900 Jahre Kloster Kladrau und Stadt Kladruby 1115-2015

Foto: Der Teufel beißt sich am Kloster Kladruby die Zähne aus, eine Klosteranlage erhebt sich aus den Ruinen.

 Die Stadt Kladruby  

Der kleine Ort, im Mittelalter eine bedeutende Stadt, liegt sieben Kilometer von Stribro entfernt an der Uhlavka. Etwa 30 Kilometer sind es nach Pilsen. Kladruby lag am Schnittpunkt der "Goldenen Straße" und der "Verbotenen Straße" sowie einer Abzweigung nach Regensburg. 1115 taucht der Ort in den Analen des Benediktinerkloster auf, er lag jedoch etwas erhöht an der Stelle des heutigen Friedhofes. Im 14. Jahrh. entwickelte sich unter dem Einfluss des Klosters die heutige Ortschaft.

Ein Straßendorf, in dessen Mitte sich die kleine barocke Pfarrkirche St. Jakob befindet. Jakobskirchen verweisen auf alte Pilgerwege, die in der Regel mit den Altstraßen identisch waren. Der ehemalige Pfarrhof von Kladruby steht leer. Gelegentlich nutzt ihn die katholischen Pfarrgemeinde.

Kurzgeschichte:

1420 brennt der Hussitenführer Jan Ziška das Kloster und die Stadt nieder. Auch der 30-jährige Krieg blieb nicht ohne Spuren, immer wieder zerstörten große Feuer (1711 und 1843) den Ort.

Am kleinen Markplatz steht eine Mariensäule mit der deutschen Inschrift: "Das Jahr 1701 segnet Euch mit aller Trost zur Eintracht, Treue und Würde." Um den Ort verläuft ein ausgeschilderter Naturlehrpfad. Privatzimmer stehen für Übernachtungen bereit.

 

Museum der Region Kladruby Regionální muzeum Kladrubska

Das Museum zeigt in CZ und D die regionale Entwicklung des Ortes.

Am 20. Juni 2015 wurde am Marktplatz das Regional-Museum Kladrubská eröffnet. Von 2013 bis 2015 wurde das ehemalige Schulhaus, spätere Postgebäude und zuletzt Kino, mit EU- Mitteln umgebaut. Angeregt durch den Besuch der Eröffnung des Altenstädter Museums im letzten Jahr präsentiert Kladrau ebenfalls ein 3-D-Häuser-Modell von 1843 mit Sprachmodus und raffinierten Ton- und Lichteffekten. Dieses Modell wurde eigens in Prag entwickelt. Ähnlich Modelle gibt es derzeit nur in Prag, in London und eben in Kladruby.

Deutsche Besucher werden sich freuen: Im Museum ist alles dreisprachig erklärt. Vergessen ist nicht die Nürnberg-Route der Goldenen Straße nach Prag. Da findet sich - raffiniert präsentiert - sogar der Schulpartnerschaftsort mit dem Wappen von Altenstadt/WN wieder.

Ein Besuch lohnt sich

Öffnungszeiten:

  • Januar-April, September-Dezember außerhalb Mo 10:00-12:00 12:30-16:00
  • Mai-August außerhalb Mo 10:00-12:00 12:30-17:00
  • Eintritt 30 Kc, Senioren, Schüler, Studenten 20 Kc, Schulen 15 CZK /pro Kind

Kontakt: telefon: +420 702 160 605
e-mail: muzeum(at)kladruby(dot)cz

ředitel /Direktor muzea/ Museum Herr Pavel Parlasek
redmu(at)kladruby(dot)cz,
tel.+420 702 160 605

Mehr Infos zur Geschichte von Kladrau: http://de.kladruby.cz/geschichte

Das Kloster Kladrau  

 

 

Fotos: Kuppel Barock-Gotik mit goldener Krone 2015 saniert. Hochaltar der Basilika mit dem Hl. Wolfgang

Gegründet wurde es 1115 vom schwäbischen Kloster Zwiefalten aus. Der böhmische Fürst Vladislav legte den Grundstein durch die Heirat der württembergischen Prinzessin Richenza von Berg, eine Nichte des Oberpfälzer Grafen Diepold II. Aus ihrer Heimat Zwiefalten holte die Fürstin 12 Mönche mit Abt. Der Patron des Bistums Regensburg, der Heilige Wolfgang wird der erste Patron des Klosters.

  

Foto Bürgermeister HansJörg Riedlinger aus Zwiefalten (2.v. l.) wirbt nach 900 Jahren für eine neue Kooperation.

Der Heimatverein Zwiefalten unter der Leitung von Bürgermeister Riedlinger konnte in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt Pilsen und der Uni Tübingen eine D-CZ Ausstellung über die historischen Zusammenhänge erstellen. Sie wurde im Kloster im Rahmen des Projekts Pilsen2015- Kulturhauptstadt Europas vorgestellt.

Im 13. Jahrhundert erreichte das Kloster seine größte Bedeutung. 128 Dörfer, drei Städte, mehrere Propsteien und Landbesitz bis in die Prager Stadt hinein, machten es zum bedeutendsten Kloster in Westböhmen. 1590 und 1620 wurde das Kloster durch Feuer und Plünderung verwüstet. Erst nach der Schlacht am Weißen Berg erhielt das Kloster nach 1620 seine alte Bedeutung zurück. Abt Maurus Fintzgut ließ die Kirche in der heutigen Form umbauen.

