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„Der Winterkönig“ – Kurfürst Friedrich V.

Friedrich V. , Kurfürst von Heidelberg - Amberg, genannt "der Winterkönig"

Das Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg widmete ihm 2003 die d ie erste große zweisprachige (deutsch-tschechische Ausstellung in Bayern. Sie erregte auch im Nachbarland Tschechen große Aufmerksamkeit und großes Interesse.

Präsentiert wurde die Bayerische Landesausstellung im Stadtmuseum Amberg präsentiert. Noch heute sind Teile der Ausstellung dort zu finden.

Die Ausstellung tangierte ein bedeutsames Kapitel deutsch - tschechischer Geschichte und befasste sich mit der Zeit um 1619. Es ist eine Zeit des Aufruhrs und im Zentrum steht ein junger Mann, gerade 23 Jahre alt: Kurfürst Friedrich V., geboren im oberpfälzischen Amberg.

 

Als weltlicher Kurfürst ist er das Haupt der protestantischen Union. 1613 heiratet er die englische Königstochter Elizabeth Stuart, die ob ihrer Schönheit als erste "Rose of England" bezeichnet wurde.

Hochzeitsbild Friedrich und Elisabeth

 

 

 

 

 

 

Elisabeth im Alter von 7 Jahren (1603)

 

Am heutigen Rathaus der Klosterstadt Waldsassen befindet sich eine bemerkens-werte Gedenktafel.

Hier wartete Friedrich V. auf die böhmischen Gesandten, die ihm in Waldsassen nach der Grenze zu Cheb/Eger die Korne über-brachten.

Diese Übergabe legitimierte seine Reise nach Prag, wo die offizielle Krönung stattfand.

 Die damaligen weltpolitischen Ereignisse überschlugen sich:

  • Im Mai 1618 der „2. Prager Fenstersturz“ - Auslöser des Dreißigjährigen Krieges.
  • 1619 wird der protestantische Friedrich V. im Prager Veitsdom zum Böhmischen König gewählt.

 

Der katholische Cousin in München, Herzog Maximilian I., ist sein Gegner und hat sich mit dem Kaiser verbündet. Im November 1620 kommt es zur entscheidenden Schlacht am Weißen Berg (Bila Hora) vor den Toren Prags. Der Winterkönig, wie er spöttisch in Europa wegen seiner rund einjährigen Herrschaft genannt wurde, verlor und floh mit der Familie aus Prag und Böhmen über Nachod nach Niederschlesien. Dort erhoffte er sich, Verbündete zu finden. Das war ein Irrtum, über Berlin  floh er geächtet ins niederländische Asyl, dort verstarb Friedrich Falcky, wie ihn die Tschechen nennen 1632. 

 

Bild: Schlachtformation im Schloss Stern

Hier offenbart sich ein Kapitel deutsch - tschechischer Geschichte, dass die Oberpfalz und Böhmen in ihren Auswüchsen stark beeinflusste, denn im Laufe des Dreißigjährigen Krieges fiel die Obere Pfalz 1628 als Kriegsentschädigung an die bayerischen Kurfürsten, zuvor gehörte sie zu den pfälzischen Kurfürsten. Damit einher ging eine Rekatholisierungwelle und ein sich absolutistisch gebärdender bayerischer Fürst, der sich für seine im Dienste des Kaisers aufgebrauchten Kriegskosten schadlos halten wollte. (Vgl. Das Fürstentum der Oberen Pfalz, Ausstellungskatalog der Staatlichen Archive Bayerns, München 2004, S. 266)

 Bild: Asam _Deckengemälde im Kloster Bila Hora Schlachtmotiv

 

Das Kloster wird seit Okt.2007 von Bendediktinerinnen aus Deutschland, Polen und Tschechien bewohnt und vom Kloster Brevnov betreut.

 

 

 

 

Das Stadtmuseum Amberg würdigt immer wieder die historische tragische Person des Winterkönigs mit Ausstellungen, so auch im Winter 2011.

 

 

 

 

 

 

 

 

Portrait des Winterkönigs                                 Hochzeit in Heidelberg "Welch ein Kaff", so der Kommentar der Braut beim erstmaligen Einzug in die Stadt, sie war von London verwöhnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Als ob der damalige Spott nicht reichte, nun hat Amberg den Winterkönig als Teddybär

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An der  Südroute der Goldenen Straße, der "Verbotenen Straße" von Hirschau über Waidhaus erinnert die Friedrichsburg in Vohenstrauß an jene Epoche.

Quelle: Auszug von unserem Mitglied Herrn Gerhard Reiß aus seinem Referat „Gegen Land und Leute“

 

Ein hoher – ja ein absolut höchster Besuch kündigte sich in Weiden an:

 

Schabner, Bürgermeister der Stadt  (aus Bärnau stammend), schreibt in seinem „Geheimbericht“ (Quelle: Staatsarchiv Amberg Bestand Pfalz Sulzbach Geheime Registratur 57/153)

 

„Anno 1619, den 11./21. Oktober zog König Friedricus, Pfalzgraf und Kurfürst, mit seiner Gemahlin in seinem ältesten Herrlein (Sohn) mit einem starken Comitat (Gespannschaft) von schöner wohlgeputzter niederländischer Reiterei und Fußvölkern in Behamben (Böhmen) auf die Krönung, logierte über Nacht bei dem alten Stahl(Stahl’scher Gasthof, Oberer Markt 5) (früherer Kurpfälzer Hof) und wurde Alles ausgezahlt.“

 

Der junge Pfälzer war ein unerfahrener Fürst, den der Glanz der böhmischen Krone lockte und die Hoffnung auf die Mithilfe der Union trieb, diese Wahl anzunehmen.

