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Warum wurde die südliche Route der Goldenen Straße verboten?

 

 

Zunächst eine Bemerkung vorweg: Mit dem Hervorheben der "Verbotenen Straße" in unserer Homepage will der Förderverein "Goldene Straße" die Bedeutung dieser wesentlich älteren und damit südlichen Route der Goldenen Straße würdigen, die sich mit ihren 54 km in die frühere Reichsstraße und heutigen B14 mit einer Gesamtstreckenlänge von 464 Kilometer einfügt.

Der tschechische Name für Verbotene Straße lautet:  Zakázaná cesta

 

Die Lösung für das Verbot und die sicher nicht negativ zu bewertende Namensgebung "Verbotene Straße" durch den Altstraßenforscher Anton Dollacker ist wie folgt zu erklären:

 

Kaiser Karl IV. verfügte vor rund 650 Jahren, dass die Böhmenkönige auf der „Goldenen Straße“ über Bärnau den Weg nach Nürnberg nehmen müssen, sie wurde zur neuen Reichsstraße. Unter Strafe wurde die alte Trasse der heutigen Bundesstraße 14 von Hirschau bis Kladruby (Kladrau) verboten. Der Grund lag darin, dass der Kaiser auf seinem Weg von Prag nach Nürnberg auf eigenem Territorium und nicht durch das Gebiet der Leuchtenberger Burggrafen reisen wollte. Gleiches galt für die Handelszüge, die befohlene Umleitung hatte kaum Zollstellen. Der Name „Verboten Straße“ wurde erstmals im 19. Jahrhundert vom Oberpfälzer Altstraßenforscher Anton Dollacker verwendet.

 

Zeichnung: Matti Häberlein, Nürnberg 

 

Karl IV. umging seine Anordnung selbst

Der Kaiser selbst hielt die von ihm befohlene Route nicht immer ein. Das lässt sich am Transport der Reichskleinodien von Karlstein nach Nürnberg im Jahre 1350 nachvollziehen. Abgang in Prag am 29. März 1350, Transport über Waidhaus, Ankunft in Nürnberg am 3. April. Aus diesem Bericht lässt sich gut ersehen, wie lange damals die Reise von Prag nach Nürnberg dauerte; genau sechs Tage! So gesehen dürfte der Zug am 1. April 1350 Wernberg durchquert haben.

Geleitschutz

Bereits unter den Merowingern und Karolingern hatte sich das "Geleitwesen" herausgebildet und als Schutzgeleit mit Ausfertigung eines Geleitbriefes für das "lebende Geleit" gewissermaßen rechtlichen Status erworben. Ein solches Geleit gab es auch auf dem wichtigen Handelsweg Nürnberg-Prag. Das "Waidhauser Geleit" erstreckte sich auf einer Länge von ca. 80Km, nämlich westlich ab Hirschau, bis ca. 15 km östlich nach Böhmen zur sog. "Pettlarner Furth". Quelle http://www.heimat-waidhaus.de/3.html

 

Heute ein Teil der B 14

Somit ist die Verboten Straße, von Hirschau über Vohenstauß-Pleystein-Waidhaus mit 54 Kilometern ein Teil der Bundesstraße 14 (B 14) und gehört zu den langen Bundesstraßen Süddeutschlands. Die B14 beginnt in Stockach im Landkreis Konstanz am Bodensee, verläuft  über Stuttgart ,Schwäbisch Hall durchs Bundesland Baden-Württemberg und in Bayern über Ansbach, Nürnberg nach Waidhaus zur Grenze der Tschechischen Republik. Die Gesamtstreckenlänge beträgt 464 Kilometer. Paralell verläuft von Schwäbisch Hall kommend, die moderne "Goldene Straße, die Via Carolina (Autobahn A6) " von Paris über Prag bis kurz vor Hradec Kralove.

 

 

 

Foto: Leuchtenberg

 

  

Foto: Das Terrain der Grafen von Leuchtenberg mied Karl IV.- er verbot den Weg bei Strafe und befahl die Route Tachov-Bärnau-Neustadt- Weiden-Hirschau zu benutzen.

