Foto: Größter Wappensaal Europas in der Wenzelburg Lauf

 Lauf an der Pegnitz

Die kleinen Täler und Höhenrücken der Frankenalb durch die sich die Goldene Straße den Weg bahnte, sind bei heute bäuerlich geprägt. Anders die Situation im Pegnitztal zwischen dem 17 Kilometer von einander entfernten Städten Lauf und Nürnberg. Der einstige Nürnberger Reichswald – im Volksmund „Steckalaswald“ genannt, reicht fast vor die Tore der Stadt.

Lauf gilt als das Eingangstor in die Fränkische -  und Hersbrucker Schweiz.

Der Ortsname leitet sich ab von „Lauffen“ und meint damit die Flussschnellen der Pegnitz. Bereits im Mittelalter gab es hier industrielle Produktion in Form von Hammerwerken und Mühlen. Die älteste Laufer Mühle , hier besitzt die Pegnitz die stärkste Strömung - wird auf das Jahr 1275 datiert. Schon vor der Zeit Karl IV. dröhnten Draht-, Eisen-, Kupfer- und Messinghämmer.1443 bestanden bereits sechs Hammerwerke zur Verarbeitung verschiedener Metalle.

Mehrere Sägemühlen sorgten für den Bedarf an Bauholz. Aus dieser Tradition entwickelte sich aus Lauf ein aufwärtsstrebender Industrieort. Das historische Stadtbild mit seinen eng verwinkelten kleinen Gassen blieb zum Glück erhalten.

Blickfang für alle Laufbesucher ist die „Reichelsche Schleifmühle“ mit einer fast 600 Jahre alten Tradition. Sie liegt auf einer kleinen Flussinsel direkt an der Wasserbrücke und wird vom rechten Pegnitzufer durch einen eigens angelegten Mühlbach von der Pegnitz getrennt. 1464 wird sie erstmals urkundlich erwähnt, 1981/ 82 aufwendig saniert und gegen Hochwasser gesichert.

Die Durchfahrt der Goldenen Straße erfolgte über den Marktplatz von Lauf und wurde durch zwei Stadttore begrenzt, die in ihrer Anlage ins Mittelalter zurückgehen und beim Abbruch der Stadtmauern im 19. Jahrhundert verschont blieben. Von Hersbruck aus fuhren die Wagen durch das Obere (Hersbrucker ) Tor, einem viergeschossigen Turm mit spitzen Helm. An der Außenseite befindet sich das Stadtwappen von 1467. In den Jahren 1540/41 wurde noch eine zusätzliche Bastion der sogenannten Zwinger vorgebaut.

Die Stadttore

Das Untere (Nürnberger) Tor ist ein einfacher Querbau mit drei ungleichen Toren. Nürnberger und Laufer Wappen sind an der Außenseite zu erkennen. Überragt wird das Tor vom benachbarten 62 Meter hohen Turm der ursprünglich gotischen Stadtpfarrkirche St. Johannis. Das heutige Aussehen des Gotteshauses geht in das 16. Jahrhundert zurück, barockes Interieur mit Kanzel und Engeln, Ornamenten. Um 1500 besaßen die Tore vorgelagerte Stadtgräben, vor ihnen gab es Schranken für die Zollabfertigung. 1807 wurden die Tore letztmals durch den Torsperrer verschlossen. Dieser musste die Schlüssel täglich am Abend im Rathaus oder auf dem Schloss abgeben. An Sonn- und Feiertagen wurde das „Untere Tor“ bereits vor Sonnenaufgang geöffnet, damit die Bäcker ihre Waren auch in Nürnberg am Markt anbieten konnten.

Das einstige mittelalterliche Stadtbild ist nicht mehr erhalten. Im Markgrafenkrieg 1553 vernichtete ein Großbrand die gotischen Häuser und die Pfarrkirche am Spital. Die heutigen Gebäude der Altstadt stammen in ihren Grundzügen aus den Jahren nach 1553.

Das Laufer Spital aus dem Jahre 1347, wurde vom Nürnberger Glockengießer Hermann Keßler und seiner Frau Elsbeth zur Ehre Gottes und dem eigenen Seelenheil gestiftet. Die Sage berichtet, dass Keßler als Lehrling einmal ohne Geld nach Lauf gekommen sein soll und von einem Wirt kostenlos Unterkunft und Verpflegung bekommen habe. Aus Dankbarkeit stiftete er als vermögender Mann die Spitalstiftung. Die Stiftung, nicht nur für alte, kranke und heimatlose Menschen, besteht noch heute, in dem Haus ist ein Altenheim untergebracht. Hier gab es einst kostenlose Unterkunft und Betreuung. Zerstört wurde im Krieg von 1553 die Spitalkirche St. Leonhard aus dem Jahre 1375, damals sogar Pfarrkirche von Lauf. Die Ruine wurde als Mahnmal stehen gelassen. Das Spital, 1552 neu errichtet, wurde einige Male umgebaut und erneuert.

