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Web 0.0 – die neuen Idiotae?

In der Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung von heute (8./9. Dez. 2007) behauptet Bernd Graff unter der Ãœberschrift “Web 0.0″ provozierend: “Das Internet verkommt zu einem Debattierclub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten”. Seinen Artikel nennt er im Untertitel: “Ein Plädoyer für eine Wissensgesellschaft mit Verantwortung”.

Was er vor allem anprangert, sind Leute, die das Web 2.0 dazu nutzen, ihre Langeweile zu füllen und dabei beliebig und destruktiv vorgehen: “Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter. Sie erschaffen wenig und machen vieles runter. Diese Diskutanten des Netzes sind der Diskurstod, getrieben von der Lust an Entrüstung.”

Und ein weiteres Element der verbreiteten Lobgesänge auf Web 2.0 wird aufs Korn genommen:

Von einem “Kult der Amateure” spricht Nicholas Carr. Der Journalist hat versucht, die Professionalität gegen die Me-Volution zu verteidigen: “Die ekstatischen Visionen des Web 2.0 setzen die Hegemonie des Amateurs voraus. Ich kann mir nichts vorstellen, was furchterregender wäre“, schreibt er: “Das Internet vermindert unsere Wahlmöglichkeiten, anstatt sie zu erweitern. Die Wikipedia mag neben der Encyclopedia Britannica verblassen, aber weil sie von Amateuren gemacht wird und nicht von Profis, ist sie gratis. Und gratis siegt stets über Qualität.”

Die Kombination mit dem lateinischen Begriff, die die Süddeutsche als Dachzeile verwendet, wird im vorletzten Absatz des ganzseitigen Artikels erläutert:

“Die Menschen”, schreibt Norbert Bolz, “werden immer mehr zu – wie man im Mittelalter sagte – idiotae: also zu eigensinnig Wissenden. Die neuen Idiotae lassen sich ihr Wissen, ihre Interessen und Leidenschaften nicht mehr ausreden.” Mag sein. Verlangt ja auch keiner.
Aber sollen wir uns deshalb von jeder Idiotie in die Zukunft führen lassen?

Insgesamt finde ich den Artikel – abgesehen davon, dass er pointiert geschrieben und gut zu lesen ist – etwas zu pessimistisch. Wer sich im Internet einigermaßen auskennt, weiß schon, worauf er achten sollte, was nach seriösem Inhalt aussieht – und was nicht. Wer allerdings naiv in die Weiten des Netzes ausgeht und dort auf alles klickt, was sich bewegt oder was den Mauszeiger dazu bringt, die Gestalt zu wechseln, der wird bald schlechte Erfahrungen machen. Und wer alles glaubt, was im Internet zu finden ist, dem ist auch nicht zu helfen. (Ich erinnere mich noch gut an eine “Hausaufgaben-Seite”, die ein Referat über Dürrenmatts Besuch der alten Dame anbot, in dem behauptet wurde, Alfred Ill hätte in seiner Jugend das “Klärchen” geheiratet …)

Zum selben Thema in der SZ vom vergangenen Jahr:
Alex Rühle, “Ritter der Schwafelrunde”, Süddeutsche Zeitung (3. Feb. 2006)

Und natürlich gibt es bereits einen Blogbeitrag, der den Web 0.0-Artikel verreißt: “JakBlog” konstatiert bei der SZ eine “von leichter Schizophrenie geprägte Haltung zum Web”, und hauptsächlich wirft der Autor der SZ vor, dass sie zwar einerseits die Beliebigkeit von Internet-Inhalten beklage, andererseits aber in den Bildergalerien und der Werbung auf der SZ-Homepage dieselbe Beliebigkeit praktiziere. Nun ja – das sehe ich nun nicht als gravierendes Problem. Aber das mag jeder halten, wie er will.

Nachtrag:
Einen schönen und gescheiten Blogbeitrag über den Web 0.0-Artikel findet man bei den stets schmackhaften Häppchen der Kaltmamsell.
Sie beginnt so:

Herr Graff von der Süddeutschen (der Text füllte die Titelseite der sonntäglichen Fuilleton-Beilage) nutzt das World Wide Web also dazu, Mist zu lesen, Defätistisches, Poesiealben, Denunziationen, Fehlinformationen, Verächtlichmachung – also all das, was ich nicht anschaue.

Weiterlesen lohnt sich.

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