Nürnberg und die Böhmischen Könige 

Pünktlich um 12 Uhr erscheinen beim „Männleinlaufen“ an der Nürnberger Frauenkirche seit dem Jahre 1509 die sieben Kurfürsten. Ehrfürchtig erweisen sie Kaiser Karl IV. seine Reverenz. Nur wenige der vielen Zuschauer wissen, dass es sich dabei um Karl IV. aus dem Hause Luxemburg handelt. Um 1350 erhob er Prag zu seiner Hauptstadt.

Karl IV. reiste oft in sein „geliebtes Nürnberg“. Nach Prag wurde die Stadt zu seiner zweiten Residenzstadt. Als „furnemste und basz gelegigste Stat des reiches“ rühmte er Nürnberg. Nicht ohne Grund, die einst kleine Siedlung am Pegnitzufer, erstmals urkundlich erwähnt am 16. Juli 1050 als „Nuorenberc“, wurde bereits 1219 zur freien Reichsstadt und zum Sitz der Reichstage erhoben. Die in der Mitte des Reiches fixierte geografische Lage baute die Stadt fest in das damalige Wirtschaftssystem ein. Seit 500 Jahren umkreisen die Kurfürsten Kaiser Karl IV. Klicken Sie den Link des Bayerischen Rundfunks an 

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Zwölf Fernstraßen aus allen Himmelsrichtungen liefen hier zusammen. „Nürnberger Tand ging durch alle Land“.  Neben dem Warenaustausch waren sie zugleich Transportwege für „geistige Güter“, für Nachrichten und Ideen. Hoch entwickelt präsentierten sich die Gewerbe der Stadt; hervorzuheben ist dabei die Metallverarbeitung. Das Recht der Nürnberger Kaufleute war für viele Städte Vorbild und ist bereits 1163 in einer Urkunde Kaiser Barbarossas erwähnt.


Als am 31. Oktober 1347 Ludwig der Bayer überraschend verstarb, kam der Böhmenkönig Karl IV. kurz darauf nach Nürnberg. Bereitwillig öffnete ihm die Stadt die Tore. Karl belohnte diesen Akt durch vielfältige Begünstigungen, bestätigte sämtlich Rechte seiner Vorgänger und fügte sogar noch 14 weitere dazu.                               

Die Burggrafen huldigten ihm und so erhielt Nürnberg die Handels- und Zollfreiheit der Prager Bürger und vieler anderer böhmischer Städte und Erbländer. Karl sicherte sich zudem die Gunst des mächtigen Nürnberger Burggrafen Friedrich indem er diesen 1363 in den Reichsfürstenstand erhob und seine Söhne im Säuglingsalter mit den Töchtern des Hohenzollern verlobte.

  

Das Geld für Karls Politik kam in großem Umfang aus den Kassen der reichen Nürnberger Großkaufleute.1349 zog er mit großer Heeresmacht ein zweites Mal in Nürnberg ein. Nun stärkte er den Einfluss der vielen Handwerker, die bislang vom politischen Geschehen ausgeschlossen und eher bayerisch gesinnt waren.

 

Repro: Postkarte, Nürnberger Hauptmarkt um 1930

In einer Markturkunde von 1349 wurde verfügt, dass ein großer Marktplatz fehle. Er erlaubte auf Drängen der Ratsherren und Kaufleute den Abbruch des nördlich der Pegnitz gelegenen Judenviertels zur Anlage zweier Plätze, dem Hauptmarkt und dem Obstmarkt. Auch die Synagoge musste einer Marienkirche weichen. Aber, um welchen Preis, ein Drittel der jüdischen Bevölkerung verlor das Leben, der Rest wurde vertrieben oder hatte die Stadt rechtzeitig verlassen. Der einzig dunkle Schatten auf der ansonsten lichten Gestalt des Kaisers, der hier von Prag aus nicht eingeschritten war. Doch bereits drei Jahre später durften die Juden mit seiner Erlaubnis zurückkehren. Es erfolgte sogar der Befehl, sie zu schützen. Die Zinsen der Juden sollten nur noch direkt in die kaiserliche Kasse fließen.

Die berühmte Frauenkirche, erbaut von der Parler Dombauhütte

    

Wie im 14. Jahrhundert in Breslau, entstand in einer gewachsenen mittelalterlichen Stadt ein total neues Viertel nach modernsten Vorstellungen mit der heutigen Frauenkirche aus der Parlerhütte ( 1350 – 1358 ). Vorbilder, die Prager Stefanskirche und die Jakobskirche in Prachatitz. Die Patrone Böhmens, der Hl. Wenzel, die Heilige Ludmilla erhielten in ihr einen Platz. Reliquien und Ablassbriefe sicherten die Zukunft der Kirche. Im Jahr der Kaiserkrönung ( 1355 ) in Rom wurde sie zur „kaiserlichen Hofkapelle“ bestimmt.

