
| (für Interessierte gibt es auch den französischen
Originaltext)
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Lehren heißt übenWir stehen vor einem großartigen Paradoxon: die Lehre ist integraler Teil der Übung des Aikido. Tatsächlich fordert und entwickelt das Unterrichten die Qualitäten, die genau die eines "guten Aikidoka" sind:
Wie kommt der Lehrer zu einem richtigen und klaren Verständnis des Aikido?
Ist Kokyu gleichermaßen Teil des Herzen des Aikido? Die Idee von Kokyu bleibt dem Europäer erst einmal fremd und nach den Reaktionen der Aikidoka auf Lehrgängen zu schließen scheint es, dass der Sinn von Kokyu besser verstanden werden muß. Und doch kann keine Aikido-Technik ohne Kokyu bestehen. Also stellt sich eine Frage: wie erreicht es der Lehrer, Kokyu besser zu begreifen? Welchen Sinn gibt er in seinem Dojo der Arbeit von Kokyu Ho? Nur die Übung kann die Ergebnisse davon spüren lassen. Der Lehrende muss es unabdingbar erforschen und in sich aufnehmen und werden wie ein Künstler, für den sich Kokyu mit seinem Können vermengt. Welchen Platz muss man der Arbeit mit den Waffen geben.? Der Gründer hat in unserer Disziplin den Waffen einen ganz bestimmten Platz gegeben. Es geht darum ehrlich zu sehen welchen und des Gefühls bewusst zu sein, das die Waffe als ein Werkzeug dem Aikidoka in seiner besonderen Arbeit gibt. In diesem Moment gewinnt der Satz von O Sensei für uns einen Sinn: "Die Waffentechniken erklären sich weder durch Worte noch durch Schrift, sie erhellen sich ohne Rede". Haben auch die verschiedenen benutzten Angriffe eine eigene Bedeutung im Aikido? Warum, zum Beispiel, sieht Katatedori (Griff des Handgelenks) nicht wie ein echter Angriff aus?
Welche Rolle spielen die Würgegriffe? Auf den Lehrgängen scheinen die Schüler oft verwirrt von Ushiro Waza Katatedori Kubishime. Es handelt sich nicht, auch hier nicht, darum, eine Bewegung auszuführen, um sie auszuführen, sondern vielmehr darum, sich bewusst zu werden, dass es immer einen Weg gibt, herauszukommen, auch wenn er nicht sichtbar ist. Indem man sich widersetzt wird einem sehr schnell klar, dass das Problem nur wächst; indem man ruhig bleibt, wird die Technik einfach. Dieser Angriff erlaubt also den Geisteszustand zu finden, der die Ausführung der Bewegung klar macht. Es gibt also eine Vebindung zwischen Geisteszustand und der Ausführung von Bewegungen? Tatsächlich glaube ich, dass alles aufeinander folgt: die Bewegungen immer ungezwungener auszuführen erlaubt es, die Positivität zu entwickeln. Man weiß, das es in der Natur keinen Platz für Zögern gibt. Ich habe das Gefühl, das es das ist, was der Mensch heute wiederfinden muss: die positive Seite der Dinge zu sehen. Um beim Beispiel Irimi zu bleiben, man lernt einzutreten ohne den Preis jeder Aktion zu kalkulieren. Dann kann die Übung in Freude ablaufen. In Freude üben, ist das wichtig?
Finden Sie nicht, dass da ein etwas moralischer Beigeschmack ist? Ich weiß nicht, ob man von Moral sprechen kann, weil sie dem Menschen eigen ist. Es ist klar, dass der "große Kopf", das Ego, die Streitereien, die Konflikte sich stets gegen die Beteiligten wenden. Effektivität ist daher mehr in sich die Haltung zu schaffen, die spontan, wie die tierische Intelligenz, nicht allein die Aggression entfernt, sondern die "Aggressivität schmelzen lässt", ganz so wie die Sonne, die durch ihre bloße Anwesenheit das Eis zum schmelzen bringt. Es scheint einfach dringend heute daran zu erinnern! Vielleicht ist es das, "der Krieger des Friedens". Es ist in jedem Fall eine zusätzliche Forderung, die sich der natürlichen und notwendigen Evolution der Menschheit einprägt, und darum den Menschen betrifft. Und es gehört sich nicht für ihn, sich zu erheben? Es ist eben diese selbe Suche und dieser selbe Durst, den ich bei den Aikidoka feststelle, welches auch immer ihr Land oder ihre Kultur seien. Aber der Lehrer, kann er sich allein erheben? Ich vergleiche gerne das lehren und üben des Aikido mit einer Bergbesteigung. Kein vernünftiger Mensch wird auf die Idee kommen, eine unbekanntes Gebirge zu ersteigen, ohne einen Führer zu nehmen. Für einen Aikidoka ist dieser Führer der Sensei (Sensei: derjenige welcher vorher geboren wurde, also der die Erfahrung hat). Der Führer zeigt nicht nur auf welche Art man den Hang erklettert, sondern erlaubt siegreich die widersprüchlichen Gefühle durchzustehen, die im Laufe des Aufstiegs erscheinen, bis zu dem Moment, wo der Berg selbst verschwindet und uns allein lässt, und dann entfaltet sich, wie die Sonne aus dem Morgennebel, ein anderer Geisteszustand, den ein Alpinist "das befreiende Abstreifen" nannte, der es erlaubt, um die Worte von O Sensei wiederaufzunehmen, "die Augen des Herzens und die Fenster des Geistes zu öffnen". Im Aikido fortschreiten oder einen Berg besteigen also, aber wohin? Die höchste Bergkette der Welt heißt Himalaya, was, glaube ich, im Sanskrit bedeutet: "Ort, an dem die Götter weilen". Als Lehrer, was bedeutet für uns der Kamiza (zu Ehren des Gründers aufgestellter Altar)?
Interview mit Jacques Bonemaison in 'Arts&Sports de Combats',
12/1997 Jaacques Bonemaison ist 6.Dan Aikido und Schüler von Tamura Sensei. Er lebt in Paris und leitet dort zwei Dojos. Außerdem kommt er regelmäßig nach Deutschland um Lehrgänge abzuhalten. | |