Neustadt an der Waldnaab, böhmisch bis 1806 / 07   

Ins Licht der Geschichte trat die heutige Kreisstadt im Jahre 1218. Graf Heinrich von Altendorf verpfändete den Ort an seinen Verwandten Heinrich von Ortenburg bei Bamberg. Die eigentliche Gründung dürfte bereits ins Jahr 1150 zurückgehen. Kaiser Ludwig der Bayer gab 1339 Neustadt das Recht Wochenmärkte und Jahrmärkte abzuhalten. Durch Heirat Karl IV. mit der rheinischen Wittelsbacherin Anna von der Pfalz 1353 war die "Herrschaft Neustadt - Sternstein - Altenstadt" über viele Jahrhunderte mit der Krone Böhmens verbunden.

Neustadt erlebte unter dem Böhmenkönig und Kaiser Karl IV. aus dem Hause Luxemburg einen enormen Aufschwung.  1553 erwarb er Neustadt und Störnstein endgültig als böhmisches Kronlehen mit großer Selbständigkeit.

Neustadt erweiterte er 1358 durch eine Vorstadt, "die Freyung", die eine eigene Gemeinde wird. Damit sollte die zu klein gewordene gemauerte Stadt erweitert werden. Um die Finanzierung zu gewährleisten, erhielten die Bürger 10 Jahre Zins- und Steuererlass. Noch heute besitzt der genannte Ortsteil einen geräumigen gleichmäßig angelegten und von ähnlichen Häusern umrahmten Stadtplatz, der nach Karl zum gemeinen Nutzen aller Kaufleute willen  errichtet wurde. Erst 1559 wurde der selbständige Ortsteil durch einen Vertrag mit der Stadt zusammen geschlossen. 

  

Bild:   Barocke Pfarrkirche St. Georg in Neustadt/WN in der Weihnachtszeit   Rechts: Nepomukaltar, Zeichen böhmischer Verbundenheit   

 

Holzrecht für Neustädter Bürger 

Weiterhin gab der Böhmenkönig den bedürftigen Bürgern der Stadt am Freitag nach dem St. Jakobstag 1354 in einer Verfügung das Recht "auf ewige Zeiten Holz zum Brennen und zur anderen Notdurft" zuerhalten, "ein staatlicher Eingriff habe tunlichst zu unterlassen".  Im Grundsteuer- und im Liegenschaftskataster  der Stadt ist die genossenschaftliche private Einrichtung seit über 600 Jahren vermerkt.

Das Holzrecht kann nicht veräußert werden und ist jeweils mit dem zugehörigen Haus verbunden. Die Urkunde des Kaisers liegt im Original im Stadtarchiv der Stadt, trägt keine Unterschrift, aber das Siegel. Ein Duplikat hat die Corporations -gemeinschaft.  Als Bekräftigung seines Wortes hinterließ Karl 1354 einen Pfand Handschuh als Faustpfand, der im Original und mit Expertise versehen, noch heute im Stadtmuseum zu bewundern ist. Sicher gibt es nicht viele Schenkungen in unserem Land, die eine  derart lange Epoche unverändert überstanden. Der Handschuh hatte auch einen Platz in der Landesausstellung 2007 in Zwiesel.

1374 erhält die böhmische Familie Pflug von Rabenstein   durch Verpfändung das Lehen Neustadt- Störnstein. 1380 gibt Hintzig Pflug von Orlik als Pfleger oder sogar als Besitzer im Namen des Kaisers den Altenstädtern und Neustädtern gleiche Rechte. Das Wappen der Pflug ist noch heute im Gemeindewappen von Altenstadt.

Zeit der Lobkowitzer 

Im Oktober 1562 sollte eine neue und glanzvolle böhmische Epoche für die heutige Kreisstadt beginnen. Das Geschlecht der Lobkowitzer, an der Spitze Ladislaus II. Popel von Lobkowitz, vom Rang her Obersthofmeister im Königreich Böhmen erhielt Neustadt vom Habsburger Kaiser Ferdinand I. verpfändet. 1575 werden in einer Urkunde im Archiv der Lobkowitzer Störnstein und Neustadt als zwei Herrschaften gesehen.

