Foto: Blick von der Burg auf die Kleinseite mit der Nikolauskirche

Die Kleinseite- Mala strana

Von 1257 bis 1784 eine rechtlich eigenständige Stadt unterhalb der Prager Burg mit einem von der Altstadt am anderen Moldauufer deutlich abweichenden Charakter. Nach zwei verheerenden Bränden wurde sie die Stadt der Reichen und des Adels, wovon prunk- volle Paläste und Kirchen bis heute zeugen. König Premysl Ottokar II. vertrieb die ansässige Bevölkerung, siedelte 1257 nord- deutsche Kolonisten an und errichtete die (erste) Neustadt (Nova civitas sub castro Pragensi), dieser  gab er das Magdeburger Stadtrecht. Schon im 14. Jahrhundert wurde die Stadt Civitas Minor Pragensis genannt, der Name Kleinseite (Malá Strana) hat sich bis heute erhalten.

Fotos: Blick auf die Kleinseite- eine der Burgtreppen

Nerudagasse – Nerudova

Der Weg von der Prager Burg zur Karlsbrücke sollte für Erstbesucher Prags auf jeden Fall über die bekannte Nerudagasse (Nerudova ulice) genommen werden. Benannt nach dem Schriftsteller Jan Neruda (1834-1891) ist sie  eine der schönsten Gassen im Viertel der Prager Kleinseite. Kennzeichnend sind nicht nur die wunderschönen Häuser und Palais, die links und rechts der Gasse zu finden sind, auch die Hauszeichen, die etliche  Gebäude schmücken und zeigen, welches Handwerk hinter den Mauern ausgeübt wurde. So das Haus zum „Goldenen Kelch“ oder zu den „Drei Geigen“.

Wohnhaus von Jan Neruda- dem "Charles Dickens" der Kleinseite mit seinen bezaubernden Geschichten über die Bewohner des Stadtteils.

... und noch immer finden sich Spuren der Vergangenheit....

St. Niklas-Kirche

In der Mitte des Stadtteils entstand auf den Grundmauern einer gotischen Kirche die mächtige Kirche St. Nikolaus, ein Prachtbau des Barocks  von Kilian Dientzenhofer.

Mit ihrer mächtigen Kuppel ist die Niklas-Kirche eine der bedeutendsten hochbarocken Bauwerke Prags. Das Gotteshaus war ein Familienprojekt: das Langhaus wurde vom Vater Christoph Dientzenhofer zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut, Kuppel und Turm wurden vom Sohn Kilian Ignaz Dientzenhofer vollendet. Die Innenausstattung wird ganz von der überbordenden Barockarchitektur dominiert. Die Verzierungen aus Stuck, vergoldeten Schnitzereien und Marmor sind beeindruckend. Erwähnenswert sind auch die wunderschönen Deckenfresken und vergoldeten Skulpturen. Mehrmals in der Woche finden abends Orgelkonzerte statt. Ein berühmter Gastspieler der Orgel in der Niklaskirche war übrigens Mozart, der hier kurz nach der Eröffnung der Kirche ein Konzert gab.

Eine gewaltige Kuppel, meisterhafte Baumeister Kunst krönt die St. Nikolaus Kirche

Um 1350 ließ Karl die Stadt erweitern und im Süden vom Strahov Kloster aus über den Hügel des Petrin (Laurentziberges) bis zum Ujezd mit einer neuen Mauer versehen. Im Volksmund wird sie heute noch Hungermauer genannt. Karl gab den Armen der Stadt durch den Bau Arbeit und Brot, vorangegangen war ein schlechtes Erntejahr. Im Jahre 1419 brannte die Kleinseite am Ende der Regierungszeit Wenzel IV. erstmals vollständig aus.

 

Fotos: rechts Säule für Karl IV. vor der Kirche St. Nikolaus- rechts: Maltheser Kirche

Der heute noch vorhandene Marktplatz auf der Kleinseite entstand unter Karl IV. nach der Erweiterung des Stadtviertels und galt als zweiter bedeutsamer Platz der Stadt. An Kirchenbauten ist erhalten die Stirnseite der Maltheserkirche „Maria unter der Kette“.  Deren Vorraum stammt aus der Parlerhütte. Gegründet wurde sie 1169 durch den Johanniterorden. Sie demonstriert augenfällig den ritterlichen Charakter des Ordens.