Magister Johannes Hus in Lauf

In der am Marktplatz noch heute existierenden ehemaligen Fürstenherberge, dem „Gasthof zum Wilden Mann“  in der Nähe des Hersbrucker Tores, übernachtete der Böhmische Reformator Johannes Hus im Herbst 1414 auf seinem Weg nach Konstanz. Es wird berichtet, dass Hus von etwa 30 Reitern und zwei Fuhrwerken begleitet wurde und überall von den Geistlichen freundlich bis herzlich begrüßt wurde. Die Laufer Geistlichen trafen sich mit ihm zu einem intensiven Gedankenaustausch. Die späteren Hussitenkriege tangierten über die „Goldene Straße“ das Frankenland und die Stadt Lauf.

 

Foto: Magister Jan Hus 1414 übernachtete im Wilden Mann

Der Gasthof unter einer Fachwerkfront besteht im Erdgeschoss aus dem in Franken typischen Sandstein. Ein Blick in den Hinterhof lohnt sich, hier findet der Besucher einen der schönsten Höfe der Stadt.

 „Lauf wird geehrt, geachtet, gerühmt weil es Böhmen dienstbar ist“, so lautete die Umschrift des Laufer Siegel, vergeben 1355 durch den Kaiser, mit dem böhmischen Löwen in der Mitte. Eines aber kommt dadurch klar zum Ausdruck: Weil sich Lauf zum Dienst für Böhmen verpflichtete, wurde die Stadt durch den Kaiser persönlich geehrt, geachtet und gerühmt. Im gleichen Jahr wurde auch eine Münze eingerichtet. Heute noch unter Münzsammlern bekannt, der sogenannte „Laufer Pfennig“, als Vierschlag und als Rundschlag. Er gilt als älteste und bedeutendste Münze in Neuböhmen Karl IV.. Die Münzstätte bei der Stadtmauer trägt bis zum heutigen Tage den Namen seiner ursprünglichen Bedeutung, „Münzhof“. Das notwendige Silbererz zum Prägen der Münzen wurde über die Goldene Straße aus Kuttenberg und Iglau bezogen. Als Karl der IV. einen Teil seiner neuböhmischen Länder aufgab, wurde die Münzstätte nach Erlangen und Auerbach verlegt. Die Laufer Einrichtung übernahm der bayerische Herzog bis 1408.

Grafik:

Nach bayerischem System angelegt, präsentiert sich der Laufer Marktplatz, als verbreiterte Durchfahrt der Goldenen Straße. Ein Straßenmarkt mit freistehendem Rathaus, wie in vielen weiteren Orten an der Straße. Die Anlage des Platzes erfolgte im 13. / 14. Jahrhundert. 1298 verlieh Herzog Rudolf von Bayern dem Ort das Marktrecht, 1355 wird Lauf durch Kaiser Karl IV. zur Stadt erhoben, das Markrecht erweitert. Das Rathaus, ebenfalls 1553 zerstört, wurde noch im gleichen Jahr aus Sandstein im Erdgeschoss und im Obergeschoss mit einem Fachwerkgiebel neu erbaut. Das heutige Aussehen geht auf einen Umbau im 17. Jahrhundert zurück. Von großer Bedeutung waren die Vieh- und Hopfenmärkte, die monatlich stattfanden. Seit 1980 werden wieder Wochenmärkte abgehalten. 1994 sperrte die Stadt den oberen Teil des Marktes für den Verkehr, hier entstand eine Fußgängerzone.

Das Wenzelschloss Lauf - größter Wappensaal Europas


 

Laufe..atur honoratur, estimatur, laudatur quod Boemie amalatur...“ , die Inschrift auf dem über 600 Jahre alten Siegel mit dem doppelschwänzigen böhmischen Löwen ist nicht mehr exakt zu entziffern. Im gewichtigen Wenzelsschloss dürfte Europas bedeutendster gotischer Wappensaal liegen.

