Niederschlesien (Dolny Śląsk) und die Beziehungen zu Bayern
 
Niederschlesien ist eine Region, die durchaus viele Ähnlichkeiten mit der Bayerischen Landschaft besitzt. Im Südwesten Polens gelegen und grenzt sie fließend an die Landschaften Deutschlands und Tschechiens an.
 
Wie in Bayern ist die Landschaft Niederschlesiens sehr gegensätzlich und abwechslungsreich. Im südlichen Teil der Region ragen die schönen und hohen Sudeten mit ihrer höchsten Erhebung, der Berge, Bergvorland, Tiefebenen, saubere Flüsse, Waldkomplexe, große Städte, malerische Städtchen, Zentren von Wintersport und Sommererholung, Ferien am Bauernhof... Der Trumpf des Niederschlesiens – wie Bayerns - ist seine Vielfalt. Das ist der Boden mit einer reichen Vergangenheit, einer modernen Wirtschaft und zugleich der herrlichen Natur. Das ist ein für den Fremdenverkehr im Laufe des ganzen Jahres attraktives Gebiet. Es ist noch hinzuzufügen, dass man hierher schnell und leicht aus vielen abgelegenen Gegenden von Europa und der Welt kommen kann. Schneekoppe (Sniezka), (1602 m ü. NN), empor. Nicht nur die Landschaft, auch Geschichte, Kunst, Kultur oder Brauchtum weisen viele Parallelen auf.
 
Christianisierung
Schlesien gehörte bis 990 zu Böhmen nach dort kamen über Böhmen die ersten Missionare aus Bayern Passau/ Regensburg. Auf diesem Weg kam das Christentum nach Schlesien. Nachdem Polen seine Machtträume (Boleslaus Chrobry) bis an die Elbe und den Bayerischen Wald ausdehnte, kam es zu drei Kriegen mit Kaiser Heinrich II. (Sohn des Bayernherzoges Heinrich des Zänkers), der eigens für die Ostmission das Bistum Bamberg gegründet hatte und die Polen wieder zurückdrängte. Von Bamberg aus zog dann der große bayerische Missionar und spätere Bischof Otto der Heilige über die Oberpfalz, Prag nach Schlesien zum Wallfahrtsort Wartha und dem Zobten, weiter nach Gnesen, Stettin. Er gilt als Missionar der Pommern.
 
Machtkämpfe und Verbindungen der Herrscherhäuser
Die Entstehung von Ländern ist in der Regel durch Machtkämpfe gezeichnet. Nicht selten innerhalb enger Verwandtschaften oder rivalisierender Familien. In Bayern wurde der mächtige Graf Tassilo III. durch seinen Verwandten, Kaiser Karl d. Großen brutal entmachtet, gedemütigt und zusammen mit seinen Söhnen lebenslang ins Kloster sandte. Ähnliches passierte in Böhmen, wo sich die rivalisierenden Familien der Slaviniken und Premysliden blutige Machtkämpfe lieferten, gleichzeitig wie die polnischen Piasten Schutz im Deutschen Reich suchten und fanden.
Schweren Auseinandersetzungen hatten die Piastenfürsten, die mit regierenden Häusern in Deutschland verwandt und verschwägert waren, als sie von ihren polnischen Verwandten vertrieben wurden. Kaiser Friedrich Barbarossa rief von Freising aus zu einem Feldzug gegen Polen auf. Es gelang ihm, Piasten 1163 wieder in ihr Land zurückzubringen. Diese hatten in ihrer 17jährigen Emigration engere Beziehungen zu Bayern (auch zu Bamberg) geknüpft. Die schlesischen Piasten orientierten sich Richtung Westen. Der Herzog von Breslau, Boleslau I., wurde am Hofe Kaiser Friedrichs I. Barbarossa erzogen. Wieder in der Heimat förderte er den Landesausbau. Er besetzte das Kloster Leubus an der Oder mit thüringischen Zisterziensern, die entscheidend zur Neubesiedlung des Landes beitrugen.
 