In der Mosecka ulice, der Brückengasse vor der Karlsbrücke stand im 14. Jahrhundert rechts der Palast des sächsischen Herzogs Rudolf, dem Schwiegersohn Karl IV. Umgebaut wurde er im Renaissancestil im 16. Jahrhundert und unglücklich aufgestockt 1828. Das kleine Brückentor vor der Karlsbrücke zwischen dem großen und dem etwas kleineren Turm wurde unter Wenzel IV. angebaut. Die Thomaskirche, von Dietzenhofer barockisiert, wird ob ihrer etwas versteckten Lage gern übersehen. Die ursprünglich gotische Basilika stammt aus dem 14. Jahrhundert, noch erhalten aus dieser Zeit, die Sakristei des Klosters mit ihrem Mittelpfeiler. Das gleichnamige Kloster wurde durch den böhmischen König für die Augustiner umgebaut. Ein Rathaus gab es auf der Kleinseite bereits Anfang des 15. Jahrhunderts. Während der hussitischen Kriege wurde es geplündert.

Deutsche Botschaft

Foto Deutsche Botschaft- (Fahnenstangen am Dach)

Es ist ein architektonisches Filetstückchen auf der Prager Kleinseite – das Palais Lobkowicz, seit 1973 das Gebäude der Deutschen Botschaft. Das barocke Bauwerk, nur 200 Meter Luftlinie von der Prager Burg entfernt, war im 18. Jahrhundert im Besitz der berühmten böhmischen Adelsfamilie Lobkowicz. Das Haus hat eine bewegte, über 300-jährige Geschichte. Aber besonders die Ereignisse vor gut 20 Jahren machen das Palais für Deutschland interessant. Im Jahr 1989 flüchteten tausende DDR-Bürger über Prag nach Westdeutschland und ebneten so den Weg zur deutschen Einheit – hier wurde Geschichte geschrieben.

Wallenstein Palais Valdštejnský palác

Der Palast – er ist der größte seiner Art in Prag - wurde in den Jahren 1623-1630 im Auftrag von Albrecht Wenzel Eusebius Wenzel von Waldstein, eher bekannt als Wallenstein. Dieser erhielt das Geländer vom kaiser geschenkt und das gesamte Viertel wurde abgerissen. Im Stil des frühen böhmischen Barocks  erbaut.. Nach der Ermordung Wallensteins 1634 wurde der Palast konfisziert, aber später von seinem Neffen Maximilian wieder erworben. Das Palais blieb im Besitz der Familie Waldstein bis 1945, wurde danach erneut enteignet. Seit 1992 hat der tschechische Senat hie seinen Sitz. Berühmt und nicht zugänglich ist der astronautische Saal  Kepplers im Dachgeschoss.

Besonders sehenswert ist aber der dazugehörige Garten. Im typisch streng geometrisch gehaltene Barockgarten kann man eine künstlich angelegten Tropfsteinhöle, Wasserspiele, Brunnen und Skulpturen sehen. Er wird im Sommer für Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Adresse Wallensteinpalais und Gärten
Valdstejnské námestí 4
Praha 1 - Malá Strana Prag Öffnungszeiten Sa+So 10-16h

Blick vom Waldstein Palais auf die Prager Burg

Kirche Maria vom Siege (Kostel Panny Marie Vítězné)

Die Kirche Maria vom Siege war am 26. Juli 1613 als erste protestantische Kirche in Prag   der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht worden. Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 begann die Rekatholisierung, die Kirche wurde den Karmelitern übergeben.

