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“Zukunft des Lernens”: Diagnose und Therapie

Die 6. Woche des OpenCourse “Zukunft des Lernens” (Veranstalter: Dr. Jochen Robes et al.) hatte das Thema “Wo wir heute stehen. Nutzungs- und Lernszenarien”.
Als Referent für den live gestreamten Vortrag der Woche war Prof. Dr. Rolf Schulmeister (Universität Hamburg) vor der Webcam. Schulmeister war auch in den Leseempfehlungen zu diesem Thema schon gut vertreten (vier von neun Titeln), u. a. mit dem Text “Gibt es eine Net Generation?” (PDF) Erweiterte Version 3/Hamburg Dezember 2009). Die Aufzeichnung seines Vortrags (rund 60 Min.) ist online verfügbar.
Da ich zum Live-Termin (Mittwoch, 17-18 Uhr) keine Zeit hatte, habe ich mir die Aufzeichnung des Vortrags zu Gemüte geführt – und musste enttäuscht feststellen, dass es Schulmeister offenbar um nichts weiter ging, als erneut den “Mythos” von der gewieften, in allen Anwendungen und Möglichkeiten des Web2.0 beschlagenen Generation der “Digital Natives” zu zerstören.
In einem “long tweet” habe ich das so zusammengefasst:

.@VolkmarLa Der “Widerspruch”, um den es hier geht (#schulmeister im #opco11 Livestream) resultiert (bei mir und einigen anderen Mitdiskutanten) aus der Enttäuschung über die Reaktion des Referenten. Das OpenCourse-Thema lautet “Zukunft des Lernens”. Schulmeisters Resümee (nach ca. 63 Minuten): “Unser System ist doch bankrott” (das bezieht sich in diesem Kontext zwar speziell auf das Lernverhalten von Studenten vor Prüfungen, ist aber nach meinem Eindruck durchaus auf seine Meinung über weitere Bereiche der Bildungslandschaft übertragbar). Ich kann keine Vision erkennen, die mit der “Zukunft des Lernens” zu tun hätte. – Ich schätze die Erfahrung und die Reputation von Prof. Schulmeister durchaus hoch. Umso betrüblicher erscheint es mir, dass er beinahe ausschließlich darauf abzielt, die Nichtexistenz einer “Net Generation” zu beweisen. – Geschenkt, Herr Schulmeister! Dass die heutigen Jugendlichen sich nicht wie die Fische im Wasser im Internet bewegen und genau das suchen und finden, was sie auf ihrer Entwicklung als Person im Allgemeinen und als Lernende im Besonderen fördert und zu neuen Erkenntnissen führt, das weiß ich aus der täglichen Erfahrung in einem bayerischen Gymnasium selbst, dazu brauche ich keine dann und dort veröffentlichten empirischen Studien aus Amerika. Was ich von einem Hochschullehrer zum Thema “Zukunft des Lernens” hören will, ist, wie wir es anstellen, dass das Internet der Bildung besser nutzbar gemacht wird. – Vielleicht ist das eine falsche Erwartung, weil Schulmeister evtl. mehr Empiriker als Didaktiker ist, dazu kenne ich seine Arbeiten zu wenig. Aber daher rührt die Enttäuschung – aus dem Widerspruch zwischen “Zukunft des Lernens” und dem Motto “Bleibt von der Kiste weg!” – Es ist nicht damit getan zu beklagen, die Jugendlichen beherrschten nur mehr “F-shaped scanning” und könnten nicht mehr lesen. Es geht darum, Aufgabenstellungen zu formulieren, die zum genauen Lesen zwingen, und andere Aufgabenstellungen, für die genau “F-shaped scanning” die richtige Bearbeitungsmethode ist. Wir wollten Konstruktives hören, nicht Destruktives. – Danke für die Aufmerksamkeit.

Prof. Dr. Volkmar Langer (Hochschule Weserbergland) hat diesen Text in seinem Blog aufgegriffen und in Dialogform seine (weitgehend zustimmende) Sicht der Dinge eingefügt: Wo wir heute stehen – nicht jammern, sondern weiterdenken. – Vielen Dank für die Auseinandersetzung mit meinem Text!

