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Vom Handel und der Entwicklung der Städte Niederschlesiens

Mit der Kolonisierung ab dem 13. Jahrhundert gewann der Handel an Bedeutung. Görlitz, Liegnitz und Glogan entwickelten sich bald zu bedeutenden Handelsplätzen. Breslau wurde der wichtigste Stapelplatz zwischen Ost und West und spielte vom 14. bis 16. Jahrhundert als machtvoller Standort eine glänzende Rolle. Foto: Stadtplan von Breslau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Foto: das gotische Rathaus zu Breslau- Umschlageplatz der Waren aus Ost und West- Süd und Nord

 

Interessant die Stadtbauformen in Schlesien, die meist in der Gotik vollzogen wurden. So finden wir eine gerundete Gesamtform, die durch ein Netz regelmäßiger, sich rechtwinklig kreuzender Straßen, die in der Mitte einen Platz von Baublockgröße einschließen, aufgeteilt. Oft wird die langgezogene Rundung durch eine sich in der Mitte zu einem Platz ausbauchende Straße in der Längsachse geteilt. Es sind die Handelsstraßen, die in diesem Fall ohne Unterbrechung durch den Ort führen. Stets gibt es Befestigungen durch Mauern. Die Regelmäßigkeit der Stadtpläne wurde nur dort unterbrochen, wo Berge oder vorhandene Burganlagen integriert wurden, wie zum Beispiel in Glatz. Wie in der Oberpfalz und Franken verlaufen die Straßen von Tor zu Tor und schneiden sich rechtwinkelig auf dem Marktplatz, der in Schlesien überwiegend „Ring“ genannt wird.

 

Foto: Domtürme zu Breslau (Gotik)

 

 

 

 

Wie in der Oberpfalz und Franken ist der prächtige Rathausbau oft in der Mitte des Platzes zu finden, Zeichen eines selbstbewussten Bürgertums. Hinzu gesellen sich die hohen bürgerlichen Giebelhäuser und die mächtigen Pfarrkirchen, die das Bild  der Marktplätze in ihrer Gesamtwirkung abrunden. Noch eines ist dem Besucher aus Bayern vertraut, die vielen kleinen und großen, ja oft prunkvollen Nepomukstatuen an Brücken, vor Brunnen oder Kirchen. Meist haben sie ihre Plätze dort eingenommen, wo der Reisende sie still betrachten kann.

 

Foto: Wallfahrtskirche Alberndorf

 

 

 

Die öffentlichen Bauten der alten Städte, die Kirchen, Rathäuser und Wehrbauten entsprachen der zunehmenden Macht und dem Wohlstand des Bürgertums. Die meisten der großen gotischen Stadtkirchen Schlesiens stammen aus der Zeit Kaiser Karl IV., unter dessen Regentschaft sich der Handelsverkehr stark entwickelte.

 

Krippen verbinden Bayern Böhmen und Polen

Foto: Bewegliche Krippe in Alberndorf ganzjährig geöffnet

 

 

 

 

 

 

 

                                                                            

 

 

 

 

 

Als die Zeit der gotischen Bauweise um 1500 nicht mehr gefragt war, ging ein neuer Baustil durch Europa,

die Renaissance. In der Profanarchitektur erfolgte ein totales Umdenken, die sakralen Bauten blieben davon eher unberührt.

Klassische Vorbilder holten sich die Schlesier in Padua und Bologna. Die Handelsbeziehungen zu Italien waren zur damaligen Zeit sehr intensiv. Bereits um 1400 hatten über 60 Kaufleute aus Florenz und Venedig Niederlassungen in Breslau.

 

Foto: Schloss Eckersdorf in der Grafschaft Glatz

 

 

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verschwand der italienische Einfluss mehr und mehr, die Barockkunst hielt Einzug. Führende Architekten und Künstler wirkten von Bayern über Böhmen bis nach Schlesien. Fischer von Erlach baute 1722 die Kurfürstenkapelle des Breslauer Doms. Ignatz Kilian Dientzenhofer 1723 die Kirche des Klosters Wahlstatt. Die Breslauer Universität ist das Beste, was die Barockzeit in Schlesien hinterlassen hat.

 

 

 

Die aus Oberbayern stammende Familie der Brüder Asam, tätig von Bayern über Böhmen, hinterließ auch in Schlesien ihre Spuren. Zahllos – wie in Böhmen- die Schlösser mit ihren prachtvollen Gartenanlagen mit Terrassenanordnungen, wie zum Beispiel in Eckersdorf. Wir finden Herrensitze des kleineren Landadels und Klosteranlagen.