Foto: Klosterstiftung  der Adelheit von Sulzbach) mit dem schlesischen Wappen in Sulzbach-Rosenberg
 
Herzog Boleslaus von Breslau holte sich seine Frau aus Bayern (Adelheid von Sulzbach) und da er sich in den Heereszügen Friedrich Barbarossas nach Italien mit dem Herzog Berthold von Andechs, einem der Mächtigsten Adelsgeschlechter Bayerns, befreundet hatte, erbat er dessen Tochter Hedwig zur Gattin seines Sohnes.
Fotos:Kloster Andechs
 
Heilige Hedwig- eine Bayerische Adelstochter
 
Heinrich I. von Schlesien und Hedwig von Andechs
Die hl. Hedwig erinnert uns an eine große deutsche Frau, die Deutsche und Polen in gleicher Weise verehren. So wurde sie zur Brückenbauerin zwischen unseren beiden Völkern, die in langen Jahrhunderten nebeneinander, miteinander und nicht selten gegeneinander standen. Heinrich I., heiratete Hedwig von Andechs-Meranien. Und so wurde die Hl. Hedwig Herzogin von Schlesien. Dies war ein Wendepunkt in der Schicksalsgemeinschaft Schlesien - Bayern. Das Paar gründete 1202/03 in Trebnitz das erste Frauenkloster Schlesiens. Heinrich I. förderte die Ansiedlung von Deutschen aus Mittel- und Süddeutschland. 60 Städte mit deutschem Stadtrecht und 1200 deutsche Dörfer wurden gegründet. Wälder gerodet, Gebiete neu besiedelt, Bodenschätze effektiver abgebaut.
 
Schlacht bei Wahlstatt
Ziemlich am Anfang gab es eine schwere Unterbrechung und Störung durch den Tatareneinfall von 1241, bei dem Zehntausende von deutschen und polnischen Rittern, Mönchen, Bauern und Bürgern das Leben für die Rettung des Abendlandes ließen. Zu den Mitstreitern des Heerführers Heinrich II., des Sohnes der Hl. Hedwig, des „Helden von Wahlstatt“, gehörte der Hochmeister des Deutschen Ritterordens Poppo von Osterna aus Osternohe bei Nürnberg.
Ein anderer fränkischer Hochmeister, Konrad von Feuchtwangen, der auf der Rückkehr aus dem Hl. Land gestorben war, wünschte zum Zeichen der Schicksalsverbundenheit neben Herzog Heinrich im Kloster Trebnitz beigesetzt zu werden. Es war eine Gründung Hedwigs, die die Nonnen dafür aus Bamberg und Kitzingen hatte kommen lassen. Beim Bau der Kirche hatte sie ihr Bruder Eckbert, Bischof von Bamberg, durch Rat und Bauleute tatkräftig unterstützt. Zur gleichen Zeit ließ dieser den Bamberger Dom erbauen. Als sein Nachfolger, Bischof Popp, ebenfalls ein Andechser, 1242 den Schlussstein setzen ließ, ließ er dafür den „Bamberger Reiter“ schaffen, man nimmt an als Ehrenmal für Hedwigs Sohn, den „Helden von Wahlstatt“.
Fotos: Mongolenschlacht- Denkmal in Wahlstatt und Museum
 
Sie hielt ja enge Verbindung zur bayerischen Heimat. Und als Herzogin Ludmilla zu Ehren des auf der Donaubrücke ermordeten Herzogs Ludwig des Kelheimers in Landshut das Zisterzienserinnenkloster Seligenthal gründen wollte, schickte ihr Hedwig dafür die Nonnen aus Trebnitz. Diese Kontakte mit Bayern führten dazu, dass Hedwigs Enkel Wladislaus Kanonikus in Bamberg, dann Bischof von Passau und Erzbischof von Salzburg und damit Metropolit von Bayern wurde.
 
Fotos: Klosterkirche und Kloster Trebnitz
 
Hedwig, die am 26. März 1267 Papst Klemens IV. wegen ihrer Frömmigkeit heiligsprach, wird bis heute als Landespatronin Schlesiens verehrt.
 
