Blick auf die Altstadt- im Hintergrund den LaurentziBerg (Petrin)

Altstadt - Staré Město

Über die Karlsbrücke kommend, werden wir mit der Fassade des Klementinums und dessen Kirche konfrontiert. Es ist das größte Jesuitenkolleg jenseits der Alpen.

Das Kelmentinum ist ein historischer Gebäudekomplex mit über 20.000 Quadratmetern mitten in Prag, nahe der Karlsbrücke.

Heute sind hier die  tschechische Nationalbibliothek und etliche Institute untergebracht. Verbunden ist das Klementinum seit 1775 mit den Wetteraufzeichnungen auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Das Klementinum ist nicht nur der zweitgrößte Gebäudekomplex in Prag nach der Burganlage. Hier entstand auch 1837 die erste Mozart-Gedenkstätte weltweit. Der barocke Gebäudekomplex wurde durch die Habsburger Herrscher im Rahmen der Rekatholisierung  als ein Jesuiten-Kolleg errichtet. Als diese in der Mitte des 16 Jahrhunderts nach Prag kamen, erhielten  sie ein altes Kloster, renovierten es und errichteten etliche Anbauten. 1616 wurde das Clementinum zur Universität, 1654 erfolgte die Vereinigung  mit der Karls-Universität.

Krönungsweg  Královská cesta

Weiter geht es über die verwinkelte Krönungsgasse, im Sommer mit tausenden Touristen aus aller Welt verstopft, führt der Weg vorbei am kleinen Ring ins Zentrum der Altstadt. Am kleinen Ring (Marktplatz) steht ein vergoldeter Renaissancebrunnen. Südlich steht das Haus bei der goldenen Lilie ( Uzlata lilie). Bemerkenswert, das älteste Schaufensterportal in Prag, wie im Haus Beim Blauen Engel (U andela) waren hier Apotheken untergebracht. Im Blauen Engel wohnte der Hofapotheker Karl IV.. Abstecher vom Krönungsweg führen zur Bethlehmskirche (Betlémská kaple), bekannt durch die Predigten von Jan Hus.

 

Der Altstädter Ring (Staromestske namesti)

 

Im Jahre 1338 genehmigte Johann von Luxemburg auf Drängen der dortigen Bürger den Bau eines eigenen Rathauses. Errichtet am heutigen Altstädter Ring mit rund 9000 Quadratmeter wurde es mit seinem markanten Turm (65,5 Meter) bald zum Mittelpunkt der Stadt. Bewundert von Touristen aus aller Welt wird täglich die Rathausuhr, die vom Uhrmacher Nikolaus aus Kaaden 1410 unter Wenzel IV. angebracht wurde. Die Geschichte des Rathaus und seiner berühmten Uhr sind wechselhaft, voller Komplikationen und wären eigene Berichte wert.

Die Südseite des Rings wurde im 13. Jahrhundert zum Schutz vor Moldauhochwasser um fünf Meter höher gelegt. Es dürfte einer der geschichtsträchtigsten Plätze der Stadt sein. Hier spielten sich nicht nur die Hauptmärkte oder Feierlichkeiten ab, hier kam es zu den bewegendsten Momenten der tschechischen Geschichte. Der ursprünglich geschlossene Platz erfuhr am  Ende des II. Weltkrieges einen tiefgreifenden Einschnitt, der Nordflügel des Rathauses brannte nach Beschuss durch deutsche Panzer aus. Der Platz war Zeuge vieler historischer Ereignisse: So wurden vor dem Rathaus nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg 1621 die protestantischen Rädelsführer nach der Niederschlagung des Ständeaufstands bei der Schlacht auf dem Weißen Berg öffentlich hingerichtet. An dieses Ereignis erinnern heute die Kreuze, die am Hinrichtungsort in das Straßenpflaster eingelassen sind. 1948 proklamierte hier Thomas Masaryk die erste tschechische Republik.

Nach 1380 entstand hinter dem ehemaligen Kaufmannshof Teyn - zur Zeit Karl IV. - mit der fürstlichen Zollstation – dem Umgelt - die neue Hauptkirche Maria vor dem Teyn. Bereits im 10. Jahrhundert existierte der Marktplatz an der Kreuzung europäischer Handelswege.

Bereits davor gab es hier eine kleinere Kirche für die deutschen Kaufleute. Die Fassade der Teynkirche entstand 1380 durch die Bauhütte Parlers. Der spätgotische Giebel (1436), die vergoldete Madonna wurde nach der Schlacht am Weißen Berg (1620) verändert. Die Teynkirche war unter König Podiebrady die Kirche mit dem utraquistischen Bischof Jan von Rokycana, an der Stelle der heutigen Madonna hing ein riesiger Hussitenkelches. Bemerkenswert und eines der besten Stücke der Prager Gotik, das westliche Seitenportal der Kirche (um 1390). Es hat fast die Ausmaße eines Portals für einen Dom. Im Tympanon sind in einem Relief die Leiden Christi dargestellt. Zu sehen ist eine Kopie, das Original befindet sich im Nationalmuseum. Im Inneren ist die katholische Kirche barock umgestaltet und gänzlich restauriert.