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es im Wesentlichen an drei Dingen mangelt:

  1. An einer Web-Didaktik, die nicht nur die Versiertheit im Benutzen der diversen inhaltlichen und methodischen Qualitäten des Web2.0 umfasst, sondern die vermittelten Kompetenzen sinnvoll für die Erarbeitung und Erschließung der Lehrplaninhalte integriert;
  2. an der technischen Ausstattung, die dafür nötig wäre;
  3. am Interesse und an der nötigen Web-Kompetenz der überwiegenden Mehrheit der Lehrkräfte.

In dieser Reihenfolge (und überlappend) ist diese Situation auch anzugehen, meiner Meinung nach. Und es hat keinen Sinn, darauf zu warten, dass die Schüler sich das alles selbst erschließen, weil es so faszinierend ist. Mich verwundert immer wieder die Heranziehung des “Hole in the Wall”-Experiments von Prof. Dr. Sugata Mitra (Newcastle University) – das Setting dieses Experiments ist in keiner Weise mit dem zu vergleichen, was wir in unseren Schulen vorfinden. Die technischen Geräte, die den Kindern in einem Slum in Delhi zur Verfügung gestellt wurden, eröffnen diesen Kindern eine völlig neue Welt – während die Kinder in unseren Schulen überzeugt sind, diese Welt schon zu kennen, wenn sie einen Account bei Facebook haben, YouTube benutzen und bei Wikipedia nachschlagen. Ich habe diese Generation an anderer Stelle auch schon (noch ein Label!) als FaYoWi-Generation bezeichnet, nach den drei Websites benannt, die für die heutigen Kinder und Jugendlichen in Europa die Vielfalt des Internet erschöpfend zu beschreiben scheinen. Damit sind sie ausgelastet – und natürlich ist nicht alles sinnvoll, womit sie sich dort beschäftigen. Aber angesichts der Lage die Hände in den Schoß zu legen und zu sagen: “Die ‘digital natives’ gibt es nicht”, scheint mir eine zu resignative Reaktion zu sein.
———-
Ergänzung:
Was mir sehr gut gefallen hat, war der Erfahrungsaustausch auf dem von @_Rya_ eingerichteten Etherpad im Vorfeld. Im Moment steht eine Mitschrift zum Livestream-Vortrag am Anfang. Das, was ich meine, beginnt mit einem langen gelb hinterlegten Textblock. Vielen Dank an @anjalorenz und @lisarosa fürs Mitdiskutieren!

Hey You! What Song Are You Listening To?

What song are you listening to? (CC Kris Krüg @flickr.com)

What song are you listening to?

This is a piece of homework I set my year 11 class last week. It uses two YouTube videos that were uploaded only recently. I liked the idea at once: Tyler Cullen went around New York City, asking people with headphones on, what song they were listening to. Kate did the same a couple of days later in London. Both of them not only put together very enjoyable mini portraits of their cities, but also published the play lists of their videos. So here’s what I asked my pupils to do:

Watch the following two clips on YouTube. But first, please read the tasks that I want you to do while and after watching them:

  1. Is there a song in these lists that you also know and like? Name one (or two), and say why you like it (them).
  2. Remember one person in each video clip that you find likable. Make a note of what you like about him or her (at least two details). What would you talk about if you met them?
  3. If you compare the New York and the London video, which one do you like better? Why? (4 – 5 sentences)
  4. Would you want to do a similar video about the place you come from? Would you like to do it rather in Regensburg, Nuremberg or Munich? (4 – 5 sentences)
  5. Bonus task: Which of the songs would you nominate for “most intelligent” and “most stupid”?

Hey You! What Song Are You Listening To? (New York) – by Tyler Cullen [TyCullen]
(24 May 2011)

http://youtu.be/tvHRUY0tBcs

1 The Bee Gees: More Than A Woman
2 Fenix TX: Abba Zabba
3 Eminem: Not Afraid
4 Keni Burke: Keep Rising to the Top
5 Beyonce: Smash Into You
6 LCD Soundsystem: Dance Yrself Clean
7 The Black Keys: Too Afraid To Love You
8 Kanye West: Blame Game
9 Kinky: Mas
10 Lil Wayne: Lollipop
11 Oasis: What’s the Story Morning Glory
12 Frank Sinatra: The Best Is Yet To Come
13 Korn: Counting on Me
14 Britney Spears: How I Roll
15 Panic! At the Disco: From A Mountain In
The Middle Of The Cabins
16 Kid Cudi: Day ‘n’ Night
17 Bob Marley: Buffalo Solider
18 Wiz Khalifa: Black & Yellow
19 Big Punisher: Still Not A Player
20 NPR2
21 Tub Ring: No One Wants To Play
22 Lady Gaga: Just Dance