Bild:    Popel von Lobkowitz im Stadtmuseum, in dem auch der Originalhandschuh Karl IV. aufbewahrt wird.

Das Lehen der Heidecker wurde nicht mehr verlängert. 1641 erhebt Kaiser Ferdinand III. die Herrrschaft "Sternstein-Neustadt" zur gefürsteten Grafschaft.   Mit diesem Besitz erhielt die einflussreiche böhmische Adelsfamilie aus dem gleichnamigen Dorf Lobkovice bei Melnik an der Elbe nicht nur ein eigenes Fürstentum in Bayern, sondern zugleich auch Sitz und Stimme beim immerwährenden Reichtstag in Regensburg. 

Aus der Reihe der Fürsten muss Zdenko-Adalbert Lobkowitz und seine Gattin Polyxena von Rosenberg, geborene Pernstein, erwähnt werden. Sie brachte den Besitz ihrer Vorfahren, Schloss Raudnitz, das Palais Lobkowitz auf der Prager Burg und die Burg Schreckenstein in Böhmen mit in die Ehe ein. Sie war es, die die böhmischen Edelleute, die den Prager Fenstersturz 1619 verursachten, in ihrem Haus verborgen hielt. Diese Polyxena verbreitete den Ruf des weltberühmten Prager Jesuleins, ein spanisches Geschenk anlässlich des ersten Hochzeitstages. Heute ist es in der Karmelitenkirche St Maria Viktoria auf der Prager Kleinseite zu sehen, auch in der Oberpfalz hielt es Einzug.

Bild: Das Prager Jesulein im Museum der Stadt Neustadt, rechts Popel von Lobkowitz,

er hatte Sitz und Stimme im immerwährenden Reichstag zu Regensburg.

1806/1807 endete die böhmische Beziehung infolge der Rheinbundakte endgültig. Fürst Franz Joseph von Lobkowitz verkaufte 1807 die Herrschaft Neustadt /  Störnstein , zu der auch Altenstadt gehörte , an den Bayerischen König. Verkauft wurden auch die Privatbesitzungen Wöllershof, Hammerharlesberg und Satzberg an Bayern. Im alten und neuen Schloss ist heute das Landratsamt untergebracht. Ausgedehnte Kellergewölbe, historische Holzkonstruktionen, farbenprächtige Vedutenmalerei und Rokoko Dekor kamen im Laufe der Jahrzehnte zum Vorschein. Hinter dem Schloss findet sich ein neuangelegter Barockgarten. Teile einer mittelalterlichen Stadtmauer, ein ehemaliger Zwingerturm bilden eine Abgrenzung.

Die Lobkowitzer Kulturfreunde haben sich zur Aufgabe gestellt, die alten Verbindungen zu pflegen, sie aufrecht zu erhalten und kulturelle Beiträge zu leisten. www.lobkowitz.de

Am 17.09.06 organisierten sie zusammen mit Landrat Simon Wittmann, einen Festakt "200 Jahre Neustadt-Störnstein" in Bayern. Den beeindruckenden Festvortrag hielt der Historiker, Prof. Konrad Ackermann, aus Ilsenbach.

Bild: Die Lobkowitzer Garde aus Störnstein. Der erste Herr  im Anzug rechts, ist Fürst J. von Lobkowitz aus Pilsen. 

 

Kloster St. Felix

In die Zeit der Lobkowitzer fällt der Bau der barocken Kirche St. Felix im Jahre 1746. Das kleine Kloster entstand allerdings erst 1925. Waren es von da an Franziskaner Minoriten aus dem Mutterhaus in Würzburg, wird es seit 2001 durch Personalmangel von polnischen Patres des gleichen Ordens mit Erfolg unterhalten.1783 begann nach etlichen Wundertaten in der Nähe des Gnadenbildes der Bau der jetzigen Kirche, der Innenausbau dauerte bis 1756. Die Statue des St. Felix im Hochaltar wurde 1712 im böhmischen Tachau gefertigt.

