Die schwarze Krähe von Hiltersdorf
Die Wutschdorfer Sagensammlung
Das schwarze Männlein von Rannahof
Die wilden Hunde von Hiltersdorf
Der schwarze Reiter von Paulsdorf
von Robert B. Gebert
veröffentlicht in der Zeitschrift "Oberpälzer
Jura" der Heimatbeilage des Amberger Volksblattes
Vor Zeiten deckte wilder Wald all die Höhen und Berge rings um Freudenberg, ja selbst die Talgründe des Fensterbaches bildeten eine undurchdringliche Wildnis. Wohl klapperte damals schon das Mühlrad des Hammers und auf dem Berghof saß bereits ein altes Bauerngeschlecht. Freudenberg selbst war aber noch ein Dörfchen mit nur einigen Höfen, denn das Greut bot nur wenigen ein karges Brot. Es waren wirklich arme Schlucker die damaligen Freudenberger, und Michael Hausner war der Ärmste von allen. Aber er hatte einen Schatz um den ihn viele beneideten. Nämlich Fanny, seine älteste Tochter, ein Mädchen von neunzehn Jahren, wie es weit und breit keines gab. Sie war so herzerfrischend jung und gesund, immer flink und froh, so daß jedermann gerne stehen blieb und ihr ein wenig in die dunklen Augen blickte. Natürlich auch Sepp Gollner vom Berghof. Bis es eines Tages zu viel war für ihn und für Fanny.
Eine ganze Weile gingen sie sich scheu aus dem Weg,
so daß manch einer aus Lintach und Wutschdorf wieder Hoffnung schöpfte.
Oh da waren reiche Bauernsöhne, reicher noch als die vom Berghof,
die die Fanny gerne heimgeführt hätten, aber so lange der Sepp
hinter dem Mädel her war, wagte sich keiner heran.
Mit dem war nämlich nicht gut Kirschen essen, auf
vielen Kirchweihen hatte er dies schon bewiesen. Manches Loch in einem
dicken Bauernschädel und manche Schramme in den Gesichtern seiner
Widersacher zeugten von seiner guten "Handschrift". Nun aber atmeten sie
auf und faßten neuen Mut.
Fanny jedoch wollte von keinem etwas wissen, sie hatte
ihr Herz an Sepp verloren, nur wagte sie sich's nicht einzugestehen.Ähnlich
erging es dem armen Sepp. Allabendlich hastete er über den Hussengraben
hinauf auf den Johannisberg, bis zum jenseitigen Waldrand und starrte sehnsüchtig
hinüber nach Freudenberg, wo am Berghang das armselige Häuschen
der Hausner klebte. Aber auch Fanny zog es hinauf auf den Berg und so kam
es, daß sie sich Abend für Abend trafen. Gar tief drin im Wald,
unweit der Stelle, an der man später das Kirchlein Sankt Johann errichtete.
Sie waren glücklich die beiden aber totunglücklich. Glücklich
ob ihrer Liebe zueinander, unglücklich, weil eine eheliche Verbindung
fast unmöglich schien.
Denn der stolze Berghofbauer würde nie dulden,
daß eine arme Häuslertochter je auf seinem Hof schaltete. Für
seinen Sepp war die Reichste gerade gut genug und er hatte diese bereits
ausfindig gemacht; die blonde Katrin nämlich vom Geiselhof. Die war
nun aber gar nicht nach Sepps Geschmack und er machte aus einer Abneigung
auch keinen Hehl.Dies wurmte den alten Berghofbauer gar gewaltig. Er brütete
eine Weile, horchte etwas herum und wußte bald, daß eine andere
Schuld an Sepps Abneigung haben mußte.
Aber wer?
Der alte Gollner schwor sich, das herauszubringen und
dann wehe dem Weib, das seinen Sepp umgarnte. Sein verhärtetes Herz
konnte ja nicht fühlen, daß Liebe stärker als alles in
der Welt sein kann. Er hatte zwar gut mit seiner Marie, Gott hab' sie selig,
gehaust, aber Liebe war da keine dabei , auf beiden Seiten nicht. Als folgsame
Kinder hatten sie eben nach dem Wunsch der Eltern geheiratet und es war
soweit ganz gut gegangen.Der Segen Gottes lag auf dem Hof, kein Viehsterben
brachte dem Gollner Schaden, kein Hagelschlag vernichtete je seine Ernte
und das Geld häufte sich in den Truhen. Genügte das wohl nicht?
Was wollte der Sepp den mehr? So kam es, daß Abend für Abend
der Vater dem Sohn nachschlich. Lange Zeit vergebens, denn der Sepp scheute
kein Dickicht und entschwand stets urplötzlich dem spähenden
Auge des Vaters. Wochen gingen so dahin, bis der Alte eines Tages näheres
über seines Sohnes Liebschaft erfuhr. Eines Abends geschah es dann.
Wieder war der Sepp den Berg hinangestürmt , der Vater ihm nach. Längst
war der Sohn seinen Blicken entschwunden, aber sieh da - dort lehnte Fanny.