Hey London! What Song Are You Listening To? – by Kate [Maasive]
(31 May 2011)

http://youtu.be/IQMPR4PNxws

1) Beres Hammond – ‘Reggae Calling’
2) RHCP – ‘Otherside’
3) BEP – ‘Dirty Bit’
4) Turin Breaks – ‘Mirror’
5) Kiss – ‘Rock n Roll all night!’
6) Mohombi – ‘Coconut Tree’
7) The Ramones – ‘Psycho Therapy’
8) Miike Snow – ‘Animal’
9) Ron Sexsmith – ‘The Less I know’
10) The Dandy Warholes – ‘Holding me up’
11) Kaah – ‘Kaahlla Mej’
12) Chipmunk – ‘Champion’
13) The doors – ‘The End’
14) Rihanna – ‘Umbrella’
15) The Game – ‘Dreams’
16) Elvis – ‘Shake, Rattle n Roll’
17) Muse – ‘Uprising’
18) N Dubz – ‘Bad Behaviour’
19) Guttermouth – ‘Pee in the Shower’
20) Belle & Sebastian – ‘Sleep the Clock Around’
21) The Who – ’5:15′
22) The Joy Formidable – ‘Whirring’
23) JLo – ‘On the Floor’
24) Depeche mode – ‘People are People’

picture credits: http://www.flickr.com/photos/kk/4669106391/sizes/z/in/photostream/
CC by Kris Krüg, Vancouver, Canada (kk+ on flickr.com)

MyPLE = f2f + f2b + f2w + s2m

In der Woche 4 des OpenCourse “Zukunft des Lernens” geht es um “Lernumgebungen/Personal Learning Environments”.

Die in der Agenda-Rubrik “Weitere Aktivitäten” gestellte Aufgabe lautet, ein Bild von der persönlich liebsten Lernumgebung bei Flickr hochzuladen. Teilnehmerin @designeon (Sabine Hueber) hat daraufhin die Initiative ergriffen und eine opco11-Flickr-Gruppe eingerichtet. Dort haben sich inzwischen 14 Mitglieder eingefunden, die 18 Bilder gepostet haben.

Meine Persönliche Lernumgebung (PLU) oder Personal Learning Environment (PLE) habe ich als Collage umgesetzt, die folgende Komponenten darstellt:

Face to face, face to book, face to web, senses to multimedia

f2w: Face to web
Ich lerne viel über meine Web-Kontakte per Twitter, Blogs und Facebook – dies drückt sich durch die Blogroll ganz links aus sowie über eine Zusammenstellung meiner Twitter-Friends (wir folgen uns gegenseitig), aber auch durch die Logo-Buttons, die ziemlich zentral liegen: in der oberen Reihe das Twitter- und das Facebook-Logo, in der Mitte das Symbol für RSS-Feeds (über die Aktualisierungen von Blogs leicht mitverfolgt werden können), in der unteren Reihe links das Logo von Delicious.com, der Online-Verwaltung für Lesezeichen (inzwischen setze ich mehr auf Diigo.com, aber auch Trunk.ly ist wertvoll, das alle meine auf Twitter versendeten Links konserviert), daneben dann die Logos von WordPress und Blogger, den beiden Blog-Diensten, die ich hauptsächlich nutze.
Unten rechts habe ich einen Screenshot von meiner Symbaloo-Seite platziert (der erste von sechs Reitern). Symbaloo ist eine sehr praktische Möglichkeit, Lesezeichen optisch gefällig online abzuspeichern, die man täglich in Klickweite haben will.

f2b: Face to book
Daneben sind einige wichtige Bücher aus meiner Bibliothek abgebildet, die stellvertretend für dieses Medium stehen. Immer noch lerne ich viel dadurch, dass ich in Büchern lese – wobei mir die Möglichkeit der elektronischen Weiterverarbeitung inzwischen schon manchmal fehlt.

