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Christian Spannagels Festival der ITG

Die 8. Woche des OpenCourse “Zukunft des Lernens” stand unter dem Motto “Lernen kann doch jeder, oder? Über Kompetenzen und Bildung”.

Der Experte in der Video-Session war Prof. Dr. Christian Spannagel, der Professor für Mathematik und Mathematikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und Leiter des dortigen Instituts für Datenverarbeitung/Informatik ist. Wir sind uns zwar persönlich noch nicht begegnet, und doch meine ich, ihn ein wenig zu kennen – nicht nur durch über zwei Jahre Kontakt via Twitter und Blogartikel und -kommentare, sondern auch durch die Videos (etliche davon von Lutz Berger produziert) und Projekte, die im Zusammenhang mit “Lernen durch Lehren” entstanden sind, u. a. die “Maschendraht-Community” und die “Bildungsexpedition Deutschland”. Dabei war der erste Eindruck von der äußeren Erscheinung zunächst überraschend, da Christian Spannagel dem optischen Durchschnittsbild eines Mathe-Professors so gar nicht entspricht – doch wenn man auf seine begeisterte und sachlich kompetente Art eingeht, die beispielsweise in diesem Video vom educamp 2009 deutlich wird, treten Äußerlichkeiten schnell in den Hintergrund; und man kann sich vorstellen, dass die Heidelberger Studenten schon wissen, was sie an ihm haben, wenn man sich ansieht, wie er die Gaußsche Summenformel erklärt.

Durch die Vertrautheit mit Christian Spannagels Erscheinung war es für mich auch keine Überraschung, dass er mit einem witzigen Foto (vom kurz davor besuchten Wave-Gothic-Treffen in Leipzig) in seinem Blog auf das “Festival der Informationstechnischen Grundbildung” einlud, das in der Form einer “massiven synchronen Online-Kollaboration” stattfinden sollte – allerdings auf der Basis einer vorbereitenden Diskussion auf jeweils einem Unterthema gewidmeten Etherpads. Bevor ich zum Inhaltlichen komme, zuerst noch eine Anmerkung dazu, warum ich überhaupt über Christians Äußeres Bezug nehme: Die Anregung dazu kam von “daspi”, der in seinem Blog “LEhRNEN” über die Einlassung dazu von Sabine Hueber in ihrem Blog “designeon” schreibt.

Endlich zum Inhalt: Ich hatte mich im Vorfeld für die Frage interessiert, ob die Medienkompetenz der Schüler in einem eigenen Fach gestärkt werden soll oder ob die Beschäftigung mit diesen Dingen als Teil des Fachunterrichts, also integriert in die einzelnen Fächer, geschehen soll. Die im Etherpad geleistete Vorarbeit war hier recht umfangreich, vor allem auch durch Walter Böhme, der in seinem Blog das Wesentliche dokumentiert hat.
Die Live-Session bestand dann zu einem Großteil aus der angekündigten “Online-Kollaboration”, bei der etliche Teilnehmer in den sechs verschiedenen Etherpads sowohl im Textbereich (links) als auch im Chat-Fenster (rechts) sich über die inhaltlichen Aspekte austauschten und versuchten, zu einem konsensfähigen Resultat zu kommen. Das war nicht immer ganz einfach, zum Teil aus inhaltlichen Gründen, zum Teil aber auch (anscheinend) wegen der Technik. In meiner Gruppe lief es nach meinem Eindruck relativ gut – die Teilnehmer warteten meist ab, bis im Hauptfenster eine Änderung zu Ende geschrieben war, bevor sie Ergänzungen oder Einwände hinzufügten. Wenn sich einzelne Beiträge kreuzten, so auch im Chat, sorgte das für etwas Irritation, war aber eigentlich kein Problem. Dass es so ähnlich auch mit engagierten Klassen funktionieren kann, habe ich an meiner Schule erlebt.
Mein Fazit, das ich als “Long Tweet” für Twitter nochmals zusammengefasst habe:

Die Mehrheit der Teilnehmer war sich einig, dass die Medienkompetenz nach einem einjährigen Fach-Unterricht, in dem die Grundbegriffe vermittelt werden sollten (Jahrgangsstufe 5), in sämtlichen Fächern verankert gehört. Die Benutzung von Wikis etc. wird mit der Zeit so normal sein wie im vergangenen Jahrhundert das Schreiben in Heften. – Die speziellen Inhalte von Informatik (Geschichte des Computers, Einblick ins Programmieren) sollte nicht für alle verpflichtend sein, sondern kann einerseits als Wahlfach angeboten werden, andererseits (etwa im mathematisch-naturwiss. Zweig eines Gymnasiums oder entsprechenden Schulformen/-ausprägungen) als verpflichtend (8./9. Jahrgangsstufe).

Insgesamt hat mir die Sache gut gefallen, besonders wegen der aktiven Einbeziehung der Teilnehmer. Dass nicht alles technisch einwandfrei geklappt hat, ist zwar schade, aber schmälert den Gesamteindruck für mich nur wenig. – Herzlichen Dank, Christian, für deine umfangreiche Vorbereitung dieses “Festivals”!

Ein ähnlich positives Resüme ziehen u. a. Volkmar Langer und (mit anderer Gewichtung) Florentina Sauerbach.

Ich möchte mit einem Gedicht von Taylor Mali schließen, in dem es darum geht, was sowohl beim Frontalunterricht als auch beim Projektlernen oder selbstgesteuerten Lernen unerlässlich ist: “Undivided attention.” Auch Taylor Mali war zunächst Lehrer, bevor er sich hauptsächlich der Schriftstellerei bzw. der Slam Poetry zuwandte.

Die in diesem Artikel verlinkten Blogs und Videos sind in dieser Bundlr-Übersicht zusammengestellt:
Vils-Postille zu opco11-Woche 8

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