 

Bild: Die Frauenkirche im Zentrum Nürnbergs 

Noch im Jahr nach seiner Krönung berief er im November 1355 in Nürnberg den Reichstag ein.

 Das Resultat, die „Goldene Bulle“, legte fest, dass jeder König seinen ersten Reichstag in der Stadt abhalten sollte. Rund 200 Jahre wurde an diesem umfassendsten und genau durchdachten Gesetzeswerk festgehalten. Damit stärkte er die Wirtschaft und das Ansehen der Stadt. Es regelte die Kurrechte und die Grundlagen der künftigen Wahlen des Königs und Kaisers.

  Briefmarke 650 Jahre Goldene Bulle

Die Goldene Bulle bestimmte: Wer die Mehrheit der sieben Kurfürsten hat, ist König. Eine Doppelwahl war somit unmöglich. Das Hl. Römische Reich Deutscher Nation hatte nie eine richtige Hauptstadt besessen. Nürnberg erhielt durch die Goldene Bulle neben Frankfurt und Aachen eine Art von fester Kaiserresidenz. Jeder neugewählte König musste den ersten Reichstag in Nürnberg abhalten.

 

Im Spätmittelalter wurden unter Kaiser Sigismund die Kroninsignien nach Nürnberg gebracht. Hier blieben sie bis 1796. Der Nürnberger Rat veranlasste aus Sorge vor dem Vorrücken Napoleons die Versendung der Insignien nach Wien.

Foto: Im historischen Rathaus der Stadt werden in einer Schauvitrine Krone, Zepter und Reichsapfel - als Kopien- ausgestellt.

Veränderungen im Stadtbild

Durch weitreichende Gerichtsbefugnisse überließ Karl IV. den Nürnbergern den Hauptmarkt. der bekannteste Reichsschultheiß war 1339 der Gründer des Heilig- Geist Spitals, Konrad Groß. Später ging das Amt an die Burggrafen über. In dieser Epoche erfuhr die freie Reichsstadt umfassende gepflasterten Ort Deutschlands. Die Bürger nahmen sich dies zum Vorbild und pflasterten ebenfalls ihre Straßen, so konnte der Kaiser "sauberen Fußes" durch die Stadt ziehen.

 

Foto: Bürgerspital des reichen Nürnberger Kaufmanns Groß

Foto: Innenhof des Bürgerspitals

Das gotische Grabmahl des Ehepaars Groß

Kirche St.Sebald

Auch die Kirchen St. Sebald ( Heinrich Parler) und St. Lorenz erfuhren hochgotische Umbauten. Dies zeigt sich im Wappen des böhmischen Löwens und des schlesischen Adlers seiner Frau Anna von Schweidnitz in der Jahrzahl ihrer Hochzeit 1353. Der schöne Brunnen, ein profanes Bauwerk entstand um 1370, im Sebaldusviertel entstanden reiche Patrizierhäuser, in denen der Kaiser gern verkehrte und komfortabler übernachtete als in der kalten Burg.

 

Kirche St. Lorenz

Das gewaltige gotische Rosettenfenster  wurde von Prager Baumeistern entworfen und gestaltet

 

Der Welthandel der Stadt und deren Bedeutung wuchs und steigerte das Selbstbewusstsein der Kaufleute. Auch das Handwerk profitierte, Erfindungen nahmen zu. Ulrich Stromer, dessen Nachkommen noch immer in Nürnberg leben, „hub an, das erste  papir zu machen“. Peter Stromer rettete 1368 die endgültige Abholzung der Reichswaldungen um die Stadt, indem er die ersten Nadelholzsaaten durchführen ließ. Karl IV. regelte durch Verordnungen 1350 und 1378 das Zeidelwesen und legte somit die Grundvoraussetzungen für die berühmte Lebkuchenproduktion. Nicht zu vergessen die Vorsorge für die Sicherheit der Stadt, die nahezu vollständig erhaltene Ringmauer reicht auf den Böhmischen König und Kaiser zurück.

 

Karl gelangte nie in den Besitz der Reichsstadt Nürnberg, dennoch stützte er ihre Position, wo er nur konnte. Der Lohn, Nürnberg war eine stets kaisertreue Stadt. In Nürnberg wurde Karl am 26. Februar 1361 endlich sein langersehnter Thronfolger Wenzel IV. aus der dritten Ehe mit Anna von Schweidnitz geboren und am 11. April in St. Sebaldus getauft. Foto rechts: Taufbecken, der berühmteste Täufling in diesem Becken war Albrecht Dürer. Wenzel wurde in einem nicht mehr existierendem Taufbecken getauft, dass in der Nähe der Eingangstür an der Nordseite des Kirche stand. Auch sein Halbbruder Sigismund ist in Nürnberg geboren worden. Beide kamen in Patrizierhäusern zur Welt und nicht auf der unwirtlichen Burg.