f2f: Face to face
Über dem Symbaloo-Screenshot stehen vier Varianten des TIME-Magazin-Titels “Person of the Year: YOU!”. Das ist zwar ein bisschen irreführend, denn TIME zeichnete damit die Beitragenden zum Erfolg des Web2.0 aus, die beispielsweise den Erfolg von Wikipedia erst möglich gemacht haben – aber es passt optisch so gut: Mit “you” richte ich mich an die Leute, die ich im realen Leben treffe, mit denen ich mich an einen Tisch setzen kann (sei es im Lehrerzimmer oder im Café). Auch diese Begegnungen sind Teil meines Lernens (“we live and learn” ;-)).
Darüber nimmt das Bild einer Schulklasse relativ viel Platz ein – das soll besagen, dass ich natürlich auch von meinen Schülern lerne.

s2m: Senses to multimedia
Das Logo von TED schließlich steht für die umfangreichen Multimedia-Angebote, die das Internet bereit hält – nicht zuletzt die faszinierenden Vorträge von Sir Ken Robinson.

Learning from people, books, web contacts, multimedia

OpenCourse 2011: Zukunft des Lernens (Woche 2)

Die OpenCourse-Veranstaltung “Zukunft des Lernens” hat eine ganze Reihe von Müttern und Vätern, wie man im Menüpunkt “Veranstalter” nachlesen kann: Dr. Jochen Robes, www.weiterbildungsblog.de, Claudia Bremer, Prof. Detlef Krömker, Ralph Müller, David Weiss, studiumdigitale (zentrale eLearning-Einrichtung, Goethe-Universität Frankfurt/M), in Kooperation mit dem Zentrum für Lehrerbildung und Schul- und Unterrichtsforschung der Goethe-Universität Frankfurt/M, Prof. Bernd Trocholepczy, und der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW).

Auf der Begrüßungsseite des dazugehörigen Internetauftritts wird erklärt, was ein “OpenCourse” eigentlich ist:

Ein OpenCourse ist vernetztes Lernen. Die Infrastruktur des OpenCourses ist offen und dezentral. Wir als Gastgeber bieten einen Anlaufpunkt und eine Agenda im Netz, organisieren Live-Sessions mit Experten und fassen Beiträge, Kommentare und Diskussionen zusammen. Sie als Teilnehmer lesen, kommentieren, stellen Fragen, diskutieren, „spinnen“ Ideen weiter. Sie tun das dort, wo Sie zu Hause sind: Ihr eigener Blog? Ein Facebook-Profil oder ein Twitter-Kanal? Wunderbar! Ansonsten ist ein OpenCourse die ideale Gelegenheit, sich mit diesen Werkzeugen vertraut zu machen. „Tags“ und RSS-Feeds sorgen dafür, dass keine Beiträge im Netz „verloren“ gehen.

Der elf Wochen umfassende Kurs gliedert sich in elf Wochen-Themen, die übersichtlich unter dem Menüpunkt “Agenda” abzurufen sind. Inzwischen sind wir schon mitten in der zweiten Woche. Ging es zu Anfang um “Warum sich etwas verändern muss: Lern- und Bildungsvisionen”, so sollen die über 700 Teilnehmer in dieser Woche sich selbst und gegenseitig zum Thema “Nicht ohne meine Community!
Social & Networked Learning”
fortbilden. Dieser Aspekt der Eigenaktivität, der motivationsgesteuerten Lernleistung durch Lesen und Anwenden, ist etwas, das den “OpenCourse” von der herkömmlichen Fortbildungsveranstaltung unterscheidet. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass man am Schluss keine Teilnahmebescheinigung ausgehändigt bekommt – also weder einen Schein, den man dem Schulleiter unter die Nase halten kann, um die eigene Fortbildungsfreudigkeit zu dokumentieren, noch einen Beleg für die “Werbungskosten”-Abteilung der Steuererklärung.
Es ist zu befürchten, dass dies tatsächlich ein Kurs für Idealisten ist. Man nimmt hier teil, weil man selbst etwas dazulernen will.

