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Der Unterricht im Wandel der Jahrzehnte

Realschüler entführen zum Auftakt der Schultheatertage in die Klassenzimmer vergangener Tage Quirlige Revue


Amberg. Mit einer mitreißenden, quirligen Revue eröffnete die staatliche Realschule die Amberger Schulspieltage 2006. Der Schulalltag in den 50ern wurde dabei in Szenen dem der 70er und 80er Jahre gegenübergestellt. Umrahmt wurde das Ganze durch musikalische Beiträge der Schulband.

Bewundernswert war schon einmal, dass etwa 40 Schülerinnen und Schüler mitwirkten, denn für jeden Schulspielleiter stellt eine so große Zahl schon allein wegen der Gruppenchoreographie eine Herausforderung dar. Erfahrungsgemäß möchte nämlich auch fast jeder, der auf der Bühne steht, eine Hauptrolle spielen. Hinzu kam, dass zusätzlich einige Lehrer, durchwegs in ihrer Rolle als Lehrer - freilich meist mit einer Marotte behaftet - auf der Bühne standen. Sie sollten wohl auch den Spielern etwas vom Lampenfieber nehmen, ihnen Sicherheit geben, denn Aufregung spürte man bei niemandem, vielleicht nur bei der Regisseurin und Verfasserin des Stücks, Bettina Arens-Cakir.

Dem Kritiker hat besonders gefallen, dass alle Mitwirkenden so eingesetzt waren, dass sie ihre Fähigkeiten voll ausspielen konnten. Damit wurde der pädagogische Zweck des Schultheaters voll erreicht, die Aufführung genügte aber auch theaterästhetischen Ansprüchen. Die Beleuchtung, die Nutzung des Raums, die Kostümwahl, aber auch die Frisuren - hier zeigten Schülermütter, dass sie Profis sind - überzeugten. Überraschend gut waren auch Sänger und Sängerin, die Schulband. Alle sind an ihrer Aufgabe "gewachsen".

Zur Darstellung der Unterrichtssituation früher wurde eine Marionettenpantomime gewählt. Der Lehrer hatte die Fäden in der Hand, bis sich anfangs der 70er die Schüler aus dieser "Knechtschaft" befreiten. Mit "We don't need no education", aber auch mit einer Schülerdemonstration, wurde diese Zeit charakterisiert.

Ob das wirklich nur zum Besten war, wenn Lehrer sich duzen ließen ("Sagt einfach Gerhild zu mir ..."), lässt das Stück offen. Aus der Tatsache, dass Unterricht dann als Parodie auf die Fernsehgewinnshows endet, bei denen man mit minimalen Kenntnissen viel gewinnt, kann man wohl schließen, dass diese "Befreiung" allein nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Lernen kostet eben doch Mühe. Vergisst man dies, endet man vielleicht wie "Max und Murdag", das türkische Gegenstück zu den Figuren von Wilhelm Busch, die eine Zeitmaschine plötzlich auf die Bühne beamte. Zumindest mit ihrem RAP konnten sie doch überzeugen.

Nach all dem Lob das "Aber": Sicher hätte man an der Gruppenchoreographie noch etwas arbeiten können ... auch die Geschichte "Warum Mama allein schuld an der Fünf in Mathe ist ..." konnten wohl so richtig nur die Zuschauer genießen, welche die Märchendiskussion um Bettelheim noch im Hinterkopf hatten.

Das "Cabaret" hat gefallen, die Deutung, dass das "Leben einem Cabaret" (exzellent die Chansonette und die Cancan-Tänzerinnen) gleiche, hat das Stück bewiesen. Ob Schule nicht eher einem "Kasperltheater" ähnle, wie der Chef der Schule in seiner Begrüßungsrede fragte, mag ich hier nicht beantworten. Zu überlegen bliebe dann aber: Wer ist der Kasperl, wer der Seppel und wer das Krokodil?

Johann Ott



Amberger Zeitung am 29. März 2006