Slideshow

  Goldene Straße-Zlatá cesta
   In memoriam Vaclav Havel
   Milena Jesenská und ihr Traum
   Namensbedeutung
   Impressum
   Suche
   Goldene Straße - aktuell
   Oberpfalz aktuell
   Franken aktuell
   Tschechien aktuell
   Ostbayern lernt Tschechisch
   1414/15- 2014/15 Jan Hus
   Literatur
   Links
   Kontakt
   2. D-CZ Mensch-ärgere-dich nicht Turnier 2012
   Kladruby-Zwiefalten-Pilsen2015
   D-CZ Geschichtspark Bärnau
   700 Jahre Hochzeit Jan+Eliska
   Bayerisch/böhmisch_ Bavorsky/cesky
   Transport
   Verbotene Straße-Zakázaná cesta
   Weg der Goldenen Straße
   von Luxemburg
   durch Deutschland
   Zlatá cesta durch Tschechien
   nach PL / Niederschlesien
   Persönlichkeiten
    Jan Hus
    Winterkönig
    Weitere Reisende
    Johann v. Luxemburg
    Der Heilige Wenzel
    Kaiser Sigismund
    Der Hl. Wolfgang
   Tourismus-Reisen
   Aktivitäten
   Förderverein Goldene Straße

Johann v. Luxemburg, König auf dem böhmischen Thron

Johann von Luxemburg , böhmischer König- nach 600 Jahren fand er seine letzte Ruhestätte

 

Sein Thron war der Sattel, am Höhepunkt seiner Macht galt er als der erfolgreichste Ritter und galanteste Fürst seiner Zeit. Er glänzte auf europäischen Turnieren und Festen, die schönsten Frauen umgaben ihn. Fast 50 Heiratsprojekte sicherten und erweiterten seine Herrschaft, „der Böhme erhöht oder stürzt wen er will“, so ein Sprichwort zu seinen Lebzeiten. Gemeint  ist Johann, Graf von Luxemburg, König von Böhmen und Markgraf von Mähren (1310-1346). Als Sohn Kaiser Heinrich VII. und Margaretha von Brabant, pflegte er bis zuletzt das Ansinnen, nicht nur den Königstitel, sondern auch die Kaiserkrone zu erlangen. Diese sollte jedoch seinem Sohn Karl IV. vorbehalten sein. Den Heldentod fand er auf dem Schlachtfeld zu Beginn des 100-jährigen Krieges zwischen Frankreich und England in der Schlacht von Crecy.

 

Johann wurde früh von der romanischen Welt im Westen des Reiches geprägt. Eine vornehme und ritterliche Erziehung genoss er am französischen Hof. Als sein Vater Heinrich VII. 1308 zum König gewählt wurde, belehnte er den einzigen Sohn mit der Grafschaft Luxemburg. Fernab aus Böhmen erreichte Heinrich ein Hilferuf.

Dort war 1307 Heinrich von Kärnten zum König von Böhmen gewählt worden, was Unmut im Lande auslöste. An der Spitze Hilfesuchenden standen die Äbte der Zisterzienser aus Plasy (Plaß) bei Pilsen und Sedlec (Sedletz), dem von Waldsassen aus gegründeten Kloster bei Kutna Hora (Kuttenberg). Der Luxemburger willigte in die Verbindung seines erst 14-jährigen Sohnes Johann mit der drei Jahre älteren und letzten Přemislidenprinzessin Eliška (Elisabeth), eine Tochter Wenzels II. und dessen Frau Guta von Habsburg ein.

 

Eine echte Liebesehe

In der Johanniter Kommende Heimbach in der Pfalz traf sich im August 1310 das versprochene Paar erstmals, fand aneinander Gefallen und so wurde aus der ursprünglich politischen Verbindung eine „Liebes-Ehe“, die allerdings später großen Belastungen ausgesetzt sein sollte.

