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Wenn das Käuzchen ruft …

Für den Fall, dass es jemand noch nicht gelesen hat – die Glosse auf der Titelseite der aktuellen SZ-Wochenendbeilage (10./11. Jan. 2009) ist ein höchst amüsanter Text aus der Feder von Dr. Georg Ringsgwandl, dem “Valentin des Rock’n ‘Roll”, wie ihn die ZEIT einmal nannte. Er trägt den Titel “Angriff der Käuze” und behandelt sprachlich gewitzt und in logischer Argumentation das Phänomen der Sprachhuberei, die die “Sprachschuhplattler” aus dem “Haus der Deutschen Sprache” betreiben.
Dort werden putzige Empfehlungen zur Bekämpfung der Anglizismuswut gegeben:

Wir sollen künftig Klapprechner sagen statt Laptop, Prallkissen statt Airbag, meuten statt mobben, und wenn dich die Pubertät heimsucht, sollst du auf keinen Fall chatten, sondern netzplaudern.

Ringsgwandl ist sich dann nicht recht klar, an wen sich diese Appelle nun eigentlich richten:

Man fragt sich nun, welche Zielgruppe diese Sprachwächter im Visier haben. Es können ja nur die sein, die bekehrbar sind zum manierlichen Deutsch. Die brauchen aber keine Nachhilfe mehr, sie kaufen schon seit Jahren die freundlich geschriebenen Sprachverbesserungsbücher von Bastian Sick und Epigonen. Bei der Masse derer aber, die bzgl. dass/das-Unterscheidung schmerzfrei sind, pocht der Sprachsittenwächter vergeblich an eine fest verrammelte Tür. Drinnen sitzen Erna und Herbert im Jogginganzug auf dem Sofa und sehen fern.

Was mir auch gut gefällt, ist sein Hinweis darauf, dass nicht die Anglizismen das Hauptproblem in der deutschen Sprache sind, sondern …

Agentur für Arbeit heißt es statt Arbeitsamt, liebe BürgerInnen und Bürger, Gleichstellungsstelle, Genderkompetenz, verhaltenskreative Kinder, Förderschule und so weiter, all dies sind nicht anglizistisch “durchrasste”, aber absolut hinterfotzige Wortklingeleien. Ist diese Art heimtückischer Schönsprech der sprachliche Ausdruck zunehmend geschickterer Ausübung von Herrschaft?
Das wird einem in der Schule so nicht gesagt, aber wenn der Bachelor für Kommunikationswissenschaft hört, wie ihm ein Abteilungsleiter in leisen, wohlgesetzten Worten mitteilt, dass er als Praktikant gerne gratis schuften darf, die festen Stellen aber anderweitig gebraucht werden, lernt der zutrauliche Jungwähler, dass die Beherrschung der Sprache keine Marotte weltfremder Schullehrer ist, sondern eine bewährte Waffe für den Überlebenskampf im modernen Dschungel. Und so schickt der gewiefte Personalchef sprachlich ungelenke BewerberInnen auf die Stellen, wo Nicole putzt und Kevin Regale einräumt. Wahrscheinlich also tun Ehrgeiz und das Gerangel um die besseren Stellen mehr für die Pflege der deutschen Sprache als die Appelle der Deutschbewahrer.

Sein Fazit: Sprache lebt – und wer sie beherrschen will, kann das nicht anders erreichen als durch Interesse für Literatur und anderes geistvolles Geschriebenes. Und er schließt:

In dieser kleinen Realitätsrundschau hoffte ich zu zeigen, dass die Aktion Lebendiges Deutsch schon seit der Völkerwanderung läuft. Also, liebe Sprachwächter, das Haus der Deutschen Sprache kann vom Netz genommen und die Stiftung geschlossen werden.

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