 

 

 

 

 

 

 

Wegtrasse

Der Verbindungsweg von Nürnberg nach Prag führte wie die Goldene Straße von Nürnberg bis Hirschau, von dort aber zweigte die Trasse ab in Richtung Schnaittenbach, Wernberg, Kötschdorf, Alletshof, Deindorf, Wittschau, Oberlind, Wallfahrtskirche Kalvarienberg, Vohenstrauß, Pleystein, Waidhaus (Waidthausen) , Roßhaupt, Pfraumberg (Primda) nach Haid (Bor) und weiter nach Kladrau (Kladruby. Dort vereinigt sich der Weg wieder mit der Goldenen Straße in Richtung Prag. Nachgewiesen ist die Strecke bereits durch den Böhmenherzog Bretislaw I. um 1034.

 

Ärger- Gerichtsstreitigkeiten in Amberg

 

Die Stadt Pleystein sperrte den Durchgangsverkehr bei Kriegsfällen wegen Beschwerden durchziehender Soldaten oder bei Ausbruch von Seuchen (Pest).  Wegen der hohen Berge über Pleystein – die Breslauer Kaufleute, so wird berichtet -  fluchten über den Berg  - und auch um die Pleysteiner Zollstelle zu umfahren, zog es allmählich auch den zollpflichtige Fuhrwerksverkehr auf diese Wegstrecke. So entstand ein jahrhundertelanger Zollstreit. Mit Gewalt wurden die Kaufleute durch Pleystein gezwungen, worüber sich die Nürnberger Kaufleute 1652 massiv beschwerten. Denn bereits nach 1616 fuhren die Fuhrwerke bereits den bequemern Weg über den Rennstraße an Vohenstrauß vorbei.                              Foto des Klosters Pleystein auf deinem Rosenquarzfelsen in der Mitte des Ortes.

 

Die Rennstraße (Boten- oder Rennsteig)

meint die ehemalige Bundesstraße 14 die von Waidhaus über Zengerhof- Lohma-Braunerstrieth- Neuwirtshaus- Straßenhäuser führte und hier wieder in die Pragerstraße einmündete. Genutzt wurde die Strecke anfangs für Reiter und leichte Fahrzeuge.

 

Die Pragerstraße

so wurde die sog. "Verbotene Straße"  im Jahre 1769 genannt. Ihr Weg von Wernberg - Ketzdorf- Deimdorf - Witzau - Wieselrieth - Neues Wirtshaus Braunersried - Lohma - Waidhaus. Bereits 1774 wurden durch das Chur Bayerische Amt Vermessungen durchgeführt, die Straße stellenweise begradigt oder aufgeschüttet und befestigt. Die Vohenstraußer und Pleysteiner wollten die Straße nicht durch ihren Ort haben. Sie befürchteten Truppendurchzüge „fremde Läuse brauchen wir nicht“, so ihr Argument. Daraufhin baute der kurfürstliche Hofbaumeister Georg Heinrich Dobmeier die Straße so, wie die B 14 verlief.

 

Die Verkehrsbedeutung der sogenannten „Prager Straße“ nahm durch den Brückenbau zwischen Unterköblitz und Wernberg stark zu und wurde bald zur bevorzugten Straßenführung. Unter Wenzel IV. (Sohn Karl IV. )  wurde die Brücke so breit gebaut, dass sechs Handelswagen nebeneinander über die Brücke fahren konnten.

Der Höhenübergang in Bärnau mit 697 m erwies sich als zu umständlich, was dazu führte, dass sich die Städte wie Weiden und Tachau beklagten. Hierbei ging es vor allem um mindere Zollabgaben. Sohn Wenzel und auch am Ende Karl selbst, verpflichteten sich die Landgrafen durch böhmische und bayerische Lehen, durch das Münzrecht und sie machten Johann von Leuchtenberg zum Tischgenossen des Kaisers. Repro Karte von 1748

Hohes Zollaufkommen, aber auch Privilegien 

Die im Jahre 1538 unter König Ferdinand I. errichtete Zollstelle in Pfraumberg hatte bald die höchsten Einnahmen- aller böhmischen Zollstellen in Richtung Bayern. Es wundert daher nicht, wenn die Straßenkarte der Gebrüder Jung aus dem Jahre 1641 diesen Verkehrsweg als einzige Handelsstraße zwischen Nürnberg und Prag und weiter nach Breslau in Schlesien einzeichneten.