Meine “Community”, also die Gruppe von Leuten, von denen ich mir gern Tipps geben lasse und mit denen ich mich gern austausche, hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren gebildet, vor allem durch Twitter und Blogs. Mein eigenes Blog hier macht nur einen kleinen Teil der Interaktion aus – ich lege hier zum einen für mich selbst Ideen oder Links nieder, so dass es andererseits auch bequem ist, Gesprächspartner durch einen Link auf schon einmal Formuliertes hinzuweisen und so schneller ins Gespräch zu kommen. Bei der Kommunikation auf Twitter ist zwar durch die Vorgabe, innerhalb des 140-Zeichen-Limits zu bleiben, die Ausführlichkeit eingeschränkt, aber das senkt eben auch die Hemmschwelle für den Beginn eines Beitrags. Während man sich wegen chronischer Zeitnot möglicherweise scheut, einen Blogeintrag zu beginnen, bei dem man weiß, dass die gedankliche Strukturierung des Textes und die Formulierung eine gewisse Zeit dauern werden, kann man problemlos einige Tweets absetzen und etliche lesen – durchaus nicht alles ernsthaft und zu schulischen Themen, aber doch zu einem erstaunlich hohen Prozentsatz. Über weitere Aspekte der Community-Bildung im Internet habe ich im letzten Jahr schon gebloggt (hier und hier).

Zur Veranschaulichung mancher aktueller Probleme, denen eine Lehrkraft im Schulalltag gegenüberstehen kann, und wie man es anders und besser machen kann, habe ich vier kurze Videos auf einem Glog zusammengestellt; thematisch gehört das eher zu Woche 1 (“Warum sich etwas ändern muss”), aber ohne meine Internetkontakte hätte ich keines dieser Videos gefunden, was wiederum die Nützlichkeit meiner Community unterstreicht (Woche 2):

Texterschließung und kreatives Schreiben: Die Rolle von Blog und Etherpad

Im Lehrplan der 10. Klasse für die Gymnasien in Bayern ist die Erschließung von fiktionalen Texten eine der Fähigkeiten, deren Beherrschung durch eine schriftliche Arbeit (in Bayern: Schulaufgabe) abzuprüfen ist; dieser Aufsatztyp spielt bis zum Abitur eine Rolle. Dabei werden dann keine Teilaufgaben explizit gestellt, sondern die Schüler sollen die Arbeitsanweisung “Erschließen und interpretieren Sie …” selbstständig so auffassen, dass sie nach einer kurzen Einleitung zunächst Inhalt und Aufbau des Textes (der meist zwei bis drei Seiten lang ist, entweder Kurzprosa oder Ausschnitt aus einem längeren Werk) darstellen, dann die erzähltechnische Gestaltung analysieren und die Besonderheiten der sprachlich-stilistischen Gestaltung anhand einiger konkreter Beispiele erläutern. Anschließend äußern sie sich zur Bedeutung des Textes (Thematik, dichterische Umsetzung, Leseeindruck).
Unter Umständen – in der Oberstufe aber in jedem Fall – folgt der Erschließung dann noch eine Zusatzaufgabe, die sich entweder auf das Genre oder die Epoche bezieht, manchmal auch einen Vergleich mit einem anderen literarischen Werk erfordert, das der belesene Schüler in seinem literarischen Erfahrungsschatz hat (wenn er Glück hat).
Erfreulicherweise hat die Revision des Lehrplans für das nunmehr ganz eingeführte achtjährige Gymnasium auch eine weitere Möglichkeit der Aufgabenstellung mit sich gebracht, nämlich die Option einer Form des kreativen Schreibens. Eine Zusatzaufgabe könnte also sein, dass die Schüler eine Glosse über das Thema des vorher analysierten Textes verfassen, möglicherweise auch einen Leserbrief, einen Kommentar – oder aber einen eigenen fiktionalen Text. Es versteht sich von selbst, dass solche Aufgaben nur gestellt werden können, wenn die Schüler vorher Gelegenheit hatten, so etwas zu üben.