 

 

 

 

 

 

Am 31. August  1310 belehnte Heinrich VII. seinen Sohn mit Böhmen, am folgenden Tag heiratete er mit großem Pomp Elisabeth im Dom zu Speyer. Der Zug nach Böhmen unter Leitung des Mainzer Erzbischofs Peter von Aspelt, ebenfalls einem Luxemburger, führte zur Vertreibung des Kärntners und zur Krönung am 7. Februar 1311 des Paares in Prag mit dem Anspruch auf die Krone Polens. Da die Burg sich als unbewohnbar erwies, wählte das junge Paar als Wohnung das Haus mit der Steinernen Glocke, das heute noch neben der Theynkirche am Altstädter Ring steht.

 

Ein Kriegsmann- ständig unterwegs

Johann suchte neue Bündnispartner, die seit dem Kaisertum des Vaters gestörten Beziehungen zu Frankreich löste er mit der Verehelichung seiner Schwester, sie wurde Königin von Frankreich,

1323 schickte er seinen erstgeborenen Sohn Wenzel nach Paris, der bei der Firmung den Namen Karl erhielt, und Blanche, die Tochter Philipps von Valois, heiratete.

1324 versuchte Johann mit Lothringen und französischer Hilfe Metz zu erobern und verwendete dazu erstmals in Europa Belagerungskanonen. Der Böhmenkönig, der zeitweise eine eigene Italienpolitik betrieb, ließ sich zum König der Lombarden krönen. Beim Versuch, in Italien einen Machtkomplex aufzubauen, wurde aber 1333 durch die Guelfen verjagt.

 

Immer in Geldnot, bediente er sich kräftig aus den Schätzen Böhmens, mehrere Jahre hinweg mied er das Land, bis zuletzt blieb er ein Fremdling. Johann stritt in Böhmen mit seiner Frau und dem Adel, unbeliebt wegen seiner Verschwendungssucht, seiner französischen Lebensart, musste er seine deutschen Berater ins Reich zurücksenden. Die Ehe mit der Erbin des Landes galt als gescheitert. Elisabeth, deren Tochter Margarete 1328 Herzog Heinrich von Niederbayern heiratete, bangte zuletzt um ihr Leben und flüchtete in die heutige Oberpfalz. Lange Jahre verbrachte sie auf der Burg Chameregg im Bayerischen Wald. 1330 verstarb Elisabeth in Prag, Johann versöhnte sich am Ende mit ihr. Sechs Kinder hatte sie ihm geboren, zwei Knaben und vier Mädchen. Begraben ist die Letzte aus dem Přemyslidengeschlecht im Zisterzienserkloster Königsaal bei Prag. Zwei Jahre später heiratete der Böhmenkönig Beatrix von Bourbon, sie gebar ihm mit Wenzel einen weiteren Sohn, ihm vermachte er 1340 per Testament den Besitz der Grafschaft Luxemburg.

 

Sein Geburtsland Luxemburg hatte Johann nie vergessen. Er erweiterte es durch Landgewinn, die Bevölkerung nahm zu, in der  Stadt Luxemburg lebten zirka 4000 Einwohner. Um den Handel zu stärken, führte eine Art Handwerkermesse ein, die nach rund 680 Jahren noch immer im August stattfindende „Schobermesse“.

 

Kampf gegen heidnische Litauer

Kräftige Steuereinnahmen des Papstes wären in seine Kasse bei einem Kreuzzug ins Heilige Land geflossen. Er ließ den Plan jedoch fallen und griff als Ersatz im Bunde der Deutschritter erfolgreich das noch heidnische litauische Reich an. Sechstausend Gefangene ließen sich taufen, um einen Gemetzel zu entrinnen. Die Polen, dies sich gegen die Deutschritter erhoben, griff er ebenfalls an. 1329 zog er im Triumphzug in Prag ein, 1377 und 1344 wiederholte er Kriegszüge in Litauen und Polen, kein Weg war ihm zu weit. In den feuchten Sümpfen des Baltikums erkrankte er am rechten Auge. Durch die ungeschickte Behandlung eines Augenarztes, den er zur Strafe in einem Fluss versenkte, verlor er ein Auge.

