurden. Bei den Toten handelte es sich um Opfer der Pest.

m 17. Jahrhundert noch ein kleines Dorf an der Altstraße von Prag nach Breslau gelegen, ist Kudowa heute ein bekannter Kurort. Natürlichen Mineralquellen, inmitten intakter Natur, machten die Ort bereits unter der preußischen Herrschaft berühmt ist.
Daten:  388 - 700 Höhe m ü.d.M. von Prag entfernt 150 km, direkter Grenzort zu Tschechien, 300 km nach Wien, 500 km nach Berlin und 450 km von Nürnberg (über Prag auf der Goldenen Straße) .

Die Stadt hat viele touristische Attraktionen, ein sehr gut entwickeltes Hotel- und Pensionsangebot aller Preisklassen und ein vielseitiges Gastronomieangebot. In Kudowa selbst befindet sich das große Erlebnisbad Aquapark “Wasser-Welt”, ein herrlicher Kurpark lädt zum Spazieren ein.

Fotos: Das Fest der Heiligen Anna wird alljährlich in Bad Kudowa gefeiert . Autor: Sebastian Martyniak

Eine empfehlenswerte Adresse für deutsche Touristen: http://www.kudowa.de

Herr Sebastian Martyniak (von Beruf Lehrer) Perfekter deutschsprachiger Gästeführer für Gruppen und Einzelreisende        Adresse: ul. Spacerowa 19 in 57-350 Kudowa Zdrój

Historisches Freilandmuseum "Skannen" bei Kudowa

Fotos: Freilandmuseum- Denkmal der Nationen an der Goldenen Straße

Information:

Bad Kudowa (Kudowa Zdrój)
ul Zdrojowa 44
57-350  Kudowa Zdrój
Tel.: +48 (0) 74 8661387
E-Mail: turystyka(at)kudowa(dot)pl
Internet: www.kudowa.pl

Gellenau – Jeleniow
Der kleine Ort mit rund 500 Einwohnern an der alten Handelsstraße liegt rund fünf Kilometer vor Hummelstadt. Sehenswert das Schloss, seit 1788 wie der Ort selbst, im Besitz der Grafen von Mutius. Das Untergeschoss dürfte um 1600 erbaut wurden sein und wurde später um ein Stockwerk erhöht. Der rechte Schlossflügel entstand erst in der Hälfte des 18. Jahrhunderts, der linke malerische rechteckige Turm wurde 100 Jahre später angebaut.

Hummelstadt – Lewin Klodzki

Ein altes Holzlöffelmacher-, Leinweber- und Händlerstädtchen, liegt auf einer Höhe von 450 m unter dem Ratschenberg  (803 m) direkt an der bayerisch – böhmischen – schlesischen Passstraße von Nürnberg, Prag, Nachod, Glatz und Breslau. Es ist der erste größere Ort im Schlesien in Richtung Breslau. Auch hier wurden Mineralwasserlagerstätten gefunden. Im Bau befindet sich derzeit ein Stausee als Erholungszentrum. In der Nähe die Schutzgebiete des nahen Heuscheuergebirges.

Bad Reinerz – Duszniki Zdroj

Stadt und Bad sind bereits seit 1468 bekannt. Der Ort gilt als Herzheilbad und war der einst höchstgelegenste Badeort Preußens (568 m). Bereits 1408 wurde erstmals die „Kalte Quelle“ urkundlich erwähnt, aber erst unter Friedrich dem Großen in Gebrauch genommen.

Foto Historische und funktionsfähige Papiermühle

Fotos: Berühmte Fischkanzel in der Pfarrkirche Bad Reinerz und die Papiermühle, ein touristisch sehenswertes Museum.

Die vor 1324 erbaute katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul erhielt im 18. Jahrhundert eine Walfischkanzel. Der Prediger hat seinen Platz im geöffneten Maul des Fisches. Auf dem sogenannten Pestfriedhof von 1611 steht die kleine Kreuzkirche.

Die Stadt war nie befestigt, schöne Renaissance- und Barockbürgerhäuser umrahmen den Markplatz. Bad Reinerz und auch Rückers wurden durch hessische Zuwanderer aus der Gegend um Fulda besiedelt. Die Umgebung ist sehr waldreich, um die Hohe Mense gibt es herrliche Skihänge. Bereits 1562 gab es in Bad Reinerz eine Papiermühle und Glasfabriken.

