Ansicht von Pfraumberg (Bor)

Rozvadov- Roßhaupt

Erste Station auf der ehemaligen Europastraße nach Waidhaus der kleine Ort Rozvadov.

Rzvadov, im Landkreis Tachov gelegen,  ist ein kleines Dorf an der Grenze. Der ursprüngliche Name war „sieh dich für“, ein Wort aus der Fuhrmannsprache. Gegründet wurde die Ansiedlung erst in der Mitte des 16. Jahrh. Die jetzige Bezeichnung stammt von 1885. Ein Zollamt gab es aber bereits 1613. Das kleine Dorfkirchlein stammt aus dem Jahre 1825 und ist dem Hl. Wenzel geweiht, wurde nach 1945 Kino und ist heute ver- wahrlost. 1938 hatte Roßhaupt 137 Häuser mit rund 790 Einwohnern. Heute wohnen in dem nach dem Bau der Autobahn nunmehr gepflegterem Ort 600 Menschen, Spielbanken, Vietnamesenmärkte und Rotlichtmileu bestimmen das Geschehen.

Radio Prag berichtet am 23.März 2011

Lang geplantes Museum des Eisernen Vorhangs wurde Mitte Mai eröffnet

August 1968  endet der Prager Frühling und die Hoffnungen auf mehr Freiheit. An der Grenze wird das Leben wieder "kälter".

Im tschechischen Ort Rozvadov / Rosshaupt an der Grenze zu Bayern wurde Mitte Mai (14.5.) das seit längerem geplante Museum des Eisernen Vorhangs eröffnet. Dies hat die „Stiftung Eiserner Vorhang“ bekannt gegeben. Angeblich ist es das erste Museum seiner Art in Europa. Untergebracht werden die Ausstellungsstücke in einem alten Gebäude genau auf der Grenzlinie, das die Stiftung vom tschechischen Staat übernommen hat. Gezeigt werden sollen 800 Fotografien und mehrere hundert weitere Exponate wie unter anderem Gustav Husáks Telefon für den heißen Draht zum Kreml oder die Originaltechnik für den Grenzschutz. Die Ausstellungsstücke stammen von privaten Sammlern, wurden geschenkt oder von der Stiftung im Antiquitätenhandel gekauft. Das Museum entsteht ohne finanzielle Hilfe offizieller Stellen.

Das Land der Choden

Zwischen Taus (Domazlice) und Tachau (Tachov) siedelten die böhmischen Herrscher zum Schutz des Grenzwalls Grenzwächter an, die die Grenze zu „begehen“ hatten. Choden werden sie noch heute genannt, abgeleitet vom tschechischen Verb „chodit“ (=gehen). Der Name taucht erstmals um 1300 in einer Chronik auf.

Sie versahen ihren Dienst tapfer, verteidigten Pfade und Weg mutig bei feindlichen Überfällen. In Friedenszeiten machten sie Streifgänge und achteten darauf, dass die deutschen Nachbarn die Grenzpfähle und -steine nicht verrückten, den Wald nicht widerrechtlich rodeten, auf tschechischer Seite nicht jagten. Bei ihren Grenzgängen wurden die Choden durch große und starke Hunde begleitet. Waffen trugen sie wie früher den Cakan, später ein Gewehr, auch dann noch, als das Tragen von Waffen im tschechischen Königreich verboten war. Ihre Fahne zierte als Wappen ein Hundekopf.

Für ihren gefahrvollen und schweren Dienst genossen sie viele Privilegien und Rechte. Zeitlebens waren sie freie Menschen, nur dem König unterstanden sie. Im Chodengebiet durfte kein Adeliger Besitz erwerben oder sich ansiedeln. Weder Frondienst noch andere Leistungen mussten sie erbringen. In den Wäldern, die sie schützten, besaßen sie das Jagdrecht. Ihr eigenes Gericht, das Chodenrecht, traf alle vier Wochen in der Tauser Burg zusammen. Der König ernannte Chodenrichter und Schöffen. Auf der Chodenburg in Taus residierte der Burggraf oder Hauptmann. Hier wurden die Rechtsbriefe und Urkunden von Karl IV., Wenzel IV. oder Georg von Podebrad aufbewahrt. In Kriegszeiten suchten hier Frauen und Kinder Schutz.

Der Untergang der Choden wurde mit der Schlacht am „Weißen Berg“ 1620 besiegelt. Da sie sich auf die Seite der Rebellen schlugen nahmen die Habsburger ihnen alle Rechte. Ihr Anführer Jan Kozina wurde auf dem Marktplatz in Pilsen hingerichtet. Eine Sage berichtet, dass der Statthalter Wolf Max von Lamingen nach einem Jahr und einem Tag vom Chodenführer bei einem Festmahl geholt wurde.

Festungen entlang der Grenze

Die Burgen Taus, Pfraumberg, Haid und Tachau bilden einen Festungsgürtel entlang der Grenze. Bei Taus (Domazlice) reichte die tschechische Besiedlung am weitesten nach Westen. Hier lag auch das Zentrum der Choden. 1260 wurde die Burg von Premysl Ottokar gegründet. Überreste der Burg sind noch heute zu sehen. Das Zentrum von Taus steht unter Denkmalschutz.