Siedler aus Franken
 
Der Strom deutscher Siedler, Bauern, Handwerker, dann auch Kaufleute, Priester und Künstler nach Schlesien riss nicht ab. Die Ähnlichkeit des schlesischen Dialekts vor allem mit dem fränkischen ist noch heute zu erkennen. Ortsnamen wie Frankental, Frankenstein, Frankenwalde und Bayerndorf und zahlreiche FamiIiennamen wie ,,Franke“ und „Bayer“ weisen darauf hin.
In der Pfarrkirche von Iphofen finden wir die Grabplatte eines Ritters von Frankenstein, fränkischer Adel?!
 
Breslau holte sich nicht weniger als viermal seinen Bischof aus Bayern (Johannes Roth, für der Nürnberger Peter Vischer das Grabmal schuf, Andreas Jerin, der die Gold- und Silberschmiede aus Augsburg mitbrachte, Pfalzgraf Franz Ludwig aus Neuburg, der dann auch noch Kurfürst von Trier und Mainz wurde und daher eine „Kurfürstliche Kapelle“ am Breslauer Dom als Grabstätte erhielt und schließlich Joseph Christian Reichsfürst zu Hohenlohe aus Bartenstein).
 
Schlesische Fürstentöchter nach Bayern
Wenn sich die Herzöge von Schlesien und Polen nicht weniger als 10 Mal ihre Frauen aus süddeutschen Fürstenhäusern holten, so zeigte sich auch bald eine entgegengesetzte Bewegung. Hatte sich schon Graf Ulrich, der „Stifter“ des Hauses Württemberg, eine Urenkelin der Hl. Hedwig, Agnes von Liegnitz ( + 1265) zur Gemahlin erwählt, so folgten ihm 1309 Herzog Otto von Straubing, der sich mit Agnes, der Tochter des Herzogs Heinrich von Glogau vermählte. Ihre Schwester Beatrix erwählte sich Ludwig d. Bayer, der später der einzige Kaiser aus dem Hause Wittelsbach wurde. Sie fanden beide ihre letzte Ruhestätte im Münchener Dom, und als man bei der letzten Restauration des Domes ihre Gräber freilegte, fand man jene Ruhestätte unter dem Hochaltar, die mit den beiden Wappen, dem schlesischen Adler und dem bayerischen Löwen, geschmückt war. Einen gleichen Schritt tat sein Nachfolger Kaiser Karl IV., der sich mit der schlesischen Herzogstochter Anna v. Schweidnitz vermählte und die 1355 in Rom zum Kaiser bzw. zur Kaiserin vom Papst gekrönt wurden. Ihr Sohn, der Kronprinz Wenzel, kam in Nürnberg auf der kaiserlichen Burg zur Welt, und zur Freude darüber ließ der Kaiser an der gerade entstehenden St.-Lorenz-Kirche, der schönsten gotischen Kirche Bayerns, drei Wappen anbringen: den kaiserlichen Adler, den böhmischen Löwen (da er ja auch König von Böhmen war) und den schlesischen Adler mit dem Silbermond (zu Ehren seiner schlesischen Gemahlin Anna).
 
Friedrich von Pfalz-Vohenstrauß-Parkstein (Bild) . Er war der vierte Sohn von Wolfgang von Pfalz-Zwiefalten und Anna von Hessen (eine Wittelsbacher Linie).  Am 26. Februar 1587 heiratete er Katharina Sophia von Liegnitz (1561–1608), eine Tochter des schlesischen Herzogs Heinrich XI von Liegnitz und Brieg. Er baute in der Stadt Vohenstrauß 1558 die Friedrichsburg mit fünf Türmen und hohem Steildach als Residenz.
Fotos: Friedrichsburg Vohenstrauß und Pfalzgraf Friedrich. Dringed suchern wir ein Bild der Pfalzgräfin.
 
Das Eingangsportal trägt den bayerischen Löwen und den schlesischen Adler.
Schloss in Liegnitz
 
Herzog Ernst von Wittelsbach* in München, zeigte Interesse am Kauf der Grafschaft Glatz. Um das Ziel zu erreichen, wurde er Höriger der Böhmischen Krone. Nur unter dieser Voraussetzung durfte er die Grafschaft 1549 für 140.000 Gulden erwerben. Friedrich I. bestätigte am 14. November 1549 die Rechte des Herzogs Ernst. Er blieb bis zu seinem Tode am 7. 12. 1560 in Glatz.
Fotos : Die Grafschaft Glatz hatte eine Bayerisch Wittelsbachische Epoche
 
Vielfältige Verbindungen
Zitat: „Die Breslauer Kaufleute fluchten auf dem Weg von Nürnberg über Prag auf den steilen Weg in  Pleystein vor der tschechischen Grenze“ (Chronik der Stadt Pleystein).
 