 

 

 

 

Foto: links: Eingang zum Festsaal des Prunksaals der Uni Breslau

 

Foto rechts: Orgel in der Loepoldina

 

 

 

 

Hier haben die großen historischen europäischen Epochen ihren Niederschlag gefunden, sind Zeichen dafür, dass dieses Land eben ein bedeutender Teil Euroaps war und auf dem guten Weg ist, dies wieder werden muss. Wichtig aus westeuropäischer Sicht ist der Besuch dieser Regionen, die Reize der Landschaft und Historie zu erleben.

 

Foto: Eine Besonderheit in Niederschlesien sind die Fischkanzelkrippen. Sie erinnern an die biblische Geschichte von Jonas und dem Walfisch.Dies steht in der Kirche in Eckersdorf , westlich von Glatz.

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Der Heilige Johannes von Nepomuk, ebenso ein Bindeglied zwischen Bayern, Böhmen und Polen.

 

 

Dieser wunderschöne Barock-Nepomuk befindet sich in der Wallfahrtkirche Wartha /Bardo auf dem Weg der Altstraße zwischen Glatz und Frankenstein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Der Bau der Eisenbahn von Breslau nach Glatz und weiter nach Kudowa überquert in der Nähe

 die Grenze zum Nachbarland Tschechien. Für die Konstruktuer war der Bau eine große Herausforderung, Täler und Berge zu überqueren.

 

Repro: Bauplan der Eisenbahn Breslau- Glatz-Kudowa

 

Die Bahnstrecke Breslau–Mittelwalde wurde zwischen Jan. 1871 und Okt. 1875 abschnittsweise durch die Preußische Staatsbahn in Betrieb genommen. Zweigleisig ausgebaut wurde der Abschnitt zwischen Breslau und Rengersdorf. Streckenlänge  bis zur CZ Grenze 136,064 km. Anfang der 1990er Jahre wurde die Gesamtstrecke bis Międzylesie mit dem 3-kV-Gleichstromsystem der PKP elektrifiziert und geht bis Prag.

 

 

 

 

 

Einige Ergänzungen zum Thema Schlesien heute:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Herr Direktor Bronislaw Kaminski (links) Sebastian Martyniak (Lehrer und versierter Gästeführer) aus Kudowa Zdroi setzt sich mit seiner Beegnungsstätte "Marzanka" für die D- CZ-PL Versöhnung ein. Das Denkmal der Versöhnung bauten Jugendliche aus der drei Ländern zwische Kudowa und Tscherbeny. Außerderm baute Herr Kaminski das wunderschöne Freilandmuseum am Stadtrand von Kudowa auf.

                                                                                                                 

 

Foto:

asugezeichnetes polnisches Bier und

Schlesisches Himmelreich,

das schmeckt auch den Gästern aus Bayern und

Böhmen.

 

 

 

 

Eine Familie im Schicksal der Geschichte

 

– erst "Untertanen der polnischen Könige", unter den Luxemburger Herrschern auf dem Prager Thron „böhmisch“, dann eine kurze Episode „bayerisch“ (siehe Webseite Herzog Ernst), als Teil Böhmens anschließend  zur "Krone Habsburg“ gehörend, durch Kriegsgewinn  preußisch“, dann „Reichsdeutsch“, zuletzt „heimatlos- zu BRD Bürgern oder  zum Teil zu DDR Bürgern gemacht, seit 1989 wieder „Deutsche, diesmal endlich und zum Glück in einem friedlich vereinten Europa.Wobei mir letzter Lösung sehr gut gefällt!

 

Blicken wir auf das Schicksal der in den letzten Jahren eingebürgerten sogenannten „Rußland-Deutschen“, so sollten all jene, und damit schließe ich auch die nachfolgenden Generationen ein, denen das Verlassen der Heimat durch Vertreibung nach dem 2.Weltkrieg selbst erspart geblieben ist, nicht aber ihren Groß -eltern und Eltern, sich immer bewusst sein, dass die Fremdbestimmung des Schicksals jeden treffen kann.

 

Wie meine Vorfahren letztlich nach Schlesien, ins heutige Polen kamen, ist nicht mehr nachvollziehbar. Eines jedoch ist sicher, ihre Vorfahren kamen aus dem deutschsprechenden Raum im Westen. Angeworben durch die Piastenfürsten oder durch die Böhmenkönige. Väterlicherseits, vielleicht vertrieben aus den Habsburger Landen wegen ihres protestantischen Glaubens (Stichwort: „Salzburger Protestanten“), es wird wohl ein Geheimnis bleiben.....