1335/39 kam es in Verträgen von Trentschin und Krakau zu einem Ausgleich mit dem Polenkönig Kasimir dem Großen. Johann verzichtete auf seinen Anspruch auf den polnischen Thron und erhielt dafür Hoheitsrechte- mit Ausnahme von Schweidnitz - über die Fürstentümer in Schlesien.

Während dieser östlichen Kriegszüge weilte er, auch immer wieder in Kämpfe verwickelt, in Norditalien. Seine Reisen erfolgten im Eiltempo. Nach fünf Tagen traf er von Prag über Nürnberg kommend in Aschaffenburg (15.Juli 1321) ein, war am selben Tag in Frankfurt, am 16. Juli in Mainz, am 17. Juli in Bacharach und am 19. in Trier bei seinem Onkel Balduin, das erforderte Kondition und Gesundheit. Boten, die man ihm nachsandte, hatten kaum eine Chance ihn einzuholen. So legte er in kapp zwei Wochen die 1000 Kilometer Strecke Prag / Paris zurück.

 

Tot und kein Ende

1340 unterzog er sich in Montpellier erneut erfolglos einer Operation, durch einen maurischen Arzt, der sich vorher bei einem Misserfolg absicherte, nun war er vollends ohne Sehkraft. Johann, seit 1339 total erblindet, fand er im Altern von 50 Jahren getreu dem ausklingenden Ritterideal in der Schlacht bei Crecy gegen die Engländer den Tod. Johann ließ sich aufs Pferd binden und von Heinrich Münch von Basel in die Schlacht gegen Eduard III. von England führen, dabei fand er am 26.8.1346 den Tod. Der Gedichtsepos „Crecy“ von Nikolaus Welters würdigt in 14 Strophen sein Leben und Sterben:

 

„Und trutzig fliegt das Löwenpaar,

Und rasselnd in die Feinde Schar.

Da hielt, begrüßt von frohem Schlachtgesang,

Der blinde König hohen Wonnegang;

Da ritt auf Crecys Feld im Abendrot

Der große Luxemburger in den Tod“.

 

Doch über den Tod hinaus sollte er keine Ruhe finden. Zunächst bestattet in der Abtei der Dominikanerinnen in Valloire, wurde er einbalsamiert in die Abtei Altmünster in Stadt Luxemburg überführt, 200 Jahre ruhte er dort, 1542 wurde die Abtei abgerissen, die Gebeine erhielten die Franziskaner in der neu erbauten Abtei Neumünster, 1648 brannte diese bei einer Belagerung nieder. Mutige Mönche retteten die Reste seiner Knochen und Johann wurde in der neu erbauten Abteikirche St. Johann beigesetzt. Während der französischen Revolution waren es wieder Mönche, die seine Reste einem katholischen Bäcker übergaben, vier Jahre versteckte dieser sie auf seinem Speicher. Das erfuhr der Fabrikant Jean-Francois Boch, bekannt durch die Firma Villeroy & Boch. Er kaufte die Knochen für seine Raritätensammlung und nahm sie beim Umzug nach Mettlach ins Saarland mit. Nach 24 Jahren machte er sie dem Kronprinzen von Preußen, Friedrich Wilhelm, zum Geschenk. Nach 492 Jahren, am Jahrestag der Schlacht von Crecy, ließ der Prinz die Gebeine in allen Ehren in einer eigens errichteten Kapelle in Kastel an der Saar beisetzen.

Es sollte noch nicht die letzte Grablege sein, patriotische Luxemburger holten die Überreste Johanns 1946/47 nach Stadt Luxemburg. Nach einer 600-jährigen Odyssee fanden sie endlich in der Kathedrale Notre Dame die letzte und endgültige und würdige Ruhestätte. (CHR)

 

 

 

Siedlung mit Herbergen, einer Schenkstatt und Mühle.

 

Druckversion