 

Sein Schwiegervater Jakob I. von England war mit dieser Wahl ganz und gar nicht einverstanden. Aber seine Gemahlin Elisabeth drängte ihn zu diesem Abenteuer. Ihr wird die Äußerung zugeschrieben: "Hatte er das Herz, eine Königstochter zu heiraten, so soll er auch ein Herz fassen, ein Königreich anzunehmen. Ich will lieber mit dem Könige Sauerkraut als mit dem Kurfürsten Gebratenes essen." Sie erklärte ihrem Gemahl, dass sie bereit sei, an seiner Seite auszuharren und im Notfalle allen Schmuck und was sie sonst auf der Welt hätte, einzusetzen.

 

Als Friedrich V. von Heidelberg weg ritt, soll seine Mutter gesagt haben: "Nun geht mein Sohn fort und trägt die Pfalz nach Böhmen."

 Friedrich bemühte sich auf alle mögliche Weise, große Geldsummen zum Kriegführen aufzubringen. Weil die eigenen Mittel und Einnahmen nicht reichten, verkaufte er Güter des Stiftes Waldsassen, so die fünf Seidlersreuther Teiche, ferner die Kornthaner und Voitenthaner Teiche und borgte noch dazu von den Untertanen, Städten und Märkten des Stiftes Waldsassen die große Summe (die Tirschenreuther Summe nicht mitgerechnet) von  12.730 fl.

Am 4. November 1619 erfolgt die Krönung Friedrichs zum böhmischen König, am 7. 11. die Elisabeths zur Königin. Friedrich war 23 Jahre jung!

 

In seinem Geheimbericht schreibt Schabner weiter:

 

Anno 1620 in der Fasten kam ein Regiment Eng- und Schottländer unter dem Obristen Grey, (Aussprache Grek, Normannisch) 3000 Mann stark, hierumb an, das wurde vom churfürstlichen Landschreiber und Kastenamt hinaus in die Städel proviantiert, und hernach an die böhmische Grenz solang verlegt, bis es Herr General Graf von Mannsfeld an sich gezogen.

 

Jakob I. schickte seinem Schwiegersohn Hilfe. Die Familie Grek – ein alter normannischer Adel – hat später engen Kontakt mit Friedrichs Sohn Ruppert!

 

Am Abend des 7. November 1620 steht die katholisch-kaiserliche Armee westlich vor der Stadt vor Prag. Am Weißen Berg (Bila Hora) formieren sich die gewaltigen Heerhaufen zur ersten großen Schlacht des Dreißigjährigen Krieges - eine monströse Übermacht von 40.000 Reitern und Infanteristen taucht im Morgengrauen aus dem Nebel auf und tritt gegen nur 13.000 protestantische Soldaten an.

 

Vor der Schlacht wird gesungen und gebetet - die Dämmerung eines Heiligen Krieges. Wer sein Leben dem Kampf um die rechte Religion opfert, dem ist ein Platz im Paradies sicher. Angesichts des göttlichen Lohns, den man den Söldnern verspricht, zählt der Tod wenig. "Sancta Maria" lautet der Schlachtruf, mit dem die Männer in den Kampf ziehen.

 

Am Morgen des 8. November entbrennt auf dem Weißen Berg (Bila Hora) der Kampf gegen das böhmische Ständeheer. In nur einer einzigen Stunde erringen die Glaubenskämpfer des Kaisers einen heroischen Sieg über die Rebellen. Die lassen sich zerstreuen und auseinander jagen wie eine Horde ohne Disziplin und Kampfesmut. Zu erneutem Widerstand sollten die Geschlagenen nicht fähig sein. Militärisch hätte der Krieg hier ein Ende finden können.

 

Prag ist nach der Schlacht am Weißen Berg wieder fest in der Hand des katholischen Kaisers. Albrecht von Wallenstein wird - dank seiner Kürassiere - zum militärischen Befehlshaber der Stadt und zum Herzog ernannt. Am Fuß des Hradschin macht er ein ganzes Viertel dem Erdboden gleich. Für einen Palast, in dem er prächtiger leben will, als die gekrönten Häupter des Abendlandes.

Zweiter Gewinner der ersten Schlacht ist Maximilian von Bayern. Als Lohn erhält er die protestantische Pfalz. Mit einer Urkunde besiegelt der Kaiser sein geheimes Versprechen und belehnt Maximilian mit der pfälzischen Kur. Er habe das Heer der Rebellen "durch Verleyhung Göttlicher Gnaden und Beistand obsiegt". Maximilians Belehnung zerstört das Gleichgewicht zwischen protestantischen und katholischen Kräften, trägt den Krieg ins Herz des Reiches.

Bild: Kloster am Weißen Berg- erinnert an die Auseinandersetzung der Schlacht Lage: Rechts an der Ausfahrtstraße von Prag in Richtung Karlsbad/ Autobahn Pilsen.

 

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