  

Zoigl Bier in Neustadt  

Wer jedoch so richtig Durst hat, dem sei das in der nördlichen Oberpfalz berühmte Zoigl -Bierempfohlen. In Neustadt wird es in den Gaststätten Zum Waldhauser, D`Neustädter Stub`n und anderen Zoiglstuben ausgeschenkt. Der Zoigl ist ein untergäriges Bier, das nach alter Brauweise hergestellt wird. Nach zehntägiger Gärungszeit wird das Bier in Fässer abgefüllt, in denen es noch mehrere Wochen gärt. Jeder Brauer hat sein eigenes Rezept, das Braurecht reicht in manchen Orten bis 1415 zurück. In Neustadt selbst wird kein Zoigl mehr gebraut, das hier ausgeschenkte Bier kommt aus der zehn Kilometer entfernten "Hauptstadt des Zoigls", dem Ort Windischeschenbach.  (Mehr Informationen im Zoiglführer des Tourismusbüros Neustadt ) .

                                                                                                

Informationen zu Neustadt/WN

Stadtplatz 34 92660 Neustadt/WN

Telefon: 09602 - 79105  info(at)neustadt(dot)de                www.neustadt.de

 

Störnstein, einst Sitz der böhmischen Pfleger

Die nicht mehr existente Burg Störnstein mit dem gleichnamigen, heutigen 900 Einwohner zählenden Ort, ist von jeher eng verbunden mit der Goldenen Straße. Für die Garantie des sicheren Geleits bis zur Grenze nach Bärnau war der Pfleger der örtlichen Burg zuständig. Diese lag auf einer Höhe von 450 Meter über dem Tal „der Floß“ auf einem Granitfelsen. Nur mehr der Begriff Schlossberg erinnert daran.

Von der Burg blieb nur die kleine ursprünglich romanische Burgkapelle St. Katharina bis 1934 stehen. Dieses Kirchlein trat in die Literatur ein.  In Schillers Wallenstein fand bei Neustadt eine Schlacht zwischen den Schweden und den kaiserlichen Heeren statt. Bei Schillers Held Piccolomini finden wir eine Stelle, wo der schwedische Hauptmann der Tochter Wallensteins, Thekla, Braut des gefallenen Piccolimini die Todesnachricht überbringt. Thekla: Wo ist sein Grab ? Hauptmann: In einer Klosterkirche bei Neustadt ist er beigesetzt, bis man von seinem Vater die Nachricht beigezogen.  Thekla: Wie heißt das Kloster? Hauptmann: St. Katherinenstift.

Mit Stolz blickten die Störnsteiner 1999 auf eine 250 Jahre erhaltene Verbindung zum böhmischen Nachbarn zurück. Groß wurde dieses Ereignis gefeiert: 250 Jahre Grenadier Garde Sternstein und 10 Jahre Historisch hochfürstlich Lobkowitzische Grenadier Garde der Gefürsteten Grafschaft Sternstein.

Information:  www.stoernstein.de/

Bilder: Vom Rastenhofweg ( Originalroute der Goldenen Straße) aus, grüßt bereits die Wallfahrtskirche St. Quirin.

und im Osten die einst stolze Stauferburg Flossenbürg

Rastenhof- ein Turmhügel aus dem 9. Jahrhundert ist bis heute erhalten geblieben

 

Die Lobkowitzer Wallfahrtskirche St. Quirin

 

St. Quirin gilt als ein Juwel der heutigen Oberpfälzer Wallfahrtskirchen. Warum die Kirche auf dem Botzersberg dem Hl. Quirin geweiht wurde, liegt im Dunkel der Geschichte. Denn der Viehpatron, dessen Gebeine in Neuß am Rhein ruhen, war in der Oberpfalz sicher kaum bekannt. Um 1606 kamen die ersten Wallfahrer schon aus Eger. Viel Wundersames wird berichtet, viele Geschichten über Generationen weiter erzählt und manche auch aufgeschrieben. Die ersten großen Prozessionen aus der Umgebung kamen in der Zeit um 1656, rund 3000 Personen wallfahrten zum Botzersberg.

