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"Diener, Diebe, Dilettanten: Ein Abend voller Missverständnisse"

Kurzweiliger und vielseitiger Theaterabend am DJD-Gymnasium


Fotos von der Aufführung Amberg. "Is this seat taken?" (Ist dieser Platz noch frei?) lautete nicht nur die Frage der zahlreichen Gäste im festlichen Gerhardinger-Saal der Dr.-Johanna-Decker-Schule. Es war gleichzeitig auch der Titel der ersten von vier Spielszenen, die die 16 Schülerinnen aus der 10. bis 12. Jahrgangsstufe an diesem Abend zum Besten gaben. Bei diesem Pottpüree handelte es sich wie Spielleiter Peter Ringeisen zu Beginn ankündigte um eine "heiter bis wolkige" Mischung unter Verwendung von Texten von Alan Ayckbourn, Harold Pinter und Dario Fo. Besonders originell an dieser Komposition: Zwei der Szenen wurden von den Schülerinnen in englischer Sprache aufgeführt - eine Herausforderung, die die Akteurinnen bravourös und fehlerfrei bewältigten.

Das Thema des Abends lautete "Diener, Diebe und Dilettanten - oder: Ein Abend voller Missverständnisse", und bereits in der ersten Szene wurde diese Problematik deutlich. Fünf Besucher eines Parks, die scheinbar nur Ruhe suchen und dem Alltag entfliehen wollen, werden abwechselnd von ihrem Banknachbarn belästigt oder fallen ihrerseits einem anderen zur Last. Julia Graubmann, Carina Engelbrecht, Kristin Grüneich, Astrid Ringeisen und Andrea Weber spielten die extrem unterschiedlichen Charaktere - von der punkigen Freundin eines Schlägers bis zur schrulligen Hundebesitzerin - mit großer Überzeugungskraft und Engagement.

"Der Speiseaufzug" war zentrales Thema im zweiten Kurzstück des Abends. Hier konnte man zwei Auftragskillern beim Warten auf Godot, nein, Wilson, nein, ihr nächstes Opfer zusehen. Das anspruchsvolle, teils recht skurrile Zweimannstück nach Pinter forderte von den beiden Darstellerinnen vollste Konzentration - und weckte bei den Zuschauern größte Spannung. Wer steckt wohl am anderen Ende des Aufzugs? Wer würde das unglückliche nächste Opfer sein? Wird es am Ende doch Tee geben? Während der dienstältere Ben (Angelika Amann) den erfahrenen Kopf des Zweiergespanns mit gereizter Überlegenheit darstellt, verkörpert Gus (Anne Schleicher) mit ausgesprochen ausdrucksstarker Gestik den naiven Juniorpartner, der mit Hingabe seinem Hefezopf nachtrauert. Ach ja, und Tee gab es leider keinen.

In "Don't you remember?" spielten Ellen Heuberger und Judith Seel ein Ehepaar, das in Erinnerung an ihre erste Begegnung schwelgt - nur um festzustellen, dass sich diese Erinnerungen stark voneinander unterscheiden. Auch diese beiden Schülerinnen zeigten einen sicheren, überzeugenden Umgang mit dem englischsprachigen Text.

Schluss- und Höhepunkt aller Missverständnisse bildete die vierte Szene, ein amüsantes Ganovenstück mit höchster Verwechslungsgefahr. Susanne Irmer, Mareike Siebe, Elke Spießlbauer, Claudia Hannes, Christina Dobmeier, Simone Witetschek und Anna Kaltenbrunner treffen nach- und durcheinander auf dem Schauplatz des Verbrechens einem dilettantischen Einbruch ein. Hier werden Ehepartner, Geliebte und Berufe gewechselt wie Hemden (oder Pyjamas). Betrogen wird am Ende eigentlich jeder, sei es von seinem Ehepartner oder um seine Diebesbeute. Nur der Zuschauer gewinnt nämlich einen ausgesprochen kurzweiligen und vielseitigen Abend. Vielen Dank!

Claudia Ried



Amberger Zeitung am 11. April 2006