Neben diesen dynastischen Verbindungen kam es zu engen Beziehungen auf den Gebieten der Wirtschaft, des Handels, der Kunst und der Wissenschaft. Schon im 13. Jahrhundert handelten die Breslauer mit Regensburg, im 14. Jahrhundert folgten Nürnberg, Augsburg, Ulm, Lauingen. Sie übernahmen den Handel bis nach Venedig. In Breslau siedelten sich die Scheurl, die Heugel, die Sauermann aus Nürnberg, die Fugger aus Augsburg, die Pucher aus Bamberg, die Geiger aus Nördlingen, die Steger aus Nürnberg an. Sie brachten es teilweise zu erheblichem Reichtum und taten sich durch reiche Stiftungen und Spenden für Kirchen und Klöster hervor. Ihrem Beispiel folgten die angesehensten Künstler der Zeit. Benedikt Ried von Piesting bei Landshut wurde der  Baumeister der Piastenkönige in Schlesien und Böhmen (Wratislaus Saal in Prag). Oder Veit Stoss, der den herrlichen Marienaltar für die Kirche der Deutschen in Krakau schuf, Hans von Pleydenwurff aus Bamberg, der für die St.-Elisabethkirche in Breslau den Kreuzigungsaltar gestaltete, der heute in Nürnberg (Germanisches Museum) hängt. Dann Lucas Cranach aus Kronach mit seinen Madonnen für den Glogauer und Breslauer Dom, die Thomas und Anton Scheffler aus Mainburg, die 40 Kirchen in Schlesien ausmalten, der Bildhauer Johannes Lehnert aus Regensburg, Johann Peter Echtler aus Steingaden, Albert Siegwitz aus Bamberg, Georg Merck aus Wessobrunn.
 
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verschwand der italienische Einfluss mehr und mehr, die Barockkunst hielt Einzug. Führende Architekten und Künstler wirkten von Bayern über Böhmen bis nach Schlesien. Fischer von Erlach baute 1722 die Kurfürstenkapelle des Breslauer Doms. Ignatz Kilian Dientzenhofer 1723 die Kirche des Klosters Wahlstatt. Die Breslauer Universität ist das Beste, was die Barockzeit in Schlesien hinterlassen hat.
Fotos: Breslau- Leopoldina
 
So bekam schließlich Schlesien immer mehr das Aussehen einer nahezu bayerischen Landschaft mit herrlichen Barockkirchen (so von Cosmas Damian Asam) mit seinen Mariensäulen, die von München ausgingen, seinen Nepomuksäulen, seinen Schiffskanzeln (die erste stand in Irrsee in Schwaben).
 
Fotos: Akanthus Altar (Bayern- Böhmen-Schlesien) Wahlstatt (Asam)
 
Städtebau
Interessant die Stadtbauformen in Schlesien, die meist in der Gotik vollzogen wurden. So finden wir eine gerundete Gesamtform, die durch ein Netz regelmäßiger, sich rechtwinklig kreuzender Straßen, die in der Mitte einen Platz von Baublockgröße einschließen, aufgeteilt.
Oft wird die langgezogene Rundung durch eine sich in der Mitte zu einem Platz ausbauchende Straße in der Längsachse geteilt. Es sind die Handelsstraßen, die in diesem Fall ohne Unterbrechung durch den Ort führen. Stets gibt es Befestigungen durch Mauern. Die Regelmäßigkeit der Stadtpläne wurde nur dort unterbrochen, wo Berge oder vorhandene Burganlagen integriert wurden, wie zum Beispiel in Glatz. Wie in der Oberpfalz und Franken verlaufen die Straßen von Tor zu Tor und schneiden sich rechtwinkelig auf dem Marktplatz, der in Schlesien überwiegend „Ring“ genannt wird.
 
