Stadtentwicklung Prags im 14. Jh.

Zwei Herrscherpersönlichkeiten haben die Hauptstadt der Tschechischen Republik geprägt. Den ersten Höhepunkt erlebte die Stadt im 14. Jahrhundert unter Karl IV., es war die Zeit der Gotik. Die dann folgende Hussitenzeit führte zum totalen Stillstand des Wachstums. Erst unter dem Habsburger Rudolf II. erlebte die Hauptstadt eine zweite Blütezeit im Rahmen einer Renaissance-umgestaltung.

 

 Grafik Karl IV.

 

  

Foto: Zu den bedeutendsten Baumeistern und Bildhauern zählt Peter Parler, Baumeister des Kaisers

 

Mit der Bestellung des schwäbischen Architekten, Bildhauer, Baumeisters und Künstler Peter Parler (1330 – 1399) , der den ersten Burgbaumeister Matthias von Arras († 1352) ablöste, hatte Karl den richtigen Mann zur richtigen Zeit gefunden. Parler hatte sein Handwerk in der Bauhütte zu Schwäbisch - Gmünd erlernt und in Köln erweitert. Er ist der erste Baumeister des Mittelalters, der aus der Anonymität hervortrat. Mit Mut mischte er die bekannten Baustile, erweiterte sie durch Elemente der deutschen, französischen und englischen Gotik und scheute sich nicht vereinzelt antike und romanische Teile beizumischen. Selbstbewusst hinterließ er der Nachwelt sein Portrait im Kirchenschiff St. Veit (siehe Bild) neben den Büsten des Hofes. Neben dem standesgemäßen Veitsdom mit dem großen Turm für das neue Erzbistum ließ Karl den Burgpalast in der Form des Palastes der französischen Könige mit der prunkvollen Allerheiligenkapelle ( 1370 ) umformen. Ausgebaut wurden die Stadtbefestigungen mit Toren, die neue Steinbrücke über die Moldau und ihrem Eingangsturm, die Gründung verbunden mit dem Bau oder Umbau von Klöstern und Pfarrkirchen, Patrizierhäusern und Adelspalästen. Werke der Malkunst, der Fresken, Plastiken und vielerlei Schöpfungen des Kunsthandwerks bis hin zu Goldschmiedearbeiten mit der Ausschmückung durch Edelsteine, Seidenvorhänge ergänzten den Prunk der Stadt. Seine Dombauhütte arbeitete von Kuttenberg (Barbara Dom) bis Nürnberg (Frauen-,Lorenz- kirche), Dom zu Regensburg. Von mehreren Edelsteinschneidern und -schleifern sowie Glasmachern, Kunstschmieden und -schlossern, Goldschmieden und Malern, die am Hof und an den repräsentativen Bauten tätig waren, sind nur einige mit ihren Namen bekannt. Darunter Johannes, pulier imperatoris, Schmied Wenzel, Nikolaus Wurmser aus Straßburg.

Planungen mit weitreichenden Konzept

Wenden wir uns Karl IV. zu, dessen ganzes Bestreben dahin ging, die Residenzstadt Prag zu modernisieren. Ein Jahr nach seiner Krönung wurde am 26. März 1348 der Grundstein für die Gründung der Neustadt (Nove Mesto) gelegt. Ihre großzügige Planung spiegelt sich noch im heutigen Stadtbild wider und bewältigt sogar das hohe Verkehrsaufkommen einer modernen Welt- und Millionenstadt. Um die neue Stadt zur stärken, versprach er allen Neubürgern, ob Juden oder Christen zwölf Jahre Steuerfreiheit beim Bau eines steinernen Hauses. Hier wurden alle lärmenden Handwerks- und Gewerbebetriebe verlegt. Sie sollten die Ruhe des Universitätsstudiums in der Altstadt nicht belästigen.

 

Der Ausbau war strategisch wohl durchdacht und stellt eine mittelalterliche  Spitzenleistung dar.  Im Grundriss waren drei große Plätze vorgesehen: Der Heumarkt (heute Senovážné námĕstí), der Roßmarkt (den Namen Wenzelsplatz erhielt er erst 1848, der alte Name passte nicht mehr zum eleganten Stil ) und der Viehmarkt ( Karlsplatz ).

 

An diese schloss sich ein Netz von Gassen und Straßen an, deren Häuserhöhe genau vorgeschrieben war. So entstand ein System an baulich einheitlicher, ebenerdiger, einfacher Häuser mit Riegelwandgiebeln. Dominant überragend darin die Klöster und Kirchen. Basiliken, ein- oder mehrschiffige Saalbauten oder Zentralbauten überragten märchenhaft die Bürgerhäuser und steinernen Wälle mit ihren Turmtoren. Für die Errichtung dieser Fläche kauft Karl Grundstücke am rechten Ufer der Moldau, dort befanden sich etliche Dörfer und allein 15 Kirchen. Die mit Zinnen bestückte Stadtmauer, die er errichten ließ, hatte eine Länge von 3440 Metern, ein Teil davon ist noch vom Vyšehrad kommen zum Karlshof hin ins Botič Tal erhalten. Alte antike Gesetze und astronomische Kenntnisse wurden von den Planern verwendet. So stehen einige der Kirchen der Neustadt auf demselben Meridian. Die Verbindungslinie der bedeutendsten Sakralbauten gipfelt in ein Kreuz.

 

Und eine weitere Besonderheit kann vermerkt werden. Lag die Straßenbreite der mittelalterlichen Städte bei zirka dreieinhalb bis sieben Metern, so zeigen die Straßen der Prager Neustadt eine Breite von 18 bis 27 Meter. Der Wenzelsplatz hat eine Längsausdehnung von 622 Metern und eine Breite von 60 Metern. Der Karlsplatz mit seinen 80.550 Quadratmetern ist der größte Stadtplatz Europas und größer als die Place de la Concorde in Paris, der größte Platz des 18. Jahrhunderts. Hier mündeten die Hauptstraßen des Böhmischen Reiches aus allen Himmelsrichtungen kommend ein. Trotz seiner Größe erhielt er nie die Bedeutung wie der Altstädter Ring oder der Wenzelplatz. Karl IV. zeigte auf ihm alljährlich von einer Kapelle aus, die in der Mitte des Platzes stand, die Reichsinsignien und Reichskleinodien dem Volk.

Die Namen wie Roggengasse (Zitna) oder Hafergasse ( Jecna ) weisen darauf hin, dass die Gegend jahrhundertelang landwirtschaftlich genutzt wurde. Mit diesen Baumaßnahmen wurde die Stadtfläche Prags unter dem Böhmenkönig um 180 Prozent vergrößert. Mit 85.000 Einwohnern war Prag zum Ende des 14. Jahrhunderts vor Köln die größte Stadt Europas und flächenmäßig die viertgrößte Stadt der Welt.