In dieser Kirche auf der Kleinseite befindet sich das Prager Jesulein, eine bekannte Kind-Jesu-Statue im Prager, das seit jeher dem zuhhörigen Karmelitenkloster gehört. Die wundersame Statue ist eine etwa 45 cm große Wachsfigur und  immer in lange Hemdchen eingehüllt. Je nach Abschnitt des Kirchenjahres oder zu verschiedenen Anlässen hat das Jesuskind andere Gewänder an. Das Jesuskind verfügt über eine Garderobe von etwa 70 verschiedenen Kleidern aus alten, kostbaren Stoffen, die zum Teil mit Perlen oder Granaten verziert sind. Das älteste Kleid, ein Geschenk des Königs Ferdinand III., stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und ist mit Rauchgoldstickerei ausgeschmückt. Die Geschichte der beginnt im 16. Jahrhundert in Spanien. Das Werk eines unbekannten Künstlers und befand sich damals im Besitz der Familie Manrique de Lara. Im Jahre 1556 heiratete Maria Manrique de Lara den böhmischen Adeligen Wratislaw von Pernstein. Als Hochzeitsgeschenk erhielt sie das wertvolle Familienerbstück mit. So kam das Jesulein Nach Prag.Die verwitwete Tochter Polyxena schenkte 1628 die Statue dem Kloster der unbeschuhten Karmeliter. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster durch die Sachsen geplündert und dem Jesuslein die Händchen abgeschlagen. Es war anschließend jahrelang unbeachtet im Gerümpel.

Unter Josef II. wurde 1784 das Kloster aufgehoben. 1993 verlangte Kardinal Miroslav Vlk, dass die Karmeliter wiederum die Kirche St. Maria de Victoria übernehmen sollen und dass dort wiederum die Verehrung des  Jesuleins durchgeführt werden soll, was auch geschah. Seitdem ist die Karmeliterkirche von Neuem Ziel der Wallfahrten.

Am 26. September 2009 waren die Kirche Maria vom Siege und das Gnadenbild des Prager Jesulein die erste Station auf der Apostolischen Reise von Papst Benedikt XVI. nach Prag. Er hielt dort eine kurze Ansprache und betete für die Familien.

Quellen: Wikipedia, eigene Recherchen

Vrtbovska Garten  Kleinseite, Prag 1

Ein Geheimtyp für Gartenliebhaber des Barocks ist der Vrbta Garten auf der Kleinseite, über einen unscheinbaren Eingang zu besuchen. Er zählt zu den schönsten und am besten erhaltensten Gärten der Hauptstadt. ER ist in  der Liste als UNESCO Weltkultur Erbe aufgenommen.

Die Vrtba Garten (Vrtbovská zahrada) liegt auf der Kleinseite und stammt aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Dieser im Stil des italienischen Stil Barocks errichtete Garten ist eine ruhige Oase im Zentrum der Stadt und einer der schönsten Gärten in Prag. Architektonisch und gärtnerisch eine Juwel mit seinen Terassen, Treppen, Blumenbeeten, Statuen römischer Götter ( Bildhauer Matthais Braun und Wenzel Reiner) und unglaublichen Ausblicken auf Prag. Hier werden gelegentlich auch Hochzeiten abgehalten.

Die Tatsache, dass der Garten am Hang liegt, macht ihn so attraktiv. Die beste Zeit für einen Besuch ist im Frühjahr und Sommer, wenn die Blumen in voller Blüte.

Der Vrtbovska Garten gehört zusammen mit drei anderen barocken Gärten in Breslau, Schönborn und dem Lobkowitz Garten auf dem Petrin Hügel zu den wichtigsten und schönsten barocken Gärten nördlich der Alpen.

Die Errichtung des herrlichen Schlossparks ist im Zusammenhang mit einer großen Hochzeit Zeit um 1720 zu sehen. Die Idee dazu hatte František Maxmilián Kaňka. John Joseph Vrba baute erst den Palast um, anschließend errichtete er den Garten dessen Barockgestaltung ohne wesentliche Änderungen im Gegensatz zum Vrtbovska Schloss in späteren Perioden erhalten blieb. In den Jahren 1990 - 1998 erfolgte nach dem früheren Bild der gesamten Wiederaufbau des Gartens. Für die Öffentlichkeit wurde er im Rahmen einer Einweihungszeremonie am 3. Juni 1998 wiedereröffnet. Heute befindet sich der Garten im Besitz von der Stadt Prag.

Address: Karmelitská 25, Prague 1 Adresse: Karmelitská 25, Prag 1
Anreise: Tram 12, 20, 22 bis Malostranské náměstí
Öffnungszeiten: April bis Oktober, 10.00 - 18.00 Uhr täglich
Kč Eintritt: Erwachsene 40 Kč, Kinder / Studenten 25 Kč, 100 Kč Familien  Website: www.vrtbovska.cz

Website: www.vrtbovska.cz