Wie in der Oberpfalz und Franken ist der prächtige Rathausbau oft in der Mitte des Platzes zu finden, Zeichen eines selbstbe-wussten Bürgertums. Hinzu gesellen sich die hohen bürgerlichen Giebelhäuser und die mächtigen Pfarrkirchen, die das Bild  der Marktplätze in ihrer Gesamtwirkung abrunden. Noch eines ist dem Besucher aus Bayern vertraut, die vielen kleinen und großen, ja oft prunkvollen Nepomukstatuen an Brücken, vor Brunnen oder Kirchen. Meist haben sie ihre Plätze dort eingenommen, wo der Reisende sie still betrachten kann.
 
Kunst- Musik -Technik
Aber auch viele schlesische Künstler fanden den Weg nach Bayern, so Johann Pollak und Niclas Hotwerk nach München und Nürnberg, Wilhelm Hauschild zu den bayerischen Königsschlössern und zahlreichen Kirchen, Eduard Grützner nach München („Der schlesische Zecher“ in der alten Pinakothek und das „Grütznerstübel“ im Münchner Rathaus), Prof. Fritz Erler ebenfalls nach München, desgleichen sein Bruder Erich Erler-Samaden, Josef Zenker, der zahlreiche Altargemälde schuf, Karl Wuttke, Adolf Münzer, Herrmann Völkerling, Margarete von Kurowski, Paul Höcker. Schließlich soll noch Martin Dulfer aus Breslau erwähnt werden, der 1900 das Haus der „Münchner Allgemeinen“, ein Hauptwerk des Jugendstils, und den Kaimsaal schuf. Auf dem Gebiete der Musik seien Carl Proske erwähnt, der die „Divina Musica“ in Regensburg schuf, und Carl Thiel, der langjährige Leiter der Regensburger Kirchenmusikschule. Selbst auf dem Gebiete der Technik in Bayern waren Schlesier führend beteiligt. So entwickelte  Arthur Korn als Professor in München die Bildtelegraphie, die Vorstufe des Fernsehens, er nahm 1907 die erste Fernübertragung von Bildern vor. Sein Bildfunk wurde 1928 bei der deutschen Polizei eingeführt. Curt Heinke aus Breslau, Professor in München, erforschte den Elektronengehalt höherer Luftschichten und überquerte 1903 als erster Ballonspezialist die Alpen.
So sind die Ströme deutscher Kultur von Schlesien nach Bayern und umgekehrt durch  sechs Jahrhunderte bis in die jüngste Vergangenheit gegangen. Wer kennt nicht Eichendorff, der -aus einem alten bayerischen Geschlecht stammend - als einzigen Orden den bayerischen Maximiliansorden trug und dessen Enkelin als Äbtissin der Benediktinerinnenabtei Frauenchiemsee starb. Oder Gerhard Hauptmann, den Nobelpreisträger von 1912, der den schlesischen Dialekt auf die bayerischen Bühnen brachte. Oder Ernst von Wolzogen und Otto Julius Bierbaum, die beide in München heimisch wurden, oder Wolfgang Liebeneiner, der letztlich in München zur Bühne fand oder die zeitgenössischen Horst Lange und Alfons Teuber, den Glasmaler Markus von Gosen.
 
Kriege
Auch kriegerische Ereignisse führten Bayern und Schlesien zwangsläufig des öfteren zusammen. Die Hussitenkriege tangierten Bayern und Böhmen, der hussitische Gedanke breitete sich aus. Das alte schlesische Adelsgeschlecht der Reichsgrafen von Schaffgotsch, nahm mit Hans Ulrich Schaffgotsch den hussitischen Glauben an und wurde in Regensburg hingerichtet. Ein Denkmal erinnert noch heute daran.
In die, dem Prager Fenstersturz folgenden Entwicklungen, wurden auch die Schlesier hineingezogen. Um die Religionsfreiheit zu bewahren, sahen sie sich gezwungen, sich den Böhmen anzuschließen, und die Gesandten der schlesischen Stände stimmten nach dem Tode Kaiser Matthias‘ (1619) mit den böhmischen Ständen für die Wahl des Führers der protestantischen Union, Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz Heidelberg-Amberg, zum König von Böhmen; Friedrich nahm am 23. 2. 1620 in Breslau die Huldigung der schlesischen Stände entgegen. Nach der Niederlage am Weißen Berge (8. 11. 1620) kam der »Winterkönig« wieder in Schlesiens Hauptstadt; der Versuch, neue Kräfte zu sammeln, misslang, und so riet er den Schlesiern, Kontakt zu den Sachsen aufzunehmen, die als Verbündete des Kaisers die Lausitzen besetzt hatten und zu Verhandlungen bevollmächtigt waren. Im »Dresdner Akkord« vom 28. 2. 1621 wurden die Schlesier weitgehend geschont: die Stände sollten zwar eine Buße von 300.000 Gulden zahlen und Ferdinand II. als Oberherrn anerkennen; im übrigen wurden aber die Wiederherstellung des Zustandes von 1618 versprochen und die Privilegien des Landes garantiert.
 