In meiner derzeitigen 10. Klasse benutze ich die Anthologie “Siebzehn Kurzgeschichten”, hg. Klaus-Ulrich Pech (Stuttgart: Klett, 2007), die nicht nur typische (und weniger typische) Kurzgeschichten enthält, sondern auch einen nützlichen Materialienteil.
Nachdem wir einige der Texte besprochen hatten (Malecha, “Die Probe”; Borchert, “Nachts schlafen die Ratten doch”; Weisenborn, “Ein gleichgültiger Mittwoch”), bat ich die Schülerinnen, sich durch einen Impuls zu einem eigenen Kurzprosa-Text inspirieren zu lassen: Sie hatten die Auswahl zwischen a) einem Schwarzweiß-Foto, auf dem ein in einen Anzug gekleideter Mann auf einem Waldweg steht, ein Handy am Ohr, eine Karre vor sich, auf der Getränke- und Einkaufskisten gestapelt sind (ib., S. 112), und b) einem kurzen szenischen Text von Heiner Müller mit dem Titel “Herzstück”, in dem eine Person einer anderen ihr Herz schenken will, das sich, nachdem es herausoperiert wurde, als Ziegelstein herausstellt (ib., S. 126).
Die Texte wurden in einem Teil einer Unterrichtsstunde in der Schule skizziert, doch zu Hause fertiggestellt. Wer bereits damit zufrieden war, konnte sein Ergebnis gleich in das Klassenblog hochladen: http://zehnbee.blogspot.com
Screenshot vom Klassenblog der 10b
In der darauffolgenden Stunde gingen wir in einen der Computerräume. Hier waren die Schülerinnen eingeladen, ihre Entwürfe bzw. die Erstfassungen ihrer Texte zusammen (in Vierergruppen) zu besprechen und über Verbesserungsmöglichkeiten zu diskutieren. Zu diesem Zweck wurden die Texte in Etherpads kopiert bzw. eingetippt (ich wählte http://typewith.me) und dort online bearbeitet. Das Chat-Fenster wurde teils zur sinnvollen Kommunikation, teils für weniger sinnvolle Äußerungen benutzt.

Die Überarbeitung der Texte im Team wurde unterschiedlich intensiv durchgeführt. Manche veränderten nur sehr wenig, z. B. zur Verbesserung von Schreibfehlern oder zur Vermeidung einer Wiederholung, aber auch zur punktuellen Verbesserung der Formulierungen. Andere führten tiefgreifende Änderungen durch; ein Team beispielsweise fügte zwei Texte zu einem zusammen.
Die Möglichkeit, per Etherpad zusammen an einem Text zu arbeiten und sich so intensiver mit der Sprache sowohl des eigenen Textes als auch der anderen Texte auseinanderzusetzen, wurde von der Mehrheit als sehr motivierend empfunden. Die Veröffentlichung der Texte im Blog ist zum einen ebenfalls motivierend (der Text findet Leser!), zum anderen einfach praktisch: Alle haben Zugriff auf alle Texte, ohne dass seitenweise Papierkopien hergestellt werden müssen.
Was bisher noch wenig gelingt, ist die sinnvolle Kommentierung der Kurzprosa von Mitschülerinnen. Die Kommentare im Blog sind zunächst noch recht pauschal, statt auf die individuellen Vorzüge (oder Schwächen) des einzelnen Textes einzugehen. Daran arbeiten wir noch – und (wie ich gerade sehe) wir machen Fortschritte.

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Dank an Lisa Rosa für die Ermunterung zu diesem Bericht :)

OMG, I heart the OED

The OED has proved once again that it takes the development of the English language seriously. Among the words recently included in the OED online edition are “initialisms”(1) such as:

Now, fair enough. But what really surprised me is the inclusion of “heart” as a verb, as it occurs in the verbalisation of slogans on T-shirts, for example, or buttons expressing the support of certain worthy causes – or silly causes, as the case may be. One example (of a worthy cause, of course) is the ‘I ♥ EDU’ button at the top right of this blog (say: “I heart edu”).
I quote the OED site (latest update of the OED, published on 24 March 2011):

♥ to heart
The new sense added to heart v. in this update may be the first English usage to develop via the medium of T-shirts and bumper-stickers. It originated as a humorous reference to logos featuring a picture of a heart as a symbol for the verb love, like that of the famous ‘I ? NY’ tourism campaign. Our earliest quote for this use, from 1984, uses the verb in ‘I heart my dog’s head’, a jokey play on bumper stickers featuring a heart and a picture of the face of a particular breed of dog (expressing a person’s enthusiasm for, say, shih-tzus) which itself became a popular bumper sticker. From these beginnings, heart v. has gone on to live an existence in more traditional genres of literature as a colloquial synonym for ‘to love’.