Im nördlichen Teil des Grenzgebietes, in der Pfraumberger und Tauchauer Gegend  dominierte die deutsche Bevölkerung. Herzog Sobeslav I., Erbmundschenk unter dem Staufer Kaiser Konrad III. und somit Wahlberechtigter bei der Wahl des deutschen Königs, förderte die Kolonisation in diesem Gebiet bis hinein in die Prager Stadt. Sobeslav I. baute auf den Resten einer alten Burg im 12. Jahrhundert die Burg Pfraumberg, deren Reste heute tschechisches Nationaldenkmal und so alt wie die Prager Burg ist, zu ihren Füßen gründete er den gleichnamigen Ort.

Pfraumberg (Primda)

   

Pfraumberg ist der erste größere und historisch bedeutsame Ort an der alten Pragerstraße. Über dem Ort Pfraumberg ragt auf einem 700 m hohen Hügel der Rest eines monumentalen romanischen Burgturmes aus den Baumwipfeln hervor. Man sieht ihn aus der Oberpfalz oder von Taus und Tachau kommend Das Schicksal dieser Burg ist eng mit den böhmischen Königen verbunden. Zu besteigen ist die Ruine nur von Pfraumberg aus.

Dieser monumentale Wohnturm mit seinen vier Meter breiten Mauern im Untergeschoß ist nach der Prager Burg der älteste erhaltene Steinburgbau in Böhmen. Bis zum 2. Stockwerk ist er erhalten. man sieht hier noch die Reste eines mächtigen Kamins und Fensteröffnungen, im Nordwesten des Turms hat sich eine 900 Jahre alte Toilette erhalten. 19969 bis 1977 wurde der Turm restauriert, der Gipfel zum Naturschutzgebiet erklärt.

Als Bauwerk von historischem und kulturellem Wert wurde die Burg Pfraumberg zu einem nationalen Kulturdenkmal erklärt. Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahre 1121. Gründer der Burg aber war ein Oberpfälzer. Markgraf Diepold II von Vohburg, erbaute auch die Burg in Eger Als der böhmische Fürst Vladislav II von der Nachricht hörte, dass die Deutschen hier ein Burg erbaut hatten, ließ er diese von Kampftruppen angreifen - mit Erfolg, die Burg wurde eingenommen und besetzt. Seit dieser zeit gehörte sie den böhmischen Königen. Manche von ihnen erlebten aber auch die andere Seite der Macht. Als Gefangener in den Mauern der Burg Pfreimd wurde Sobeslav, Sohn eines böhm Fürsten aus dem Geschlecht der Premysliden 1148 auf Grund einer Intrige festgehalten. Nach dem Friedensschluß des Böhmenherrschers mit Kaiser Friedrich I  (Barbarossa) wurde Sobeslav in die Burg Pfraumberg gebracht und lebte hier erneut 12 Jahre als Gefangener, 1173 freigelassen residiert er nur mehr 5 Jahre als Fürst Sobeslav II. Gefangen auf der Burg Pfraumberg war auch der spätere König Premysl Ottokar II. nach einem erfolglosen Aufstand gegen seinen Vater, Burgraf war damals (1250) Ratmir von Speierling, ein Vorfahre der Herren von Schwamberg.

Der Markt Pfraumberg

Seine Geschichte ist eng mit der Burg verbunden. Hier entstand eine Zollstation nach Nürnberg zu. Pfraumberg wurde zu einem Verwaltungszentrum der sogenannten Pfraumberger Choden, sie hatten bis ins 16. Jahrh. die Aufgabe, die Landesgrenze zu bewachen. 1331 erhielt das Städtchen viele Rechte durch Johann von Luxemburg. Viele Besitzerwechsel, verbunden mit der Burg bestimmten das Schicksal des Ortes. Bis zum 16 Jahrh. gab es sogar Stadttore und Mauern. 1939 wohnten hier 1200 Menschen, war Sitz des Kreisamtes und Fremdenverkehrsort. Am 20. April 1945 beschossen Amerikanische Flieger den Ort, da sich hier deutsche Soldaten aufhielten. ein großer Brand zerstörte 150 Häuser, das Rathaus, der Herrschaftssitz, die St. Georgs Kirche brannte aus ,1989 bis 1993 wurde sie wieder renoviert und eingeweiht Das gesamte historische Stadtzentrum lag 1945 in Schutt und Asche. auch die Burg bekam einiges ab. Überlebt hat das Inferno auch eine Nepomukstatue aus dem Jahre 1734.

Bor (deutsch Haid)

 

Haid (Bor)  Pfarrkriche und Rathaus am Marktplatz

Das ursprünglich ziemlich sumpfige Flachland des heutigen Gebietes von Haid erlebte im Laufe des 12. Jahrh. eine systematische Besiedelung. Am Anfang des 13. Jahrh. gehörte dieses einem nahe an der Grenzburg Pfraumberg liegenden Gebiet einem gewissen Ratmir, der sich nach dem Dorf Speierling schrieb. Dieser Ratmir war der Vorfahre eines bekannten böhm. Adelsgeschlechtes, der Herren von Schwamberg.