 

Fotos: Innere der Teynkirche

Im Vordergrund stehen die Gebäude der ehemaligen Teynschule, getrennt durch eine Gasse, linker Hand, das „Haus mit der steinernen Glocke“, ein gotisches Stadthaus, in dem Johan von Luxemburg und Karl IV. wohnten, als die Burg verwüstet war.  Die Laubengänge vor dem Teyn stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Erbaut wurden sie als Wetterschutz für Verkaufsstände.

Handelszentrum im Schatten der Burg

Die Handelsgüter aus Ost und West kamen hier an. Der Teynplatz war der Umschlageplatz der Händler aus Nürnberg, Breslau und anderen Städten. Fremde Kaufleute aus ganz Europa bildeten ein buntes Völkergemisch. Alles in der damaligen Welt gab es hier zu kaufen, feine Tuche aus Flandern, Wein aus Italien, arabische Händler boten duftende Gewürze an. Überall wurde gefeilscht und gehandelt.  Wenzel I. befestige die Altstadt mit einer Fläche von 140 Hektar durch Türme und Mauern zwischen 1232-1234. Schnell musste es gehen, die Tataren bedrohten Europa. Eine Stadt wie Prag zog natürlich auch die Menschen auf der Schattenseite des Lebens an, Prostituierte, Gauner, Taschendiebe oder Bettler, die sich ein Stück vom Kuchen der Reichen abschneiden wollten und sich in der Anonymität der Großstadt sicher fühlten. Erst mit der Gründung der neuen, wesentlich größeren Marktplätze wurde es hier stiller. In dieser Gegend verbrachte der berühmte Schriftsteller Franz Kafka einen Teil seines Lebens.

Jede  Epoche hinterließ in der Altstadt ihre Spuren. Die reichen Fassaden der Prachtbauten reicher Kaufleute, das prächtige Palais der Adelsfamilie Glotz-Kinsky mit der wohl schönsten Rokokofassade Prags hier wurde Berta Suttner, Gründerin der Friedensbewegung (1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis), geboren.

Dominant die barocke Nikolauskirche auf der westlichen Seite. Ebenfalls (wie auf der Kleinseite) eine Dietzenhoferkirche, sie wird seit 1920 von der Hussitischen Kirche genutzt.

Im Blickpunkt das gewaltige Denkmal für den Reformator Jan Hus, als Gegenstück zur barocken Mariensäule, die den stürmischen Feiern zur Gründung der im Jahr 1918 zum Opfer gefallen war. Heute ist der Altstädter Ring Zentrum der alljährlichen Oster- und Weihnachtsmärkte.

Celetna- Zeltnergasse 

 

Bedeutsame Straßen führen zum Altstädter Ring aus allen Himmelsrichtungen: Pariser Straße und die Zeltnergasse ( Celetna), sind die bedeutsamsten. Letztere nimmt ihren Ausgang am Pulverturm (Prasna Brana), auf ihr kamen die Reisenden aus Kutna Hora und Nachod. Über die Zeltnergasse verlief der Krönungsweg der böhmischen Könige hinauf zur Burg.  Auffallend das Haus bei der schwarzen Madonna, 1911-12 wurde es im kubistischen Stil erbaut.

 

Gemeindehaus (Obceni dum)  Platz der Republik (Namesti Republiky)

Am Ende des 14. und im 15. Jahrhundert stand neben dem Pulverturm die Residenz (der Königshof) der böhmischen Könige. Heute erinnert an den Gebäudekomplex nur noch der monumentale Pulverturm. Hier hatten die die Krönungsprozessionen der böhmischen Könige einst hier ihren Ausgangspunkt, Maria Theresia nutzte ihn letztmals.

links Pulverturm- rechts, das alte Zollhaus

Heute steht hier als repräsentativer Bau auf dem Platz der Republik (Náměstí republiky)- Es ist das 1905 - 1912 im Jugendstil erbaute Gemeindehaus mit Konzertsaal, dem Smetana-Saal, der bis zu 1200 Besucher fasst. In einer Art Muschel am Dach der Sternseiten das Mosaik mit der Sage der Libusa über die Entstehung Prags. Im Inneren überwältigt den Besucher die Pracht und der Glanz der Restaurants und der sechs Säle. Die bedeutensten Künstler ( u.a. Alfons Mucha, Jan Preisler, Josef V. Myslbeck) der Republik statten sie aus.

Das gegenüberliegende Gebäude mit klasizistischer Fassade war einst das Zollhaus " Bei den Hybnern" genannt, Franzisakner aus Irland übernahmen es um 1630 als Klosterstätte. 2006/ 07 renoviert, ist darin ein Hotel untergebracht.

