Weiden in der Oberpfalz

Weiden profitierte von der Goldenen Straße

Die Beziehungen der heute größten Stadt der nördlichen Oberpfalz zu Böhmen waren und sind bis heute von jeher sehr intensiv. So half Weiden bei großen Stadtbränden.

Weiden hilft Böhmen

Schon die Stadtkammer-Rechnung von 1578/79 berichtet: Als die Stadt Klattau in Böhmen ausgebrennt, überschickt Hans Weiß aus Weiden 16 Taler. Dass die Weidener stets ein Herz für Böhmen hatten, zeigte sich an den Finanzspritzen des Stadtrates, die er 1579 der Stadt Klatovy ( Klattau ) und 1585 dem Ort Primda (Pfraumberg) zum Wiederaufbau der Orte nach größeren Bränden zukommen ließ. Dieser Wille zum Helfen und zur Zusammenarbeit zog sich fort bis 1968, als der berühmte Schriftsteller und Dissident Jiri Grusa, aus Tschechien geflohen, in Weiden eine erste Aufnahme fand. Gleich nach der Grenzöffnung 1990 wurden die Bayerisch-Böhmischen Kultur- und Wirtschaftstage ins Leben gerufen Seit dem finden sie – gespickt mit Glaskunst- alljährlich im März statt.

Fotos: Altes Rathaus Weiden -typisch für die Orte an der Goldenen Straße - in der

Mitte des Marktplatzes stehend.             Marktplatz mit Renaissancehäusern

Im Schnittpunkt der Magdeburger Straße und der Goldenen Straße gelegen, entwickelte sie sich im weitläufigen Naabtal mit seinem breiten Straßenmarkt und den systematisch angelegten Seitenstraßen zu einer weltoffenen Stadt. Zu einer blühende Handelsstadt gelangte Weiden unter Karl IV. – und das bis hin zum 30-jährigen Krieg. Die erste Nennung Weidens datiert aus dem Jahr 1241 bei einem Besuch König Konrad I., der mit einem Reichsheer hier durchzog. Das mächtige Zisterzienserkloster Waldsassen hatte bereits 1287 Besitz in Weiden, das Gebäude der heutigen Regionalbibliothek und  des Keramikmuseums erinnern an diese Zeit. 1314 verpfändete König Ludwig der Bayer Parkstein und Weiden an den Böhmenkönig Johann aus dem Hause Luxemburg, ob er dadurch das königliche  Wahlrecht für Böhmen gewinnen wollte? Die Krone Böhmens sorgte für eine gute Zeit der Stadt. Selbst der Vertrag von Pavia 1329 änderte nichts an diesem Status, wenn nicht Johann selbst, durch seine Kriegszüge litt er stets an Geldmangel, Weiden 1339 an Pfalzgraf Ruprecht zurückverpfändet hätte. Kurz darauf trat Böhmen wieder ins Licht der Geschichte.

König Johann schenkte 1341 die Pfarrei Neunkirchen, zu der auch Weiden gehörte, dem Kloster Waldsassen. Nach einer Reihe von Verpfändungen aus politischen und finanziellen Gründen begann für Weiden eine Blütezeit unter Kaiser Karl IV. (1347 - 1378), dem Böhmenkönig aus dem Hause Luxemburg. "Dietrich von Kugelweit, oberster Kanzler in Böhmen und Bischof von Minden erhält das Schloss Parkstein und die Stadt Weiden zum Lehen". 1360 schlug Karl IV. Weiden durch Tausch vorübergehend zu seiner Haus -macht. Karl IV. war ein Förderer der Städte; er kam oft nach und durch Weiden und ein Haus „auf dem Burgstall“ besaß sogar einen Freibrief „umb all Sach“ von ihm. Schon 1347 hatte er angeordnet, dass Weiden neben den Festen Floß und Parkstein zu bessern, bauen und befestigen sei. Aus dieser Zeit werden auch die ersten Finanzhoheitsrechte der Stadt stammen. Noch im Jahre 1586 schmückten zwei böhmische Löwen das Stadttor von Weiden. Die Glanzzeit Weidens aber begann, als Karl IV. anordnete, dass die Kaufleute auf ihren Zügen zwischen Nürnberg und Prag nur die „Bärnauer Straße“, die über Weiden führte, benutzen durften.

