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Mehr Bildung in Blogs

Die Pädagogin Melanie Unbekannt, alias “Literatenmelu”, hat in ihrem Blog dazu aufgerufen, dem Motto “Mehr Bildung in Blogs” gemäß einige Aspekte zu behandeln, die mit der Erinnerung an die eigene Schulzeit, mit damaligem und heutigem Medieneinsatz, mit der Lehrerausbildung und der Rolle des Internets für die Nachhilfe zu tun haben. Da es inzwischen schon mehrere Dutzend Blogger gibt, die dem Aufruf gefolgt sind, habe auch ich mich (wie die meisten) an die vorgegebenen fünf Fragen gehalten; das erleichtert die Vergleichbarkeit.
Dass unter den Teilnehmern sogar Preise verlost werden sollen, finde ich nett – fast noch mehr erstaunt es mich, dass sich dafür sogar Sponsoren gefunden haben. Jedenfalls beeindruckt mich Melanies Energie, und ich gratuliere zum umfangreichen Echo, das ihre Aktion gefunden hat.

1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

An Personen und Situationen, kaum an Inhalte. Ich beschränke mich hier aus Platzgründen auf die Schulzeit am Gymnasium (1967-1976).
Da sind einerseits Erinnerungen an überwiegend liebenswerte Mitschülerinnen und Mitschüler – der Zusammenhalt in unserer Klasse war sehr gut, und wir waren tatsächlich neun Jahre lang eine Klasse, vor der Einführung der Kollegstufe in Bayern. Dazu gehören auch Klassenfahrten, z. B. nach Straßburg (10. Klasse) und nach Rom (Abiturfahrt) und Skiwochen (mehrere Jahre hintereinander, z. T. von Sportlehrer W.-D. P. in den Weihnachtsferien privat organisiert).

Andererseits Erinnerungen an Lehrkräfte und ihre Unterrichtsmethoden. Neben dem schon erwähnten Sportlehrer sind mir im Gedächtnis: unser Deutsch- und Geschichtslehrer E. P., der gelassen und doch hellwach stets hinterm Pult saß und uns durch seine lebendige und anschauliche Sprechweise bei der Sache hielt – Frontalunterricht im besten Sinne; unser Mathematiklehrer H., den wir im ersten Jahr für schrecklich streng hielten und im dritten Jahr schätzten und verehrten (Mathe-Vorabitur in der 12. Klasse); und nicht zuletzt, dies vor allem beachtlich durch die lange Zeit dazwischen, unseren Lehrer L. H. – Deutsch und Latein in der 5./6. Klasse -, der durch seine logische Vorgehensweise, seine einleuchtenden Erklärungen und seine energische und humorvolle Art mich so sehr beeindruckte, dass ich ihm noch Briefe schrieb, als er kurze Zeit später an einer Schule weit weg unterrichtete (er kam ein paar Jahre darauf als Direktor zurück, und wieder ein paar Jahre später leitete er die Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen). Oh, und natürlich unsere Französisch- (und Englisch-)Lehrerin, Mme. E. H., die ich wegen ihrer (für meine Ohren) makellosen Aussprache bewunderte und für ihr Engagement, mit dem sie uns die Sprache(n) beibrachte.

Ich ging gern in die Schule – je älter ich wurde, desto lieber. An besondere methodische Highlights kann ich mich nicht erinnern, die Tafel war bei manchen Lehrkräften das einzige Hilfsmittel, andere bevorzugten hektographierte Blätter (vervielfältigt durch Umdruck von einer Spiritusmatrize).

2. Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Als Grundschüler: In den ersten beiden Jahren Schiefertafel und Griffel, später Hefte; Bild- und Wortkärtchen zum Lesenlernen, Bücher; die Lehrerinnen nutzten Wandtafel und Kreide.

Im Gymnasium schrieb ich in Hefte, später (etwa ab der 9. Klasse) auch in Ringbücher, wo ebenfalls die bereits erwähnten Hektographien und später die Fotokopien landeten.
Overhead-Projektoren waren selten und wertvoll. Im Biologie-Saal hatte man ein ganz besonderes Gerät, nämlich ein Episkop, das es ermöglichte, faszinierende Abbildungen in Büchern vergrößert an die Wand zu werfen (wurde in meiner Schulzeit vielleicht fünfmal verwendet?). – Natürlich gab es ab und zu Dia-Vorführungen, vorwiegend in Erdkunde und Geschichte. Etwa zwei- bis dreimal im Jahr wurde ein Film gezeigt (in der Unterstufe, soweit ich mich erinnere, gar nicht) – auch dies hauptsächlich in den Naturwissenschaften. Einmal, in der zwölften Klasse, hatten die Deutschlehrer das örtliche Kino gemietet, um die Faust-Verfilmung mit Gustav Gründgens vorführen zu lassen; epochales Ereignis.
Tägliches Brot waren Schulbücher und Tafelanschriften.

Selbst genutzt als Lehrer: Ebenfalls Schulbücher und Tafelanschriften, Overhead-Folien (eher selten), Powerpoint- oder Prezi-Präsentationen (auch selten), Audio-Material von Lehrwerks-CDs und von eigenen Quellen, Ausschnitte aus Filmen (DVD), Blogs, Webquests.

3. Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?

Dringend: Verzicht auf die unrealistische und entwürdigende Forderung nach makellosen Funkelglanzvorführstunden in Lehrproben, Orientierung am Unterrichtsalltag – der muss dafür aber gründlich und solide den Referendaren erst einmal erklärt und beigebracht werden, bevor man sie darin benotet.

Seminarlehrer sollten ihr Amt nicht auf ewig ausüben, sondern sich, etwa alle zehn Jahre, einem Aktualitäts-Check unterziehen.

4. Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?

Blogs: Setze ich seit einigen Jahren bei meinen Kursen in der Oberstufe ein (z. B. hier und hier), hauptsächlich angeregt durch einen Blog, den Herr Rau für seinen Deutsch-LK angelegt hatte.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die regelmäßige aktive Teilnahme daran sehr unterschiedlich ist. Eine grundsätzliche Technik- und Internet-Affinität muss schon da sein, ebenso wie die Bereitschaft, für den Erfolg des Blogs tatsächlich Arbeit zu investieren. Wenn beides fehlt, kann eine Schülerin von einem Unterrichtsblog nichts profitieren.

Wiki: Noch nicht versucht – vermute, es ist ähnlich wie mit Blogs.

Podcast: Ab Februar beginnt die Praxis-Phase meines P-Seminars (G8-Oberstufe/Bayern), in dem ich mit den Schülerinnen eine Podcast-Reihe zu landeskundlichen Themen im Englischunterricht der 8. Jahrgangsstufe erstellen werde – ich bin schon gespannt: deckerpod.

5. Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Ergänzend können sie sicher hilfreich sein. Da Nachhilfe aber nach meinem Verständnis ein Element der persönlichen Zuwendung haben sollte, denke ich nicht, dass Online-Angebote sie ersetzen können.

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