 Information: http://www.polish-online.com/polen/staedte/duszniki-zdroj-bad-reinerz.php

Bad Reinerz (Dusniki Zdój)
Rynek 9
57-340  Duszniki Zdrój
Tel.: +48 (0) 74 8668003
E-Mail: informacja(at)duszniki(dot)pl
Internet: www.duszniki.pl

Rückers – Szczytna

Zwischen dem renommierten Bad Reinerz und Bad Altheide liegt, von der ehemaligen alten Handelsstraße und der jetzigen E67 durchschnitten, im Tal der Weistritz, der Ort Rückers. Sehenswert die barocke Pfarrkirche St. Johannes dem Täufer ; geweiht 1721. Die beiden Seitenaltäre sind von Bildhauer Michael Klahr d. Ä. gestaltet. Crato von Craffheim, Leibarzt Kaiser Maximiliams und Freund des Reformators Martin Luther, war einst Besitzer des Schlosses in Rückers. Nach dem 30.jährigen Krieg brannte das Schloss aus, bald erfolgte ein Wiederaufbau. Die Kristallglashütte Rohrbach & Böhme produziert auch heute wieder Glas für alle Welt.

Die nächsten Orte vor Glatz 

Bad Altheide   -  Polanica Zdrój           

Nach Galtz/ Klodzko sind es noch 12 Kilometer

Erstmals tauchte der Ort urkundlich 1359 unter dem Namen „Heide“ auf. Anfang des 15. Jahrh. zirka 150 Einwohner, 8 Bauernhöfe, 20 Gärtnerstellen, ein Schloss, das 1449 an Herzog Heinrich von Münsterberg vererbt wurde. Er vermachte es den Augustinern in Glatz als Erbgut. Später kam es an die Jesuiten, die es erweiterten und eine Kapelle auch für die Dorfbewohner einrichteten. Der eigentliche Pfarrort war Oberschwedeldorf. Nach der Auflösung des Ordens durch Rom, 1773, kam es zu häufigen Besitzerwechsel. 1860 wurde von Glatz aus ein Waisenheim eingerichtet, 1873 lebten hier bereits 126 Kinder, betreut vom Orden der Hedwigsschwestern. Das Waisenheim existiert noch heute.

 

Als Kurbad besteht Altheide seit 1904, sein Sauerbrunnen verspricht Heilungskräfte für Herz und Kreislauf. Kurhaus, Kurpark, Villen und Gästehäuser entstanden, der dörfliche Charakter verschwand, ein feines Städtchen entwickelte sich. 1910 weilten rund 6.400 Kurgäste und über 2000 Erholungssuchende im neuen Staatsbad. Der Kur- und Einwohnerandrang explodierte.

Pfarrei Altheide

Kein Wunder, ein neue Kirche wurde gebraucht. Am 8. Juli 1912 wurde die Filialkirche für Alt- und den Nachbarort Neuheide eingeweiht. Da damals noch traditionsgemäß seit Kaiser Karl IV. die Diözese Prag für Niederschlesien zuständig war, übernahm den Weiheakt, Weihbischof Dr. Fring aus Prag. Auch eine bayerische Verbindung gibt es: Den Hochaltar und Antoniusaltar malte der Münchner Kirchenmaler Oswald Völkl, der seine Wurzeln im schlesischen Ort Schlegl hatte. Als Vobild diente ihm beim Hochaltar das heute, im Prado von Madrid hängende Gemälde der Himmelfahrt Mariens vom berühmten spanischen Barockmaler Murillo.  1923 wurde die Kirche Maria Himmelfahrt zur eigenständigen Pfarrei ernannt, der eigene Friedhof wurde zwei Jahre zuvor geweiht. Heute findet sich hier eine deutsch/polnische Gedenktafel für die Bewohner vor 1946. Kirchlich gehört  Altheide heute zum Bistum Schweidnitz.                                                                                           Quelle: Altheider Weihnachtsbrief 2011, Georg Wenzel

 

Foto: Zentrum von Bad Altheide - gute Hotels zum Übernachten

Polanica Górna / Neuheide

Dieser Ort gehört verwaltunsgmäßig z Bad Altheide. Die Euroapstraße 67 von Prag kommende führt durch den Ort. Es ist die einstige Verlängerung der Goldenen Straße und Landbrücke Karl IV. von Prag nach Breslau. Dieser alte Handels- und Königsweg ging bis in die Anfang 1990 durch Polanica-Zdrój /Bad Altheide  und wurde danach als Umgehung nördlich des Stadtgebietes verlegt.