 

Geschichtsabläufe an Eckdaten meiner Vorfahren, der Familie Gebauer

 

Ausgehend vom  „Ersterwähnten“ der Familie,  Caspar Gebauer aus Eckersdorf -  nachweislich geboren 1692- das genaue Datum fehlt, gestorben 1758, kann folgendes festgestellt werden. Der Vater dieses Caspar Gebauers lebte in der Grafschaft Glatz unter der Herrschaft des bayerischen Wittelsbachers, dem ehemaligen Salzburger Bischof Ernst, der das Land käuflich erworben hatte und bis 1650 regierte. Es war die Zeit des 30. jährigen Krieges.  Caspar, 44 nach Jahre nach Beendigung des schrecklichen Krieges geboren, war österreichischer Staatsangehöriger, damals herrschte in Wien Kaiserin Maria Theresia (1740-1780). Vielleicht hörte Caspar  die Geschichte von ihrer Krönung als böhmische Königin auf der Prager Burg. In Frankreich regierte Ludwig XIV., genannt der „Sonnenkönig“. In Preußen, der „Alte Fritz“, Friedrich II., auch der Große genannt; es war die Zeit der absoluten Herrscher, denen das „gemeine Volk“ wenig bedeutete. Caspar erlebte, wie die Barockbauten in Schlesien errichtet wurden, ob er je eines dieser Bauwerke gesehen hat, dürfte fraglich sein- vielleicht bei einer Wallfahrt, die Kirche in Wartha. Der Aktionsradius eines einfachen Menschen war zu jenen Zeiten nicht gerade groß.

 

Gehen wir zur nächsten Person, dem gräflichen Gärtner George Gebauer, geboren 1740 in Eckers- dorf, verstorben 1782. In dieser Zeit herrschte in Europa der „Siebenjährige Krieg“, ob er vom Unabhängigkeitskrieg in Amerika  und der „Unabhängigkeitserklärung“ am 4. Juli 1776 in Philadelphia“ gehört hatte, dürfte fraglich sein. Ihn beschäftigten sicher andere Sorgen. Sein Land litt unter den immer wieder aufflammenden preußisch- österreichischen Auseinandersetzungen, den „Schlesischen Kriegen“ (1740- 1763). Im Jahr 1763 musste George Gebauer einem neuen König huldigen, dem Preußenkönig Friedrich II., aus dem Österreicher wurde ein Preuße.

Als am 7. August 1832 mein Urgroßvater  Amand Gebauer, geboren wurde, war Napoleon Bonaparte bereits elf Jahre tot. Im Dezember seines dritten Lebensjahres fuhr in Nürnberg die erste Deutsche Eisenbahn. In Berlin herrschte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Der nationale Gedanke machte sich in Europa breit. Er erlebte das Hungerjahr 1847 und die revolutionären Gedanken der französischen Revolution von 1848 drangen sicher bis in die Grafschaft Glatz. In Prag schlug Fürst Windischgätz auf Geheiß des Kaiser Franz Josef  I. die Revolution nieder. Als sich Amand in Berlin 1851 fotografieren ließ, hatte Deutschland einen Kaiser. Noch nicht gesichert war die Stellung der Frauen, die erste Frauenzeitschrift, herausgegeben von Luise Otto, musste 1851 eingestellt werden. Frauen durften keiner Partei oder Verein angehören. Erst 1899 war es Mädchen erstmals erlaubt, das Abitur zu machen. Amand Gebauer erlebte Kaiser Wilhelm I. auf dem preußischen Thron, unterstützt von seinem Reichskanzler Bismarck. 1866 begann der preußisch - österreichische Krieg, Amand war gerade mal 32 Jahre alt.  Die Entscheidung des Krieges fiel gar nicht so weit entfernt von seinem Wohnort Zülzendorf, in Königgrätz in Böhmen. Viele weitere Kriege überzogen in seinem Leben Europa. 1871 wurde dann endlich in Frankfurt am Main Frieden geschlossen und das „Deutsche Reich im Spiegelsaal von Versailles ausgerufen. Aus dem Preußen Amand wurde ein „deutscher Reichsbürger“.

 

Amands Nachkommen erlebten den wirtschaftlichen Aufschwung, dann den Zerfall des Kaiserreiches 1918. Sechs seiner Kinder machten die Schrecken des 1.Weltkrieges mit, Tochter Agnes die Umwälzungen in Böhmen mit der Gründung der ersten Tschechischen Republik. Die Zeit der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und des 2.Weltkrieges überstanden lediglich drei seiner Kinder. Sie mussten die schlesische Heimat für immer verlassen, kamen nach Norddeutschland und Bayern in die Oberpfalz, einem Land, das in vielen Phasen seiner Geschichte ein ähnliches Schicksal wie Schlesien erleben musste. (CHR)

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