  Josefskirche, eine der größten Jugendstilkirchen Bayerns

Die kürzeste Verbindung über Wernberg- Waidhaus, die über Leuchtenberger Terrain verlief wurde bei Strafe verboten war. Nun rollte der Gesamtverkehr einer der bedeutendsten Fernstraßen jener Zeit durch Weiden, das rasch aufstieg und eine Handels- und Verkehrsstadt wurde. Nicht nur der Landesherr und die Stadt, jeder Bürger profitierte davon, namentlich die Kaufleute, die Groß- und Fernhändler, die Krämer, Metzger, Schmiede, Wagner, Lederer und ähnliche Berufe. Dies änderte sich nach Karl IV. Der Weg der Handelsleute ging um 1438 nicht mehr über Weiden, die "Verbotene Straße" gewann wieder an Bedeutung. So kam es zu massiven Beschwerden aus Weiden, Tachau und Pilsen.

Das Neuböhmische Salbuch von 1366/68 berichtet, dass die Stadt jährlich zu Walburgis und Michaeli die stattliche Summe von 90 Pfennigen landesherrliche Steuer gibt. Das Geleit, das ist die Gebühr für den Schutz der Reisenden durch Bewaffnete – für den 300 Reiter mit 100 Harnischen bereit waren – brachte pro Jahr 400 Pfund Pfennige und der Durchgangs- und Handelszoll 50 Pfund Pfennige. Die Marktrechtsgebühren aus den vier Jahrmärkten jährlich 6 Pfund Pfennige. Die kaiserlichen Beamten erhielten zusätzlich Fische aus der Waldnaab. Aus dem Geleittarif ist ersichtlich, dass die wichtigsten Handels- und Durchgangswaren Eisen, Kupfer, Zinn, Häute, Wein, Salz, Heringe, Honig, Getreide, Wolle, Fette, Vieh, Kolonialwaren und Gewürze waren. (Josef Kick anlässlich  des Weidener Nordgautages in den 50er Jahren).

Böhmische Pfleger verwalteten die Region von Parkstein aus.

Nach dem Rückzug aus Neuböhmen blieben Weiden, Parkstein und weitere Orte noch für kurze Zeit bei der Krone Böhmens. Im Jahre 1391 wurde auf Anweisung von Wenzel IV. die Zollstelle von Tachov nach Weiden verlegt, eine hohe Aufwertung der Stadt.  Zudem erhielt Weiden die ehrenvolle Einrichtung einer Art kaiserlicher Kasse. Hier wurden Gelder eingezahlt, die für künftige Kaiserwahlen notwendig waren. Im Jahre 1402 nahm der Landgraf von Leuchtenberg, die ihm vom Böhmenkönig Wenzel IV. verpfändete Stadt, mit Waffengewalt ein, da ihn die Weidener nicht einließen und „tet man an ir gar übel“, berichtete eine alte Chronik. 

Jan Hus in Weiden

Jan Hus berichtete auf seiner Reise nach Konstanz 1414 „als wir durch Weyden durchzogen, sahen uns viele mit Verwunderung an....“. Seine Lehre fand auch in der Oberpfalz Anklang.  In der Hussitenzeit war Weiden als starke Festung mehrmals der Sammelpunkt deutscher Heere unter Kaiser Sigismund. Er bestätigte den Weidener Bürgern die Freiheiten der Stadt im Jahre 1434. Während der Hussitenkriege ( 1427 bis 1437 ) wurde Weiden in Mitleidenschaft gezogen, vor der Ostseite des alten Rathauses liegen noch heute Steinkugeln, die die Nürnberger der Stadt für die Hussitenverteidigung schickte.

Steinerne Zeugen aus dem 15. Jahrhundert

 

Foto.  Das internationale Keramikmuseum, die weit über die Grenzen Weidens bekannte Regionalbibliothek,  im Hintergrund der sog. Flurerturm bilden eine harmonische Einheit. Einst gehörte der Komplex dem Kloster Waldsassen.

Regionabibliothek und Kermaikmuseum Weiden.

Im Hintergrund ein Turm der ehemaligen Stadtbefestigung

Bild rechts: Stadttor nach Pilsen, daneben das sog. Kaiserhaus

 

Informationen zu Weiden:

Kultur- und Tourismusbüro: Altes Rathaus (im Herzen der Innenstadt)

92637 Weiden

Kulturtelefon: 0961 / 7603                    Tourismus: 0961 / 4898250

tourist(at)weiden-oberpfalz(dot)de                                            www.weiden-oberpfalz.de

  

 

Fußgängerzone Weiden - im Sommer- ein feeling wie "Bela Italia"