 

Weitere Ziele in der Altstadt

Die Karlsuniversität -  Univerzita Karlova v Praze

Foto Eingang Karlsuniversiät- Festsaal- links  Karl IV., der Gründer

Die Karls-Universität Prag ist die älteste und größte Universität Tschechiens. Am 7. April 1348 wurde sie vom römisch-deutschen Kaiser und böhmischen König Karl IV. nach dem Vorbild der  Pariser Universität, der Sourbonne, gegründet. Daher wird sie häufig als die älteste deutsche Universität bezeichnet. Sie entwickelte schnell internationale Bedeutung, die  sich bis heute erhalten hat: Angelockt vom hohen Niveau der universitären Lehre, aber auch von den im internationalen Vergleich eher niedrigen Lebenshaltungskosten, kommen junge Leute aus der ganzen Welt nach Prag, um hier zu studieren.

Im Gründungsjahr der Universität gab es vier verschiedene Fakultäten: Theologie, freie Künste, Jura und Medizin. Prag war die erste Universitätsstadt nördlich der Alpen und östlich von Paris. Die Universität hatte dementsprechend ein weites Einzugsgebiet. Über die Jahrhunderte bezog die Universität immer wieder religiös und politisch deutlich Position. So war Reformator Jan Hus Anfang des 15. Jahrhunderts Rektor der Karlsuniversität. Unter seiner Führung entwickelte sich die kulturelle Bedeutung der Hochschule noch weiter, allerdings auch die deutliche Ausrichtung in Richtung der reformatorischen Hussiten.

Zwei Jahrhunderte später, zu Beginn des Dreißigährigen Krieges, wendete sich die Universität zunächst gegen den katholischen Herrscher Kaiser Ferdinand III. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen übergab Ferdinand die Universität an den Jesuiten-Orden, der bereits zuvor eine katholische Hochschule in Prag aufgebaut hatte. Bis 1918 wurde die Hochschule anschließend als Karl-Ferdinand-Universität geführt. 1882 teilte sich die Einrichtung in eine tschechische und eine deutsche Universität.

Doch es gab auch bitte Tage und Stunden: 1200 Studenten wurden in der Nacht zum 17. November 1939 von den Nationalsozialisten aus ihren Betten gezerrt, in ein Prager Gefängnis verschleppt und von dort aus in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Auch die Professoren und Dozenten wurden verfolgt. Die tschechischen Universitäten blieben bis 1945 geschlossen. Hitler drohte, bei weiteren antideutschen Aktionen Prag dem Erdboden gleichzumachen. Bis heute wird im Gedenken an die Ereignisse jenes Tages der 17. November als Weltstudententag begangen.

Quelle teilweise: Christina Lüdeke, Stand vom 04.10.2010 (Planet Wissen)

Das Ständetheater Stavovské divadlo

Das Ständetheater in Prag wurde 1783 als Nationaltheater erbaut, 1798 von den Böhmischen Ständen gekauft und in Ständetheater umbenannt wurde. Besonders bekannt wurde es durch die Uraufführungen der Mozart-Opern Don Giovanni (1787) und La Clemenza di Tito (1791); Mozart liebte Prag- hier wurde  Musikgeschichte geschrieben.

Aktuell werden neben den Opern Wolfgang Amadeus Mozarts vor allem Ballet- und Theateraufführungen des Prager Nationaltheaters angeboten. 

Agneskloster Anežský Klášter

Nahe am Moldau-Ufer liegt das aus dem 13. Jahrhundert stammende St. Agnes Kloster. Es ist eines der bedeutendsten historischen Prager Gebäude und wurde zum Nationaldenkmal erklärt. Das im Volksmund „Böhmisches Assisi“ genannte Kloster wurde 1233 von König Wenzel I. gegründet. Erste Äbtissin war seine Schwester, die böhmische Prinzessin Agnes

Das frühgotische Doppelkloster der Klarissinnen beherbergt eine großartige Sammlung mittelalterliche Kunst aus Böhmen und Mitteleuropa. Empfehlenswert sind vor allem die bibelfesten Werke von „Meister Theoderich“, dem bedeutenden gotischen Maler Böhmens, sowie Bilder des Hofmalers des sächsischen Kurfürsten, Lucas Cranach d. Ä., und dem Hauptmeister der „Donauschule“, Albrecht Altdorfer. Das St. Agnes Kloster ist das erste und kostbarste frühgotische Bauwerk in Prag.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße bauten von 1615 bis 1620 böhmische Brüder die gotische Spitalkapelle in eine Renaissance-Kirche um. Im 17. Jahrhundert übernahmen die Barmherzigen Brüder die Kirche, 1740 erhielt das Renaissance-Gotteshaus St. Simon und Juda eine barocke Fassade. Auf der Kirchenorgel spielten u.a. Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Die Orgel wurde 1993 rekonstruiert und heutzutage nutzt das Prager Symphonie-Orchester den Raum der St. Simon und Juda Kirche als Konzertsaal.

Foto: Altstädter Ring mit das gotischen Haus mit der Steineren Glocke