Sulzbach, Hauptstadt Neuböhmens     

Die Anfänge der Stadt, gelegen an den Ausläufern des fränkischen Juras, gehen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Schlackenhalden und Zunderreste deuten auf eine Besiedelung um 500 vor Christus hin, zu dieser Zeit hat bereits nachweislich die Gewinnung und Verhüttung von Eisenerz stattgefunden. Im 14. und 15 Jahrhundert erreichte der Erzbergbau seine größte Bedeutung. Die einstige „Maximilianshütte“, das größte Hüttenwerk Süddeutschlands, Stolz und Wirtschaftskraft der Stadt, existiert nicht mehr.

1934 werden die beiden Orte Sulzbach und Rosenberg zusammengelegt. Eine wechselhafte Geschichte bestimmte die Entwicklung, geprägt durch das längst ausgestorbene Geschlecht der Grafen von Sulzbach, einer der bedeutendsten Hochadelsfamilien des Reiches der Salier und der fränkischen Kaiser im Nordgau. Ihre verwandtschaftlichen Beziehungen reichten zu allen großen damaligen Fürstenhäusern. Ihr Wappen, sechs weiße Lilien auf rotem Grund, der Besitz reichte bis nach Niederbayern, Oberösterreich und Berchtesgaden. Einer der berühmtesten Grafen war der Sulzbacher Berengar. Um 1188 starben die Sulzbacher aus, ihre Besitztümer gingen an die Staufer und die verwandten Grafen von Hirschberg über. Geprägt haben die Stadt auch die Wittelsbacher Herzöge, 1777 endet das Herzogtum Sulzbach unter dem Wittelsbacher Karl Theodor (1724 – 1799). Seit 1837 gehört die Stadt zum Regierungsbezirk der Oberpfalz.

Fotos: Blick auf das Schloss und die Pfarrkirche

Spurensuche in Sulzbach

Der Hauptaltar, mit einem zweieinhalb Meter breiten und vier Meter hohen Altarblatt der Himmelfahrt Mariens, ist das letzte nachweisbare und großformatigste Werk des Malers Hans Georg Asam, Vater der berühmten Brüder Cosmas und Egid Quirin Asam. Im Sommer 1710 zog er nach Sulzbach, wo er für Herzog Theodor arbeitete. Am 5. März 1711 verstarb Asam in Sulzbach. In der Spitalkirche Sulzbachs gibt es ein weiteres Bild, das ein Gemeinschaftswerk von Vater und Sohn Cosmas zu sein scheint. Begraben ist Hans Georg Asam neben der St. Leonardskapelle, 1808 wurde sein Grab unwissentlich zerstört. Witwe und Sohn Egid lebten noch einige Zeit in Sulzbach.

Der Krone Böhmens verpflichtet

Noch heute finden sich in Sulzbach bedeutsame Spuren aus der Vergangenheit und der Zugehörigkeit zur Böhmischen Krone. Mit einem Mauerring, Türmen und Toren. Die Stadt wurde durch Karl IV. befestigt, die zum Teil erhalten geblieben ist.

Im ebenfalls gotischen Rathaus aus dem 14. Jahrhundert am Rande des östlichen Marktes zeigt in einem Sgraffito im Rathaussaal den Einzug Karl IV. in die Stadt. An das Rathaus schließt sich ein zweigeschossiger Saalbau an. Seine prächtige Fassade ist über dem gotischen Eingangsportal mit einem reizvollen Chor geschmückt.

An der Außenwand des alten Gasthofs zur Krone, in dem der Böhmenkönig in der Stadt nächtigte, ist der silberne böhmische Löwe neben zwei weiteren Wappen mit Adlern – wahrscheinlich die Wappentiere Schlesiens und Mährens - heute noch zu sehen. Die Burg konnte er nicht nutzen, da sie durch einen Brand beschädigt war.  Die heutige Schlossanlage, in der das Straßenbauamt der Oberpfalz untergebracht ist,  erhielt ihre Form gegen Ende des 16. Jahrhunderts durch die Wittelsbacher.

Der Blick vom restaurierten Sulzbacher Schloss ( erbaut in dieser Form durch Pfalzgraf Ottheinrich ab 1589) erinnert etwas an die Sicht vom Prager Hradschin auf die Dächer der Altstadt

Am Haus in dem Jan Hus 1414 übernachtete, erinnert eine Gedenktafel an diese Reise.

Verbindung zu Niederschlesien(Polen)

Sulzbach besitzt neben dem Wappentier am Markthaus eine weitere Verbindung nach Niederschlesien, dem heutigen Polen. In einem Teil des Schlosses wurde im Juni 1753 der Grundstein für ein Salesianerinnen Kloster gelegt. Stifterin war Eleonore Philippine, die Schwester der Königin von Sardinien, die in Sulzbach als Witwe lebte.

Für die Klosterkirche erbat die Stifterin als Patronin die Heilige Hedwig von Schlesien aus dem Geschlecht der Andechser Grafen, da sie an deren Festtag geboren und getauft wurde. Das herrliche Portal der Klosterkirche mit zwei Säulen trägt das Doppelwappen „Pfalz Sulzbach“ und „Hessen Rheinfels“. Das Hochaltarbild zeigt die Hl. Hedwig vor dem Kreuz. Die Verbindung zu Böhmen demonstrieren sechs große dekorative Gemälde ( 1730 )aus dem Leben des böhmischen Nationalheiligen Johannes von Nepomuk.

Stadtmuseum

Äußerst empfehlenswert, ein Besuch im Sulzbacher Stadtmuseum, einem der Schönsten seiner Art in der Oberpfalz. Hier wird die Entwicklung der Stadt in der Zeit Karls hervorragend im Modell präsentiert. Eine Abteilung widmet sich auch dem Erzbergbau und dem Ockerbergbau. Der Gebäudekomplex des Museums liegt in der Neustadt 14-16. Der Kern des Hauses dürfte im Rahmen der Stadterweiterung unter Karl IV. zwischen 1360 und 1390 entstanden sein.

Der Museumsleitung ist es gelungen, eine unverwechselbare über 1200 Jahre zurückreichende Kulturgeschichte auf einer Fläche von rund 1000 qm aufzuzeigen.

Öffnungszeiten: Di- So jeweils von 9 Uhr bis 12 Uhr und von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr. Für Gruppen auch nach Vereinbarung Telefon: 09661 / 510131

Wallfahrtskirche am Anna Berg, die Hl. Anna verweist auf die ehemalige Bergbaustadt Sulzbach-Rosenberg

Informationen:  

Tourist-Info der Stadt:   Luitpoldplatz 25  in 92237 Sulzbach-Rosenberg Telefon: 09661 - 510110  www.sulzbach-rosenberg.de

Im Ortsteil Rosenberg steht das erste und Bayerische Schulmuseum der Oberpfalz mit alten Schulsälen und Exponaten aus vielen aufgelösten Schulhäusern der gesamten Oberpfalz. Auf dem Annaberg mit der barocken Wallfahrtskirche St.Anna ( 1676 ) wird um den 26. Juli die „Woiz-Kirwa“, das Annafest gefeiert.

 Klassenzimmer einer 7.Klasse im Schulmuseum