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(1)Whatever happened to “acronyms”? I must admit that the use of whatever-ism to designate a type of word formation sounds awkward to me. I’ve come to know ‘-isms’ as ideologies (e.g. Marxism, socialism, capitalism) or value-driven attitudes (idealism, existentialism), and (after looking at a somewhat shaky, but still useful Wikipedia article) attitudes based on prejudice (sexism, racism), expressions bearing the characteristics of certain persons or things (Shakespeareanism) or disorders (dwarfism).
At least Googlefight still sees “acronym” as the winner (18.400.000 vs. 28.500).

Johannes Brahms, “Ein deutsches Requiem”

Die Amberger Chorgemeinschaft führt am 3. April zusammen mit dem Bohemia Sinfonieorchester Prag das “Deutsche Requiem” von Johannes Brahms auf.

Eine sehr gute Aufnahme dieses berühmten Werks für Chor, Orchester und Solisten hat der MDR vor einiger Zeit übertragen; Christian Thielemann dirigiert dort die Sächsische Staatskapelle Dresden und den Chor der Sächsischen Staatsoper Dresden, Christine Schäfer singt das Sopran-Solo und Wolfgang Schöne Bariton. Das Video lässt sich leider nicht einbetten, also hier nur der Link zur Playlist (1.-7. Satz) auf Youtube: Johannes Brahms, “Ein deutsches Requiem”

Eine lesenswerte Einordnung des Werks in Brahms’ Biographie bietet der Deutschlandfunk in einem Interview mit Malte Korff:
Susanne Mack, “Warum schrieb Brahms ein Requiem?”
Korff wird dort u. a. mit den Worten zitiert:

“Das ist ein Werk, das für die Lebenden bestimmt ist. Ein Werk, in dem es um die ganz aktuelle Frage, die Gegenüberstellung von Vergänglichkeit und Ewigkeitshoffnung geht.

Weitere interessante Informationen enthält die folgende kurze Beschreibung der Entstehung des Werkes und der einzelnen Sätze:
Irmgard Theobald, “Johannes Brahms – Ein Deutsches Requiem”
Theobald geht gleich am Anfang ihres Textes darauf ein, warum das Requiem auch heute noch zu faszinieren vermöge:

Woher diese Faszination rührt? Daher, dass Hörende hier Musik als diesseitige Offenbarung erfahren dürfen. Als durchaus irdischen Trost, wenn Tod und Vergänglichkeit übermächtig werden. Denn Brahms geht es nicht allein um das Selig-Werden der Toten, sondern um den wahren Trost für die Überlebenden.

Wanna try Chinese – or something easy-peasy?

A website dedicated to language learning (voxy.com) has just published a ranking of languages
according to how difficult it is to acquire a certain degree of proficiency – measured by how long it takes you
to get there.
Interesting fact: German isn’t on the list – on none of them. What does that tell us? It can’t mean that
it’s even harder than Chinese and deserves a category of its own and there wasn’t enough space, blah-blah.
No, it either means that German has become even less important than Norwegian or Serbian … or it means
that one shouldn’t take this whole infographic too seriously.


Via: Voxy Blog

Amberger Chorgemeinschaft – jetzt auch im Web 2.0

Seit heute kann man die Amberger Chorgemeinschaft auch auf Facebook und bei Twitter finden. Ob uns das neue Zuhörer (oder gar Mitsänger) beschert, bezweifle ich ja noch, aber wenigstens brauchen wir uns nicht vorzuwerfen, wir hätten’s nicht versucht ;)

Amberger Chorgemeinschaft auf Facebook Amberger Chorgemeinschaft auf Twitter

Prezi – how to

I know I have mentioned Prezi on this blog before – but I’ve just come across a very good example that shows what you can do with it, and how to go about it. If you’re familiar with some of Prezi’s features, you can click through it a little more quickly; if you’re new to Prezi, you will need the fifteen minutes. It’s a prezi by Adam Somlai-Fischer, one of the founders and Head of Design at Prezi.com.