Vaclav Havel in memoriam

„Wahrheit und Liebe müssen über Lüge und Hass siegen“.

in Memoriam Vaclav Havel

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht. Hope is not the conviction that something will turn out well but the certainty that something makes sense, regardless of how it turns out.”   Vaclav Havel

Biografische Daten

Václav Havel * 5. Oktober 1936 in Prag; † 18. Dezember 2011 in Vlčice- Hrádeček, Okres Trutnov) war ein tschechischer Schriftsteller und Politiker, aber auch Philosoph. Havel ist 75 Jahre alt geworden, er ist also in die Erste Republik hineingeboren worden und hat zumindest als Kind eine andere Welt als den Kommunismus erlebt. Seine Familie war in der Ersten Tschechoslowakischen Republik sehr verwurzelt. Während der Herrschaft der kommunistischen Partei zählte er zu führenden Regimekritikern der Tschechoslowakei: Mit- Initiator der Charta 77. Wegbereiter der deutsch-tschechischen Aussöhnung. Nach der Samtenen Revolution, an der er wesentlich beteiligt war, war er von 1989 bis 1992 Präsident der Tschechoslowakei. Ein zweites Mal von 1993 bis 2003 Präsident der Tschechischen Republik. Havel entstammte einer einflussreichen Prager Großbürgerfamilie. Sein gleichnamiger Großvater ließ unter anderem den berühmten Lucerna-Vergnügungskomplex am Prager Wenzelsplatz, sein Onkel die Prager Filmstudios Barrandov erbauen.

Mehr Infos: http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/HavelVaclav/index.html

Europa hat einen großartiger Menschen, bedeutenden Humanisten und großer Europäer verloren. Havel unterstützte die europäische Einheit, hier wusste er sein Volk gut aufgehoben. Seine Maxime: Frieden, Freiheit und Menschenrechte Er ist kein Produkt eines Parteiapparates . Havel war eine Schlüsselfigur der antikomunistischen Oposition und nach der Samtenen Revolution auch der jungen Demokratie in der Tschechoslowakei. Havel stand ein für seine Überzeugungen - selbst, als er als Dissident über Jahre im Gefängnis war. Er hat wie kein anderer die samtene Revolution in der damaligen Tschechoslowakei vorangetrieben und den friedvollen Verlauf durch sein Charisma persönlich geprägt. Von Anfang an war er für die Aussöhnung zwischen Tschechen und Deutschen.

 

Zehntausende Menschen begleiteten den Trauerzug durch die Prager Innenstadt und gaben so dem ehemaligen Politiker, Dissidenten und weltweit anerkannten Dramatiker das letzte Geleit. Der Trauerzug mit Havels Sarg begab sich am Morgen von der Altstadt, wo der Sarg seit Montag in einer früheren Kirche aufgebahrt war, über die Karlsbrücke bis hinauf zur Prager Burg. Das war einst der Krönungsweg der Böhmischen Könige. Eine Ehrengarde von 200 Soldaten begleitete den Sarg in langsamem Schritt. Die Trauerfeierlichkeiten wurden im Wladislaw-Saal der Prager Burg fortgesetzt. Am Freitag vor Weihnachten zelebrierte  Erzbischof Dominik Duka im Veitsdom die katholische Trauerfeier. Staatsgäste aus der ganzen Welt nahmen daran teil.

 

Stimmen anlässlich seines Todes

Außenminister Karel Schwarzenberg: Vaclav Havel ist der „bedeutendste Tscheche des 20. Jahrhunderts.“

 

Ivan Havel, der jüngere Bruder des Ex-Präsidenten: „Er konnte Menschen sehr gut einschätzen. Schon nach ziemlich kurzer Verhandlungszeit wusste er, was er von ihnen zu erwarten hat. Das war dann auch sein großes Plus in der Politik, dass er mit ihnen so umgegangen ist, wie sie es verdient haben“

Der ehemaliger Außenminister Cyril Svoboda: „In der Welt gibt es nicht nur Idealisten, aber Václav Havel war einer von ihnen. Das heißt, er kämpfte auch gegen Dinge, ohne zu wissen, ob er den Kampf gewinnen und die Dinge verändern konnte. Und das ist das Sympathische an ihm. Wir leben in einer Welt der kühlen Rechner, jeder kalkuliert seinen Erfolg. Václav Havel aber kämpfte für die Gerechtigkeit auch ohne dabei einen Erfolg zu erwarten. Und letztlich lebte er damit, dass ein solcher Erfolg nie eintrat.“

 

Richard von Weizsäcker, deutscher Ex Bundeskanzler: „In meinen Augen haben die Deutschen Václav Havel viel zu verdanken. Er hat von Anfang an alle persönlichen Anstrengungen unternommen, um das Verhältnis unserer beiden Länder zu entkrampfen. Nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt reiste Havel beispielsweise nach Deutschland. Und zwar nicht irgendwohin nach Deutschland, sondern nach München, an den Ort, an dem Hitler 1938 mit der Hilfe der Westmächte das Ende der Tschechoslowakei eingeläutet hat. Danach lud er Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum Gegenbesuch auf die Prager Burg ein. Dafür wählte er auch keinen beliebigen Tag, sondern den 15. März. Das war das Datum, an dem Hitler 1939 in Prag den Hradschin und die Burg in Besitz genommen hatte. Bei diesem Besuch hielt Havel jene Rede, die man durchaus als Wendepunkt der deutsch-tschechischen Beziehungen in den letzten Jahrzehnten bezeichnen könnte. Er fand klare Worte, auch für das Schicksal der Vertriebenen und das Leid und Unrecht, das ihnen angetan wurde. Ich glaube, mit Gesten wie dieser wurde Havel zum Architekten der deutsch-tschechischen Aussöhnung.“

 

US-Chefdiplomatin Madeleine Albright, die in Prag geboren ist: „Havel ist  einer der meist respektierten Männer der Welt gewesen, den ich  nie vergessen werde.“