 

Da wurde ganz schön was umgesetzt: 1539 musste Hans Lukas 373 Schock 10 böhmische Groschen für 1600 Ochsen als Zoll zahlen. 1541 ließ ein Hans Kerlin 291 Ochsen verzollen, zwei später trieb Friedrich Gutterer 230 Ochsen durch Pfraumberg. Die Pilsner Bürger hatten es damals gut, sie mussten für einen Ochsen sieben böhmische Groschen bezahlen, hatten aber das Privileg in den böhmischen Kronländern und im gesamten deutschen Reich keinen Zoll mehr zahlen zu müssen.

 

 

Mordfall an der Prager Straße

1559 wurde am 15. April Vizenz Rajsky, der reichste Viehhändler und Ratsherr zu Pilsen auf der Pragerstraße bei dem Dorf Oberlind kurz vor Vohenstrauß ermordet und aus-geraubt. Sein Vermögen wurde auf 100 000 Meißner Taler geschätzt, in seinem Haus beherbergte er des öfteren Kaiser Ferdinand mit Gemahlin.

Foto: Ein Marterstock (Steinkreuz) erinnert seit 450 Jahren an die Mordtat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Bischof Otto von Bamberg auf Missionsreise über Prag an die Ostsee

 

Auf dieser historischen Straße zog bereits 1124 Bischof Otto von Bamberg, der im gleichen Jahr die Kirche in Altenstadt bei Vohenstrauß einweihte. Seine Reise führte über das Kloster Michelfeld bei Auerbach 

und das Kloster Kladrau nach Prag.

Den Geleitschutz verrichtete 1338 der Herr zu Nappurch (Nabburg) „Er soll gelieten was gen Böhmen will bis an die Raehling“ (Grenzbach bei Waidhaus).

 

Foto: Bischof Otto in der von ihm geweihten romanischen Kirche in Altenstadt bei Vohenstrauß

 

Postwesen

Bedeutung erhielt die Straße im Postwesen der Fürsten von Thurn und Taxis, die eine Poststrecke von Nürnberg nach Prag einrichteten (Cerhovice Station). 1620 sind in Waidhaus, Oberlind und Schnaittenbach

fürstl. Thurn- und Taxis Posthalter bezeugt. 1796 benötigte die Post von Waidhaus nach Nürnberg  20 Stunden und 45 Minuten.

 

Im 19. Jahrh. gab es sogar eine gemeinsame Abfertigung der österreichischen und bayerischen Zöllner. Auch 1918 mit Einführung der Tschechischen. Republik änderte sich nichts an der verbindenden Funktion

der Straße. Mit dem Grenzschein, den fast jeder hüben und drüben in der Tasche hatte, konnte man sich frei bewegen.

 

 

Erst nach 1946 wurde die Grenze dicht, den Eisernen Vorhang zerschnitten symbolisch Hans Dietrich Genscher und Jiri Dienstbier 1989 nicht ohne Grund in Waidhaus.

Heute sind durch das Schengener Abkommen und den EU Beitritt alle Grenzen frei überfahrbar, die Kontrollgebäude sind oder werden abgerissen. Ein gültiger Ausweise

sollte bei Grenzübertritt stets dabei sein.

 

An der Autobahn vor der Abzweigung auf den Parkplatz in Tschechien steht die aus den Angeln gehobene Tür. Welch eine Symbolik- der Eiserne Vorhang ist überwunden, wir liegen wieder in der Mitte Europas.

 

Radio Prag berichtet am 23.März 2011

Lang geplantes Museum des Eisernen Vorhangs wurde Mitte Mai eröffnet

Im tschechischen Ort Rozvadov / Rosshaupt an der Grenze zu Bayern wurde Mitte Mai (14.5.) das seit längerem geplante Museum des Eisernen Vorhangs eröffnet. Dies hat die „Stiftung Eiserner Vorhang“ bekannt gegeben. Angeblich ist es das erste Museum seiner Art in Europa. Untergebracht werden die Ausstellungsstücke in einem alten Gebäude genau auf der Grenzlinie, das die Stiftung vom tschechischen Staat übernommen hat. Gezeigt werden sollen 800 Fotografien und mehrere hundert weitere Exponate wie unter anderem Gustav Husáks Telefon für den heißen Draht zum Kreml oder die Originaltechnik für den Grenzschutz. Die Ausstellungsstücke stammen von privaten Sammlern, wurden geschenkt oder von der Stiftung im Antiquitätenhandel gekauft. Das Museum entsteht ohne finanzielle Hilfe offizieller Stellen.

 

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