 Weithin - auch von der Via Carolina aus - ist sie mit ihrer goldenen Krone sichtbar auf einem Felsrücken gelegen. Stolz und trotzig zugleich erhebt sich das Kloster mit seiner gotisch-barocken Architektur. Nicht der Kommunismus hat das Leben und Wirken des Klosters zerstört, dies vollzog Kaiser Josef II. und dessen Säkularisation im November 1785. Damit ging eine segensreiche Epoche zu Ende, die im Jahre 1115 mit der Gründung begonnen hatte. Kladrau gehörte zu den reichsten und bedeutendsten Benediktinerklöstern Böhmens.

 Die prachtvolle Kirche, der Jungfrau Maria geweiht, musste ihre sakrale Bedeutung aufgeben. Ein halbes Jahrhundert (1711- 1726) zuvor hatte der berühmte böhmisch-italienische Baumeister Giovanni Santini-Aichel die Kirche im barock-gotischen Stil aufwendig umgestaltet. Die Asambilder der Kirche, sie stammen aus dem Jahre 1725 sind noch im Originalzustand erhalten. Zu finden sind sie in der Kuppel der Basilika und einem Bilderzyklus, in 12 Szenen wird ein Lob auf Maria, der Patronin der Kirche, angestimmt. Eine sehr seltene Kreuzesszene präsentiert sich an der Tabernakeltüre der Basilika Maria Himmelfahrt. Der Heilige Wolfgang von Regensburg, einst Patron der Kirche, thront überlebensgroß auf der linken Seite des Altars.

Im Seitenschiff befinden sich die Grabmäler der Schwamberger und Schlicks, die aus der verfallenen Kapelle der Burg Schwamberg hierher überführt wurden. In der Schlossgruft richteten die letzten Besitzer, die Fürsten von Windischgrätz eine Familiengruft ein. Die Fürsten von Windischgrätz erwarben das Kloster 1825 bei einer Versteigerung für ein "Butterbrot". Sie errichteten eine Dampfbrauerei in der ehemaligen Abtei und Bibliothek. Der Familie gehörte das Kloster bis 1945, ihr ist auch eine größere Ausstellung in der alten Prälatur gewidmet. 

    

Foto: Der Tabernakel am Hochaltar, eine seltene Christusdarstellung am Keuz.

Heute gehört die Klosteranlage mit der Kirche dem tschechischen Staat. Unter großem Aufwand wird es seit 1990 Stück für Stück saniert und steht Besuchern offen. Das Konventgebäude wurde von Kilian Ignaz Dietzenhofer errichtet.

Fotos:

So präsentiert sich das Kloster z.T. im Jahre 1990 - … rund 20 Jahre später 2011

Zuständig ist das Denkmalamt in Budweis.

Mit einem unglaublichen Aufwand und mit viel Engagement wird das Projekt vorangetrieben

Im Sommer und im Winter finden in der ehemaligen Kirche Konzerte mit bedeutenden Künstlern aus aller Welt statt.

2017 wurd zum 40 x der Kladrauer Musiksommer durchgeführt, der Konzertreigen erststreckt sich jeweils von Juli bis August. Konzerte sind stets samstags um 15 Uhr. Bestechend die Akustik des Kirchenraums. Die Orgel ist seit 2016 generalsaniert und zählt zu den 10 besten Orgeln der Republik. Ständig ändernde Ausstellungen fördern das Kulturleben und den Erhalt der Anlage, an der noch vieles zu tun ist. Helfen Sie durch Ihren Besuch mit, das Kloster zu erhalten und die Renovierung voran zu treiben!

Termine:

Alljährlich im August: Musiksommer in Kladruby mit Konzerten in der Basilika, 3.Sonntag im August Fest Maria Himmelfahrt mit Messfeier in der Basilika und Kirchweih in Kladruby, historischer Jahrmarkt im Klosterhof.(Programm und Karten gibt es im Museum) Bei der 90 Minuten Führung wird kleineren Gruppen auch eine bedeutende Ausstellung von Nepomukfiguren aus aller Welt im Kloster gezeigt. Im Dezember gibt  es Weihnachtskonzerte in der Basilika des Klosters.

Am 29. 12.2015 trafen sich bei der ersten gemeinsamen die Sternsingeraktion der Bistümer Pilsen und Regensburg über 800 Sternsinger mit Erwachsenen rund 1000 Personen- ob die Kirche schon jemals so viele Besucher in ihrer Geschichte sah- ich bezweifle; keinefalls so viele Kinder!

Bild: So wie der Kreuzgang des Klosters wunderschön renoviert ist, zeigen sich bereits viele Räumlichkeiten im Kloster. Führungen werden bei Vorbestellung auch in deutscher Sprache durchgeführt. Barockstatuen des berühmten tschechischen Bildhauers Matthias Braun schmücken den Gang.

Raubkopie von Albrecht Dürer im Kloster

Auf dem Weg zur Kirche finden sich Schnitzwerke der Renaissance. Der unbekannte Künstler bediente sich durch Vorlagen von Albrecht Dürers Marienzyklus. Raubkopien sind nicht erst eine Erscheinung unserer heutigen Zeit. Der Neustädter Kunsterzieher Hermann Wild konnte dies bei einem Vortrag im Sommer 2008 eindeutig nachweisen.

 Informationen, und Auskünfte über das Museum. Der Direktor Herr Parlasek spricht perfekt deutsch.

 

 Bestellung von Gruppenführungen direkt beim Kloster :

Národní památkový ústav - územní odborné pracoviště v Plzni
Státní památkový objekt Klášter Kladruby
Kladruby u Stříbra
349 01 Stříbro
tel/fax: +420 374 631 773
e-mail: kladruby(at)plzen(dot)npu(dot)cz                                      http://kladruby.euweb.cz