Seine Söhne - Ratmir, der Burggraf von Pfraumberg und Bohuslav haben ihren Sitz in Speierling aufgegeben und nicht weit davon in Haid (Bor) eine neue Burg gebaut. Die Burg selbst stand an exponierter Stelle, denn genau hier führte die alte Handelsstraße von Ost nach West von Prag nach Nürnberg vorbei und zusätzlich ein alter Handelsweg von Süd nach Nord (Taus /Domaslice - Bisch- hofteinitz über Tachau)

Die erste schriftliche Urkunde über Haid geht auf das Jahr 1263 zurück. Rund um die Burg wuchs bald ein Ort heran. 1318 wurde alles durch einen Überfall des Landgrafen Ulrich von Leuchtenberg verwüstet. Um die Mitte des 14. Jahrh. bis 1650 kamen die Burg und der Ort Haid an das Geschlecht der Schwamberger, diese gehörten zu den bedeutendsten böhmischen. Adelshäusern, die Folge Haid erhielt vielerlei Privilegien. Der letzte Schwamberg verkaufte die Burg, sie wechselte mehrfach die Besitzer bis 1945 gehörte die Burg den Herren von Löwenstein zusammen mit 30 Dörfern.

Die Lage des Ortes an einer wichtigen Straße, hob die Wirtschaftlichkeite, höhlte in Kriegszeiten diese aber auch aus. Krass im 30-jähr. Krieg. Die protestantische Union unter Ernst von Mansfeld marschierte mit 4000 Soldaten in Böhmen ein und Haid wird Hauptquartier bis die königstreue Stadt Pilsen fällt.

1623 geht es umgekehrt. Lichtensteiner Dragoner marschierten ein, wer nicht konvertierte musste auswandern. Das traf den Bergbau der Region schwer, von 52 Zechen blieb ein Einziger übrig. Das Land war entvölkert, die Pest grassierte, 1640 kamen die Schweden, 1689 zog die kaiserliche Armee mit 1600 Pferden gegen die von den Franzosen belagerte Stadt mainz, 1735 marschierten acht Regimenter der russischen Hilfstruppen mit insgesamt 13.000 Mann über Haid nach Bayern. Hungerjahre 1771/72 verarmen so, dass Kaiser Josef II. sich das vor Ort ansah

Das Auffallende an der Burg Haid, die direkt an der Prager Straße lag, ist der mächtige Walzenturm, das Wahrzeichen des Ortes. Dieser einmalige Bau aus dem 13. Jahrhundert hat sich ohne wesentliche Veränderungen bis heute erhalten. Die bis zu 3,5 Meter starken Mauern trotzten allen Belagerungen. Gräben, Weiheranlagen gehörten neben den Mauern zur ehemals gotischen Burg, die zu Beginn den 16. Jahrh. umgebaut wurde. Am Ende des 16. Jahrh. wurde sie nochmals im Renaissancestil umgebaut, eine weitere Veränderung erfuhr sie im 19. Jahrh. unter Karl Thomas von Löwenstein. Unter der kommunistischen Zeit, anfangs der 50er Jahre ließ man das verödete Schloß kostspielig renovieren. Heute steht es zum Verkauf an.

Die barocke Pfarrkirche von Haid ist dem Hl. Nikolaus geweiht und beherrscht das Stadtbild, sie wurde nach der Wende renoviert. Sie gilt als Dietenhofer Kirche und trägt monumentale Fresken des Heiligen im Inneren.

Die Wallfahrtskirche Loreto zur Schwarzen Madonna ( 1668 als Nachbildung der Kirche in Ancona /Italien/erbaut) zog und zieht wieder Wallfahrer aus dem gesamten Westböhmen und auch der OPf an.

Das Adelsgeschlecht der Schwanberger (tschechisch ze Švamberka)

Das aus Westböhmen stammende Geschlecht ist dort seit dem 13. Jahrhundert nachweislich und seit 1287 auf seiner Stammburg Schwanberg bei Krasíkov ansässig, die von Bohuslav von Bor im 14. Jahrhundert erbaut wurde. Von dort aus erwarb das Geschlecht, das sich nach seinem Wappen - einem weißen Schwan mit güldenem Schnabel - benannte, seit dem 14. Jahrhundert große Besitztümer in Westböhmen. Das erste Familienmitglied, das damals noch das Prädikat von Schwamberg führte, war 1350 Bohuslav, Richter am Landgericht.

   Die Linie der Schwanberger in Bor(Haid) )

Johann († 1533 in Bor), dritter Sohn von Hynek aus dem Geschlecht der Schwanberg von Bor und Kraíkov. Durch die Heirat mit Bengina von Starhemberg (Benigna ze Starhemberka) und die Nähe zu Bayern, kam es bei seinen Nachkommen zur Vermischung mit Deutschen. Johann trat dem protestantischen Glauben bei.