Wenzel selbst hielt sich in seiner Geburtsstadt nachweislich 13 Mal auf. Kaiser Sigismund, Karls Sohn und Halbbruder des abgesetzten Kaisers Wenzel IV. übergab 1432 gegen ein Entgeld von 1000 Mark Silber dem Rat der Stadt für "ewige Zeiten" den Reichsschatz. das deutsch-tschechischen Lesebuch "Sagenhafte Goldene Straße" beinhaltet die merkwürdige Taufe des Wenzels und die Befürchtungen der Nürnberger, dass das ein schlechtes Omen für seine Zukunft sei. Was auch geschah!

  Kaiser Sigismund weilte in Nürnberg 1414 und 1422 von Juli bis September. Ein weiteres Mal kam er 1430 und blieb erneut vom Februar bis Mai, sowie 1431 von Juni bis September. Das Haus Luxemburg war mit der Reichsstadt Nürnberg wie mit keiner anderen Stadt verbunden. Von Karl IV. nach Prag als Hauptsitz und zu einer Mittlerrolle zwischen Prag und Westeuropa bestimmt, von Wenzel IV. mit zahleichen Stiftungen ausgestattet, wertete Sigismund Nürnberg gegenüber Frankfurt und Aachen nochmals auf. 1422 ließ er die beschädigte königliche Burg erneuern und gestattete der Stadt eine eigene Handelsmesse, die er 1431 zur Reichsmesse erhob. Der Nürnberger Burggraf Friedrich von Hohenzollern war einer seiner engsten Vertrauten. Bei der Königswahl Sigismunds 1410 übergab dieser ihm zum Dank für die vielfältigen Verdienste die Mark Brandenburg; 1415 die märkische Kurwürde. 1433 läuteten am Namenstag der "Apostel Peter und Paul" anlässlich der Kaiserkrönung Sigismunds in Rom alle Kirchenglocken zu Nürnberg.

 

Im Kaiserzimmer der Burg erinnert ein Stich an die Reichsreliquien, die Karl IV. dem Reichsschatz als Geschenke Papst Urbans V. aus dem Jahre 1368 hinzufügte. Es handelte sich um einen Span aus der Krippe des Herrn, drei Kettenglieder der Apostel Petrus, Paulus und Johannes und einem Gewandrest des Evangelisten Johannes (Quelle: Amtlicher Führer, Kaiserburg Nürnberg, Erich Bachmann, 1990).

Goldene Brunnen einst für die Wasserversorgung der Bürger zuständig

 

Bild:  Der schöne Brunnen, im Hintergrund die Türme der Sebalduskirche.

Befestigungsmauern  der Stadt 

 

Die Stadtmauern Nürnbergs zeichnete der Denkmalpfleger Herbert Bäuerlein nach. Um 1400 wurde "die letzte Stadtumwallung" in der heutigen Form fertig gestellt.

Quelle: Repro Stadtbeilage über Nbg. im Neuen Tag Weiden Thema: "Ein Schutzwall umringt die Stadt- 700 Jahre lang wehrte die Mauer alle Angreifer ab".

118 Türme, ein 12 m tiefer und bis zu 20 m breiter  Graben schützte die Freie Reichsstadt. Für die Befestigung war auch die Hussitenbedrohung um 1430 ausschlaggebend.

Nürnberg und sein weltberühmter Christkindlesmarkt

 

Der berühmte "Christkindlesmarkt" ist ein Markenzeichen der Frankenmetropole.

 

 Alljährlich zieht er die Besucher aus aller Welt an. Die Deutsche Zentrale für Tourismus bezeichnet ihn als den Weihnachtsmarkt Nummer "Eins" in Deutschland. Auf der Brüstung der Frauenkirche wird alljährlich der Christkindlesmarkt eröffnet.

Wir danken dem Toursimusamt Nürnberg für die beiden Fotos.

Vom Zentrum Nürnbergs, dem Hauptmarkt, führte die "Goldene Straße" aus der Sebalder Altstadt, der Langen Gasse, den Rennweg über die Steinplatte in Richtung Erlenstegen. Durch Mittelfranken verläuft sie anschließend in Richtung der nördlichen Oberpfalz.

 

Durchs Laufer Tor führte der Weg nach Osten....

Informationen

Congress-und Tourismus-Zentrale Nürnberg

Verkehrsverein Nürnberg e.V.

Frauentorgraben 3

90443 Nürnberg

Tel 0049- (0)911  Durchwahl 2336- 113

Fax. 0911/2336-168

www.tourismus.nuernberg.de

Nach sei einer langen Besichtigungstour auf böhmischen Spuren, kommt sicher der Hunger

Das Bratwurströslein wird als das größte Bratwurstrestaurant der Welt angepriesen.

Na, wer da keinen Appetit bekommt....

...und wer es total böhmisch will, sollte es mit einem böhmischen Essen versuchen...

 

... vom Hauptmarkt auf dem Weg zur Burg steht ein Böhmisches Restaurant

 

Foto Originales Nationalgericht Svickova mit Böhmischen knedliks