Foto: Fassade der Wallfahrtskirche und das ale Wallfahrtskreuz aus der Zeit vor

dem 2. Weltkrieg, neu restauriert.

Noch heute sind in der Nebenkapelle der Kirche zwei Votivtafeln aus Eger mit der Jahreszahl 1657 vorzufinden. 1678 setzte der Bau der jetzigen Kirche ein. Der Lobkowitzer Baumeister Antonio Porta entwirft den Plan. Kunsthistorisch hat die Rokokokirche viel zu bieten. Die Verbindung zu Böhmen demonstriert der prächtige Akkanthusaltar, gestiftet von Fürst Ferdinand von Lobkowitz und seiner Gattin Anna Maria Wilhelmine, Markgräfin von Baden. Die Orgel trägt die Jahreszahl 1692 und stammt aus der Bibliothek des Lobkowitz Palais in Prag .

 

Ilsenbach in der Gemeinde Püchersreuth

Püchersreuth ist der Gemeindesitz, vis a vis liegt das kleine Dorf Ilsenbach, es kann ebenfalls auf eine böhmische Zugehörigkeit verweisen. Den Lobkowitzern gehörten die Kirche und sechs weitere Häuser.

Landsassengut

Das Landsassengut, so das Kuriosum, gehörte den Wittelsbacher Pfalzgrafen zu Amberg. Erstmals erwähnt wird es 1147, und 1661 nach einem Brand neu errichtet. Der böhmische Teil des Ortes war katholisch, der Pfälzer Teil protestantisch oder calvenistisch- cuius regio, cuius religio. Oft waren zwei Pfarrherren von den Gegenparteien eingesetzt. Der Streit zwischen den beiden Herrschaften endete erst 1807, als Ilsenbach bayerisch wurde.

Dorfwirtshaus Miedl und herausgeputzte stolze Bauerhöfe - eines der schönsten

Dörfer in der Oberpfalz

Dorfkirche St. Johannes Baptist mit Akanthusaltar

Das Alter der kleinen trutzig wirkenden Dorfkirche St. Johannes Baptist in Ilsenbach inmitten des Dorffriedhofs stehend, ist nicht mehr zu bestimmen. Der schlichte Hochaltar im Presbyterium stammt aus der Zeit um 1670, der Marienaltar mit seinem geschnitzten Akanthusrahmen von 1720. Aufwendig restauriert wurde die Kirche St. Johannes in Ilsenbach. Im Sommer erfolgte die Einweihung durch Bischof Ludwig Müller aus Regensburg.

Skulpturen- Rundwanderweg Ilsenbach  

Wer etwas Zeit mitbringt, dem ist der Skulpturen- Rundwanderweg Ilsenbach zu empfehlen, der sich durch das Schlatteintal unterhalb des St. Quirins befindet. Acht heimische Künstler haben im Einklang mit der Natur ein romantisches Erlebnis mit großer Ausdruckskraft geschaffen. Für Gruppen sind sogar Führungen möglich. Eine Einkehr im ökologischen Bauernhof "Federkiel" bei der Familie Kriechenbauer in Rotzendorf rundet die Wanderung vortrefflich ab.

   http://www.cafe-federkiel.de/

Altes Blechschnittkreuz in Rotzendorf- die Keuze finden wir nur in der Oberpfalz, Böhmen und Teilen Österreichs. Es waren früher die Kreuze der ärmeren Leute.

Anschließend geht der Weg der Goldenen Straße weiter: Für den Wanderer ist der Weg von Rotzendorf über den Auerberg, der Pension Waffenhammer     www.Waffenhammer.de    (seit 2012 leider geschlossen) nach Wildenau und weiter nach Schirnbrunn und Schönkirch zu empfehlen. Der OWV Wanderweg, ausgeschildert mit dem Böhmischen Löwen, nimmt eine andere Trasse und der Autofahrer bevorzugt den Weg in Richtung Plößberg, Bärnau.