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LdL: Lernen durch Lehren - im MOOC

Am 9. Mai 2014 begann der #ldlmooc, der von Marc Schakinnis organisiert wurde, also ein “Massive Open Online Course” über die Unterrichtsmethode “Lernen durch Lehren”, die vom inzwischen emeritierten Eichstädter Französisch-Didaktiker Prof. Dr. Jean-Pol Martin entwickelt, erforscht und dokumentiert wurde. Das LDLMOOC-Blog befindet sich hier: ldlmooc: Das Blog, und das Blog von Jean-Pol Martin da: Jean-Pol Martins Weblog.

Der MOOC wurde strukturiert durch wöchentliche Hangouts (verlinkt im ldlmooc-Blog) sowie Wochen-Aufgaben (dto.). Ganz wesentlich geprägt wurde die Veranstaltung durch die Teilnahme, Ko-Moderation und Energie des Experten schlechthin, nämlich Jean-Pol Martin selbst. Er stand bei den Hangouts zur Verfügung, war stets als Ansprechpartner bei Fragen im Blog, auf Facebook und auf Twitter bereit, alles zu erklären, was die anderen Teilnehmer wissen wollten.

Sehr erfreulich war auch die Teilnahme von Laura Cau, die selbst als Schülerin von Martin am Eichstädter Gymnasium seinen LdL-Unterricht erlebt und erfahren hat, und die nun ihrerseits als Lehrerin (zur Zeit im Referendariat) diese Unterrichtsmethode praktiziert. Sie ist sozusagen der lebende Beweis (genauer gesagt: einer von vielen) dafür, dass LdL nicht nur vom Entwickler der Methode durchgeführt werden kann, sondern auch von anderen engagierten Lehrkräften.

Bei den Wochenaufgaben ging es – nach LdL-Prinzip – darum, lehrend sich gegenseitig beizubringen, wie LdL funktioniert, und dabei bzw. bei den Vorbereitungen dazu selbst zu lernen, wie es geht.

  1. Woche 1: Was ist LdL?
  2. Woche 2: Stelle ein spannendes Thema für eine begrenzte LdL-Unterrichtseinheit vor. Dabei soll der Stoff noch als undidaktisierte Stoffsammlung dargestellt werden.
  3. Woche 3: Erstelle ein YouTube-Video, das es einem Lehrer ermöglicht, zusammen mit der Stoffsammlung aus Woche 2 eine LdL-Einheit zu unterrichten.
  4. Woche 4: Erstelle eine Peer-Review eines von einem anderen Teilnehmer erstellten Videos in Woche 3.
  5. Woche 5: Nachholwoche für noch nicht eingereichte Wochenaufgaben
  6. Woche 6: Zusammenfassung der eigenen Leistungen im Rahmen des MOOC und Feedback über die Veranstaltung

Für mich persönlich war die Teilnahme am ldlmooc sehr gewinnbringend, da er mir den Anstoß gab, einen neuen Versuch mit LdL in einer meiner Klassen zu machen. Ich hatte vor ca. 15 Jahren bereits mit LdL gearbeitet, allerdings war meine Kenntnis der Methode und der dahinter stehenden Theorie noch etwas oberflächlich (vgl. Mindmap von 2000). Da ich seither die Aktivitäten Jean-Pol Martins über das Internet verfolge (Twitter, Facebook), habe ich einen wesentlich besseren Eindruck davon gewonnen, wie LdL bei ihm im Unterricht ablief, unter anderem durch die Videos, die mit einer Studentengruppe um Prof. Dr. Christian Spannagel von Lutz Berger produziert und ins Netz gestellt wurden:

Nun habe ich den Englischunterricht in einer 9. Klasse Gymnasium in den letzten Unterrichtswochen des Schuljahrs auf LdL umgestellt, und die Schülerinnen sind bisher sehr motiviert. Vor allem plane ich, den Englischunterricht der Q-Phase in Zukunft nach dem LdL-Prinzip zu gestalten.

Meine für die Wochen-Aufgaben 2/3 erstellte Unterrichtseinheit ist ein Beispiel dafür, wie das in einer Q11 oder auch Q12 aussehen könnte:

Die wesentlichen Gedanken, auf denen “Lernen durch Lehren” beruht, hat Jean-Pol Martin in einem Aufsatz 2009 zusammengefasst, der auf Wikiversity zugänglich ist: “Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität”. Da die wenig formatierten Einträge der Wikiversity durch ihren breiten Spiegel nicht besonders lesefreundlich gestaltet sind – und um mir selbst klarzumachen, was in diesem Aufsatz drinsteckt -, habe ich dazu eine Visualisierung auf Prezi erstellt:

Nochmals zurück zum MOOC: Ob das “M” für “massive” tatsächlich gerechtfertigt ist, sei dahingestellt – aber es geht ja im Wesentlichen nicht um die Anzahl der Teilnehmer, sondern “MOOC” ist eine Bezeichnung für das Format. Für die Interaktion zwischen den Teilnehmern war es wohl eher günstig, dass es eine überschaubare Zahl war, die sich aktiv beteiligte. Eine sehr schöne Bereicherung waren die Hangouts, die das Ganze persönlicher und nachvollziehbarer machten, dabei auch die erfrischende Art von Monika König, die sich bereit erklärte, als “Twitterfee” sich immer wieder einzuschalten und Fragen aus Twitter an die Hangout-Beteiligten weiterzugeben.
Der Hangout der 4. Woche zeigte, wie LdL auch an der Universität eingesetzt werden kann, wie Prof. Dr. Hans-Joachim Jürgens anschaulich erklärte.

Herzlichen Dank an alle Beteiligten!

Nachtrag:
Dankbar bin ich auch Philippe Wampfler und Martin Lindner für einige kritische Anmerkungen und einen Meinungsaustausch über LdL in der FB-Gruppe des LDLMOOC; dadurch hat sich manches auch für mich geklärt. Beide halten LdL (mit etwas unterschiedlichem Ansatz) für nicht “ideal”, aber Martin Lindner stellte fest: “Was ich an LdL gut finde, ist gerade der abgebrüht-pragmatische Aspekt: Man kann das hier, jetzt und sofort innerhalb des vorgegebenen Settings machen, weil man dessen Struktur aufgreift” (FB-Gruppe “Lernen durch Lehren”, 31. Mai 2014, 22:17). Diese Einschätzung ist mir sehr sympathisch.

2 comments to LdL: Lernen durch Lehren – im MOOC

  • Dein Artikel fasst den Verlauf des ldlmooc gut zusammen.

    Vielleicht war es sogar gut, dass es nicht so viele Teilnehmer gab. So kommt man gut ins Gespräch und hat einen guten Überblick über das, was passiert ist.

  • Marion Meyerolbersleben

    Danke für die schöne Zusammenfassung! Ich fand es auch sehr schön, dass es nicht so viele Teilnehmer gab. Wie Marco schon schrieb, man behält besser den Überblick. Für mich persönlich war dieser Mooc eine große Bereicherung und wird mich wohl noch eine ganze Weile theoretisch und praktisch beschäftigen.