Der Dreißigjährige Krieg, in dem sich die Religions- und Machtfrage miteinander vermischte, stürzte Mitteleuropa in eine Katastrophe. Die katholische Armee Wallensteins drang in Schlesien ein. Die schlesischen Protestanten wurden rigoros verfolgt. Städte wie Beuthen, Cosel und Rybnik wurden verwüstet. Schlesien konnte sich nicht erholen. 1639 marschierten die Schweden ein. Die traurige Bilanz des Krieges: Die Bevölkerung schrumpfte von 1,5 Millionen auf eine Million. 36 Städte und 1095 Dörfer waren zerstört. Hunger und Seuchen plagten das Land. Viele Protestanten flohen aus Schlesien.
 
Eine Gedenktafel im Augsburger Dom erinnert daran, dass in den napoleonischen Kriegen - in denen bayerische Truppen im Gefolge Napoleons in Schlesien kämpften – ein bayerischer General im Jahre 1807 die Kapitulation der Festung Glogau erzwang. 1921 war es vor allem das bayerische Freikorps Oberland, das während der Abstimmungskämpfe um Oberschlesien sich durch beispielhafte Tapferkeit und selbstlosen Einsatzwillen, u.a. bei dem große Verluste erfordernden Sturm auf den Annaberg, ausgezeichnet hatte. Im Kriegswinter 1945 kämpften nochmals viele bayerische Soldaten in Schlesien. Dass sie trotz der Schwere des Kampferlebnisses und den Unbilden jener Zeit von dem Land, der Landschaft und den Menschen dieser preußischen Provinz tief beeindruckt waren, wird uns Vertriebenen, von denen heute mehr als 500.000 in Bayern leben, immer wieder versichert, gewissermaßen als Symbol einer viele Jahrhunderte währenden Schicksalsgemeinschaft, und damit gleichzeitig das Wort bestätigt: „ln Schlesien ist auch ein Stück Bayern verlorengegangen“.
Quellengrundlage: Dr. Josef Jokiel
 
Weitere Verbindungen  über Brauchtum
 
 Foto: Wallfahrtskirche Alberndorf
 
Foto.Wallfahrt Kloster Andechs
 
Krippen verbinden Bayern Böhmen und Polen
Foto: Bewegliche Krippe in Alberndorf ganzjährig geöffnet
  
 Foto: Schloss Eckersdorf in der Grafschaft Glatz Fischkanzel in der Pfarrkirche
 
Schlesien, hier haben die großen historischen europäischen Epochen ihren Niederschlag gefunden, sind Zeichen dafür, dass dieses Land eben ein bedeutender Teil Europas war und auf dem guten Weg ist, dies wieder werden muss. Wichtig aus westeuropäischer Sicht ist der Besuch dieser Regionen, die Reize der Landschaft und Historie zu erleben.
 
Musik- Weihnachten
Das Transeamus usque Bethlehem von Franz Schnabel gehört in der Weihnachtszeit in vielen Kirchen  zum Bestand der Messfeiern.
 
 
Versöhnung - ein exemplarisches Beispiel
Ein Gedenkstein für die Toten der prostantischen und katholischen deutschen Petersdorfer. Mit einem gemeinsamen polnisch-deutschen Gottesdienst wurde er feierlich 2010 eingeweiht. Bild: Gerhard Beck, Altenstadt/WN