Die Tatsache, dass ein Artikel über Dolly Partons Freizeitpark “Dollywood” in der bayerischen Abiturprüfung für den Leistungskurs Englisch analysiert werden konnte/sollte (zur Auswahl außerdem: ein Ausschnitt aus einer Kurzgeschichte, macht die Lektüre dieses Artikels aus der aktuellen New York Times nicht nur zur Pflicht, sondern geradezu zum Vergnügen. Der Autor der Rezension eines Auftritts von Dolly Parton in der Radio City Music Hall, Ben Ratliff, beginnt so:
It’s a good thing that Dolly Parton has written songs about her Smoky Mountain homeland, and that she can flash pictures of the house and the landscape in her shows. It gave a pleasant frame to her show at Radio City Music Hall on Thursday. Love your home, love your country.
But it masks her more subversive message: Nothing is as it seems. Between the songs and her nonstop patter — she is an assassin of dead air — the show was a seminar on the peril of accepting received wisdom, whether the subject was drag queens, the rural poor, working stiffs, politicians, Pentecostalists, young media stars or bosomy women. She granted pretty much everybody a complex interior life, and the power of independent thought.
Das ist der positive Teil seiner Besprechung. Im restlichen Text beklagt er, dass Dolly Parton nicht mit dem Herzen bei der Sache sei, wenn sie ihre Lieder vorträgt, was im übrigen auch für ihre Band gelte: “precise and fairly characterless”.
Am Schluss wird darüber spekuliert, ob die Auftritte nicht vielleicht nur der Werbung für ihren im Lauf des Jahres zu erwartenden Film dienten – eine Musical-Fassung des Films “9 to 5″ (cf. “9 to 5″ lyrics; listen to it at songza.com). Und dieser schöne Satz rundet den Artikel ab: “She’s already almost a fiction; a jukebox musical may help complete the transformation”.
Also haben zahlreiche bayerische Prüflinge über einen amerikanischen Mythos geschrieben – ohne es zu wissen. Ich muss meine Prioritäten für den Unterricht im Leistungskurs überdenken.
> listen to it at songza.com
Songza funktioniert bei mir in letzter Zeit leider überhaupt nicht mehr. Es lädt ewig, aber man hört nichts: Sans-Song ;-)
Danke für die Rückmeldung, Jochen – ich habe nun das YouTube-Video davon eingebettet – da sind sogar Untertitel dabei :-)
Hier ist der Originaltext “Dollywood Values” aus dem Economist nachzulesen:
http://www.economist.com/world/na/PrinterFriendly.cfm?story_id=10098973
Danke, Max!
“nicht mit dem Herzen bei der Sache” – wie auch? Aber immerhin mit viel Silikon!
hallo ich werde morgen über diesen text höchstwahrscheinlich ausgefragt oder es gibt ne ex drüber und bin nicht besonders gut in englisch unsere lehrerin ist auch die hölle,kann jem vllt die richtigen lösungen für frage 1 bis 5 schreiben oda auf ne seite weisen??ich weiss eben nicht was richtig wäre weil ich nirgendswo die lösung finde…nur wenn es geht
Dieser Text ist mir auch bekannt, also der mit Dollywood, obwohl ich das Englisch-Abi noch nicht vollbracht habe.
Unser LK-Leiter nahm allerdings trotzdem an, es würde uns interessieren und hat uns den Text präsentiert.
Mir hat Dollywood allein wegen der “apple pies slacked with cream” (oder war es “ice cream”?) gefallen.
Etwas angeödet hat mich allerdings die Tatsache, das man in einen Vergnügungspark eine Kapelle reinbaut und außerdem so patriotischen Summs verkaufen muss.
Nicht so ganz mein Fall.
Die echte Dolly hat mir irgendwie Angst gemacht, die hat mich arg an meine Exlieblings-Barbie namens Shelly erinnert…
Und unter dem Namen Dolly, geprägt durch Enid Blyton und ihre (unter Mädchen meines Alters) wohlbekannte Bücherreihe, habe ich mir immer etwas Jüngeres und Natürlciheres vorgestellt unter der Dolly vorgestellt.
Sie sehen mich in daher in Aufruhr wegen des YouTube Clips.
@Kristin: Das Verb bei den “apple pies” passt nicht so ganz … Einfach mal im Original nachlesen (1. Absatz) – der Link steht im Kommentar Nr. 3 weiter oben ;-) Außerdem sieht man da die hübsche Illustration, die der Economist dem Artikel zur Seite gestellt hat.
Sorry,
das muss natürlich “buried in ice cream” heißen.
Ich sag’s ja, diese apple pies lenken mich ab.
Danke für den Hinweis.
Ich hatte vermutet, dass es eine kleine Verwechslung mit dem schönen Verb in diesem Satz war: “a pile of potatoes slathered in melted cheese”.
Bittesehr :-)
Or what we call in England “Cheesy Chips” !