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Ein Ich hat irgendwie jeder, aber …

Franziska Augstein schreibt in der Süddeutschen Zeitung einen Nachruf Zum Tod von Peter Rühmkorf – Im Vollbesitz seiner Zweifel.
“Ein Ich hat irgendwie jeder, aber die passenden Verse dazu nur einer: Zum Tod des großen Dichters Peter Rühmkorf,” so lautet der Untertitel. Nun muss ich gestehen, dass ich kein Rühmkorf-Spezialist bin. Der Name ist mir aus Lesebüchern geläufig, einige Gedichttitel fallen mir ein … aber das war’s dann schon. Umso lesenswerter ist für mich deshalb dieser Ãœberblick.
Dem Zwischentitel “Der Entmythologisierer” folgt einen Absatz weiter unten diese Passage:

Rühmkorf sammelte Wörter und Reime, so wie er vieles aufhob, was er fand: Steine, Scherben, Zeitungen. Im Gegensatz zu anderen Sammlern ging es ihm nicht ums Haben, sondern um den Gebrauch. “Eigentlich schon als Kind war ich ein Entmythologisierer”, sagte er.

Seine Begeisterung für alte Scherben ging 1969 in einem Theaterstück auf, “Was heisst hier Volsinii? Bewegte Szenen aus dem klassischen Wirtschaftsleben”, das zweimal inszeniert wurde. In Ost-Berlin kam das Stück an, in Düsseldorf konnten die Rezensenten mit seiner Kapitalismuskritik nicht viel anfangen.

Wortmüll gab es für ihn eigentlich nicht. Die Sprache aus der Werbung und dem Börsenteil baute er in poetische Collagen ein. “Wie der Phönix aus den Scherben, oh Vaterland, / Edelstahl platzt in den Nähten, Fette erholt, / Farbe bei lebhaftem Angebot Aufgalopp, Kursgewinn, / Hanomag, hundertprozentige Rheinstahltochter …”

Unter dem Zwischentitel “Immer noch Wut” heißt es:

Das Politische an Rühmkorfs Gedichten ergibt sich nicht daraus, dass er eine Botschaft an den Mann hätte bringen wollen und dafür das passende Reimkleid suchte. Er dachte politisch. In “Tabu II” schrieb er, man habe ihn gefragt, woher er eigentlich immer noch seine Wut beziehe. Seine Antwort: Das sei “ein festes Integral meiner Angst, seit den Nazis tief eingefleischt, und durch Diskussionen allein nicht mehr aus der Welt zu schaffen”.

Der letzte Absatz:

In “Haltbar bis 1992″ sind diese Verse zu lesen: “’N’ ich hat irgendwie jeder, und das ist auch gar nicht so ungewaltig. / Wenn es die Augen zuklappt, / geht die Erde unter, / sind die Sterne aus.”

Interessant auch der Nachruf auf der Website der Deutschen Welle:

… Schreiben hatte für Rühmkorf stehts etwas Magisches: “Das Schreiben ist eine Art Selbstverdoppelung. Man stellt Schatten vor sich her, ein zweites Ich, an dem man sich aufrecht hält. Eigentlich möchte man ein ideales Ich von sich selbst verfassen.” Mit seinem eigentlich ich hatte Rühmkorf hingegen lebenslang zu kämpfen. Zeitlebens hatte er mit Schlafstörungen und heftigen Angstattacken zu kämpfen. Einmal nannte er sich selbst eine “bröckelige Existenz.”

Große Geschichten ohne große Worte

Die Schriftstellerin Ulla Hahn nannte Rümkorf ein großes Vorbild. “Er brauchte keine großen Themen, keine großen Worte, um große Geschichten zu erzählen”. Durch den Tod Rühmkorfs verliere Deutschland “einen Schriftsteller von großer Lebensklugheit, einen Dichter von Rang und einen scharfzüngigen, politisch engagierten Chronisten”, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann.

Auch Spiegel-Online zitiert Ulla Hahn, und zwar mit den Worten: “Rühmkorf konnte wirklich alles.”
Der Stern äußert sich ebenfalls.

Rühmkorf wäre es aber vielleicht lieber, man läse seine Gedichte. Außerdem hören kann man einige davon (von ihm selbst gesprochen) auf lyrikline.org.

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