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Leonce und Lena bezauberten

Büchners Komödie in einer temporeichen und witzigen Inszenierung am GMG


Fotos von der Aufführung Amberg. Georg Büchners Komödie "Leonce und Lena" benutzt die Geschichte zweier Königskinder, die sich gegen eine Zwangsheirat wehren, um gleichzeitig die deutsche Kleinstaaterei im 19. Jahrhundert und die dazu passende Engstirnigkeit der Herrschenden und Beherrschten aufs Korn zu nehmen. Die Theatergruppe des Gregor-Mendel-Gymnasiums unter der Leitung von Simone Mertel und Christoph Althaus verzauberte die zahlreichen Zuschauer mit einer temporeichen, gewitzten und witzigen Inszenierung.

Da ist zunächst der Prinz Leonce, der sich vor lauter Langeweile zu einem sarkastischen Snob entwickelt hat: Michael Hofmann spielte ihn so, dass man spürte, wie ihn die alberne Welt nicht nur langweilt, sondern anekelt - dagegen kommt nicht einmal seine reizende Freundin Rosetta an (mit einer beeindruckenden Gesangseinlage: Delia Richter). So richtig in Schwung bringt ihn erst der Hallodri Valerio - und dafür war Johanna Foitzik genau die passende Besetzung. Mit ihrer burschikosen, unverblümten Art traf sie den richtigen Ton und wirbelte nicht nur den Prinzen auf der Bühne herum, sondern brachte auch Büchners vertrackte Wortspiele effektvoll zur Geltung. Die Melancholie des Prinzen wird sehr verständlich, wenn man sich den Vater, König Peter, betrachtet. Anastasia Loktev gab ihm - in Lockenperücke und Blümchenmantel - das ihm zustehende Maß an Vertrotteltheit, mit dem auch der Hofstaat gesegnet ist obwohl man es da nicht so genau weiß; vielleicht sind der Hofmeister, der Zeremonienmeister und der Präsident des Staatsrats (Sophie Spies, Sabine Popov und Afra Spies in würdevoller Ergebenheit) eigentlich gescheit und ertragen nur mit Engelsgeduld die Narreteien der Adelsherrschaft? Jedenfalls bricht Leonce zusammen mit Valerio aus dem goldenen Käfig aus, als er erfährt, dass er heiraten und den Thron übernehmen soll.

Wodurch das Ganze bald auf ein absehbares Happy End zusteuert, ist die Flucht der Prinzessin Lena aus ihrem fernen Land, da sie einem ihr unbekannten Prinzen namens Leonce vermählt werden soll. Kein Wunder, dass Leonce sich auf einen Schlag in Lena verliebt, als sie sich bald darauf inkognito treffen: Daya Hurley verkörperte die bezaubernde Prinzessin von Kopf bis Fuß, und ihre volle, tragende Stimme rundete die edle Erscheinung ab. Gut, dass sie eine resolute Gouvernante bei sich hat, die aufdringliche Verehrer erst einmal abwehrt (Katharina Teiluf wusste sich zu behaupten).

Viele wirkungsvoll gestaltete Einzelheiten wären noch zu erwähnen, so die liebenswürdig-oberpfälzischen Grenzbeamten (Jannik Gawlista und Philipp Rupprecht), die wackeren Bauern, die zur Hochzeit Spalier stehen (Christian Franz, Sebastian Erras, Dominik Neumann, Michael Augsberger, Fabian Schiml und Philipp Rupprecht) oder die flotten, aber effektvollen Szenenwechsel durch den Austausch des Teppichs (Wiese, Thronsaal, Gasthaus ); Marina Eibl und Judith Mittag als Landrat und Schulmeister komplettierten das Ensemble.

Ehe man sich's versah, war das Stück schon wieder aus: die Heirat gestiftet, das Schlaraffenland mit Valerio als Minister in greifbarer Nähe - und das Publikum aufs beste unterhalten.

Peter Ringeisen



Amberger Zeitung
Mittelbayerische Zeitung (Vilstalausgabe)