Die Feste Lauf, errichtet auf einer Insel inmitten des Flusses, existierte wohl schon um 1100, erstmals urkundlich erwähnt wird sie 1243. Die jetzige Burg ist das Ergebnis einer spätmittelalterlichen Burganlage. Über die Wittelsbacher (1275 ) und die Burggrafen zu Nürnberger, gelangte sie schließlich 1353 in den Besitz Karl IV. Zwischen 1356 und 1360 ließ der Böhmenkönig Karl IV. auf den Resten jener älteren Anlage eine neue repräsentative Wasserburg erbauen. Sie diente als Rastplatz auf dem Wege von Prag nach Nürnberg. Die gesamte Gestaltung und deren architektonische Qualität lassen vermuten, dass der Böhmenkönig hier etwas Größeres vorhatte. Möglicherweise sollte hier die Residenz eines neuzuschaffenden Hausmachtsgebietes in Franken entstehen.

Über dem Tor wacht der Heilige Wenzel

Eine ständige Besatzung mit 18 Mann wurde durch den Böhmenkönig festgelegt. An der Spitze ein Graf, zwei Reiter, vier Wächter, acht Fußknechte, ein Türmer, ein Torwächter und ein Koch. Wann immer es ging, vermied es der Kaiser in Orten oder Burgen zu übernachten, die ihm nicht gehörten. Lauf war daher ein wichtiger Stützpunkt auf den privaten oder dienstlichen Reisen nach Frankfurt.

Von der Altstadt im Norden ist die Burg über einen Holzsteg erreichbar, der Hauptzugang im Süden erfolgt über eine Holzbrücke, vor der ein kleiner Parkplatz liegt. Am viergeschossige Torturm sticht besonders eine verwitterte Steinfigur auf. Sie zeigt einen Ritter mit Schild mit dem doppelschwänzigen Löwe. Hier soll es sich um den Hl. Wenzel handeln, von dem die Burg auch den Namen trägt. Ein in Stein gehauener böhmischer Löwe ist unter der Wenzelsfigur zu sehen. Zwei bis zweieinhalb Meter beträgt die Stärke der Außenmauern.

 

Umschlossen wird der dreieckige Burghof durch den Pallas als Hauptbau, geteilt in zwei Flügeln unterschiedlicher Größe. Die Breitseite bildet ein Neubau mit Treppenhaus aus dem Jahre 1901. Im vierstöckigen Ostflügel lagen die Wohnräume bestehend aus einem Empfangs- und Schlafzimmer des Kaisers. Daher errichtete er hier auch 1360- 1364 den kaiserlichen Prunksaal in der Burg zu Lauf, die heute noch den Namen des Böhmischen Schutzpatrons , des Hl. Wenzels trägt. Der Wappensaal- auch“ Kaiserstube“ genannt, enthält sämtliche Wappen, der am Hof eingesetzten Adelshäuser und Amtsinhaber. Er stellt ein „who is who“ in Böhmen dar.

 

Foto: Links, das älteste bekannte Wappen der Stadt Prag

Nicht nur tschechische Familien sind den namentlich benannten 114 Wappenschildern zu zuordnen. 1938 entdeckte man durch Zufall und nahezu unversehrt unter dem Putz die in Stein gehauenen Wappen des einstigen Böhmischen Reiches. Freigelegt ( 1939 / 40 ) entpuppten sie sich als Reliefs. Sie verewigen die Wappen von Bischöfen, Herzögen von schlesischen und böhmischen Städten, Grafen und Adelsleuten des Reiches, die dem Kaiser huldigten. Der Saal bildet ein kulturgeschichtliches Band zwischen Deutschland und Tschechien bis hinein ins ehemalige Niederschlesien, dem heutigen Polen aus dem Herzogtum Schweidnitz stammte Karls dritte Frau Anna. Drei Schlusssteine demonstrieren die Macht Böhmens: Der doppelschweifige Löwe und zwei Helmzeichen. Das Prager Stadtwappen gilt als ältestes Wappen der böhmischen Metropole und ist dort selbst nicht mehr auffindbar.

1373 wurde die Burg pfandweise den Wittelsbachern überlassen.

Informationen

Stadtarchiv Lauf: Öffnungszeiten Dienstag- Samstag, 9 Uhr bis 12 Uhr, Samstag 14 Uhr bis 16 Uhr Adresse: 91207 Lauf a.d.Pegnitz, Sichartstraße 5-25, Telefon: 09123 / 184-166.

Industriemuseum (Freilandmuseum an der Pegnitz) in  Lauf: Sichartstraße 5-25, Telefon: 09123 99030.

Infos unter: www.industriemuseum-lauf.de Öffnungszeitraum von April bis Dezember.


InfoAdresse:   Stadtverwaltung Lauf

Urlasstraße 22

91207 Lauf a.d.P.

 www.lauf.de