Neuheide wurde urkundlich ab 1556 durch Melchior von Walditz angelegt, dem der Alte Hof in Wernersdorf gehörte. Er ließ einige Häuser an der Landstraße erbauen, die zunächst als Neuwernersdorf und später als Neuheide benannt wurden. Ein Sigmund von Walditz verkaufte die Güter 1601 an die Stadt Glatz. Der Stadtrat musste die von ihm erworbenen Besitzungen auf kaiserlichen Befehl den Brüdern Georg, Hans und Christoph, Söhne des Ernst von Walditz, abtreten.

Nach den Schlesiischen Kriegenfiel Neuheide zusammen mit der Grafschaft Glatz 1763 an Preußen. Nach der Neugliederung Preußens gehörte die Ortschaft ab 1815 zur Provinz Schlesien und wurde 1816 dem Landkreis Glatz zugeordnet, das bleib bis 1945. Vor dem 1. Weltkrieg hatte der Ort 386 Einwohner gezählt. Pfarrsitz war Altheide (siehe Text Altheide).

Bad Altheide (Polanica Zdrój)
ul. Zdojowa 13
57-320  Polanica Zdrój
Tel.: +48 (0) 74 8682444
Fax: +48 (0) 74 8681301
E-Mail: info(at)polanica(dot)pl
Internet: www.polanica.pl

Borek / deutsch Walddorf

 

Borek/ Walddorf  ist Ortsteil der Stadt Rückerzz und liegt einen Kilometer nordöstlich von Szczytna. Vorbei ging der Weg von Nachod nach Breslau

Zur Geschichte des Ortes: Nachdem der Major Karl Leopold Moritz von Hochberg 1827 das Rittergut Rückers erworben hatte, erbaute er auf den Ruinen einer alten Burg aus dem Jahre 1790 die Burg Waldstein (von der Straße aus von Nachod kommend  rechterhand auf einem bewaldeten Hügel liegend). Der Major gründete auch die Glashütte Waldstein, die 1840 in Betrieb ging. Um die Hütte entwickelte sich eine Siedlung, die als Gutsbezirk Waldstein bezeichnet wurde. Bereits 1842 verkaufte Graf Hochberg das erworbene Gut. Nach einer Reihe weiterer Besitzer, unter ihnen  der böhmische Graf August Luwig von Nostiz (Nostit Palais in Prag, heute Sitz des Kultusministeriums) und Fürst Hermann von Pückler Muskau ( Muskauer Gärten in Sachsen heute Weltkulturerbe), gelangten die Glashütte Waldstein und die Burg Waldstein 1860 an die Brüder Franz und Ferdinand Rohrbach.

Nachdem die Glashütte Waldstein in den 1930er Jahren ihren Betrieb einstellen musste, wurden deren Werkstätten und Verwaltungsgebäude zu Wohnungen umgebaut. Die Burg Waldstein gehörte seit 1929 Orden von der Heiligen Familie, dem sie als Missionshaus „Regina Pacis“ diente. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie in ein Lazarett umgewandelt.

Als Folge des 2. Weltkriegs musste die deutsche Bevölkerung bis auf wenige Ausnahmen den Ort verlassen. Die neuen Bewohner waren zum Teil Heimatvertriebene aus Ostpolen.  Borek blieb weiterhin ein Ortsteil von Szczytna (Rückers) und gehörte mit diesem zusammen bis 1974 zur Woiwodschaft Wrocław und anschließend bis 1998 zu Waldenburg. In den 1950er wurde der Orden der Heiligen Familie enteignet und die Mönche mussten die Burg Waldstein verlassen. Im Jahre 2006 erhielt der Orden die Besitzungen im Wege der Kirchenrestitution zurück.