Es war ein liebliches Bild wie sie so traumverloren an einer Fichte lehnte,
die Haare gelöst, das Gesicht verklärt von einem letzten Sonnenstrahl,
den Blick gesenkt und ein paar Blumen in den Händen und glücklich
lächelnd, als sähe sie das Bild des Liebsten aus den Kelchen
auf zu ihr.
Der Berghofbauer sah das alles nicht. Er sah nur das Kind eines Bettlers, daß es auf seinen Hof auf sein Geld abgesehenhatte. Und toll vor Wut sprang er sie an. Hart gruben sich seine Finger in ihren Hals und blind vor Zorn keuchte er;"Hab ich dich, du Hexe, hab ich dich endlich! Was willst du von ihm? Gestehe, daß du nur den Hof willst, nur unser Geld. Aber wisse, daß ich dich mit diesen Händen erwürge, eh' du über meine Schwelle trittst. Du-.
"Hilfe - laß mich los, Berghofbauer - um Gottes
willen ich ersticke", ächzte das arme Mädchen und wand sich in
Todesangst unter dem harten Griff des Alten. "Gollnerbauer, ich schwöre,
nur die Liebe zu eurem Sepp ist's - Hilfe - helft ihr Heiligen alle -".
Der Berghofbauer lachte los. Es war ein böses Lachen.
"Ha die Liebe, die Liebe! Schweig du Hexe, lästere
nicht. Oder glaubst du die Heiligen unterstützen deine Schlechtigkeit?
Da müssten sie mir schon ein Zeichen geben. Ja wenn ein Stern vom
Himmel fiele oder eine Quelle unter seinen Füßen entsprünge,
dann ja dann würde ich glauben, daß es sowas wie Liebe gibt
-".
Du großer Gott! Der Berghofbauer erbleichte, seine Hände fielen schlaff herab und in seinem Herzen regte sich ein Gefü, das er seit seiner Kindheit nicht mehr gekannt hatte. Er sank vor dem Mädchen nieder, stierte, staunte und tauchte seine Hände in den Quell, der da urplötzlich der Erde entsprungen war. "Der Heilige Brunnen", stammelte er, "das Zeichen aller Heiligen!" Da schreckte sie ein Laut, so grausig weh, daß sie erschauerten. Da - da klang es wieder! "Hilf, Fanny hilf!"
"Der Sepp", schrie Fanny und arbeitete sich durch das Unterholz, gefolgt vom Berghofbauern. Bald fanden sie ihn. Ein Keiler hatte ihn angefallen und schrecklich zugerichtet. Stöhnend sank der Vater neben ihm nieder. Sicherlich, das war Gottes Strafe und wimmernd flehte er zu den Heiligen um seines Sohnes Leben.
Fanny aber raffte den Hut des Alten auf und eilte zurück zur Quelle. Bald kam sie wieder, wusch die Wunden aus und verband sie mit Fetzen ihres Kleidchens. Und Worte der Liebe flossen über ihre Lippen, heiß wie ihre Tränen sich selbst und den Alten tröstend im festen Glauben an de Wunderkraft dieser Quelle der Heiligen. Ihr Glauben half und schon nach wenigen Wochen war der Sepp wieder auf den Beinen.
Sein erster Gang war zum Heiligen Brunnen Er war nicht allein, der Berghofbauer begleitete ihn, ging es doch nach Freudenberg zum Hausner, um die Hochzeit seines Sepps mit der Fanny zu besprechen.
Längst deckt sie nun der kühle Rasen,
die drei. Der Heiligenbrunne aber sprudelt noch immer. Und wer nun Lust
hat, einen frischen Trunk aus ihm zu tun, der wandere vorbei an der Bergwachthütte
zum Quellwasser des Heiligenbrunnens.
Von Aschach führt ein Höhenweg, vermutlich eine
ehemalige Landstraße, durch den Bienstubenwald oder, wie man abkürzend
sagt, durchs Bistum nach
Krickelhof und weiter nach Schnaittenbach. Diesen Bistumer
Steig ging einmal, als es noch keine Eisenbahn gab, ein Mann aus Luhe,
der in Amberg zu tun
hatte. Ihn verfolgte der Liebhaber seiner Frau, der von
ihr den Auftrag erhalten hatte, ihren Mann zu beseitigen.
An dem Marterl, das an der Kreuzung des Weges von Pursruck
nach Steiningloh steht, wurde der Mann von seinem Verfolger eingeholt.
Nachdem er noch
ein Vaterunser beten durfte, erschlug in dieser erbarmungslos.
Der Mörder schleppte nun die Leiche in das nahe Gebüsch und den
blutigen Prügel, den er zur
Tat benutzt hatte, warf er warf er in den Straßenweiher,
der nicht weit unterhalb der Mordstelle gegen Schwand zu ist. Dieser soll
sich daraufhin blutigrot
gefärbt haben und hat seither den Namen Blutweiher.Der
Mord fand seine Sühne: Der Täter, ein Mauerer, und seine Geliebte,
eine Hebamme, wurden in der
Folge in Amberg zum Tode verurteilt und am 4. Februar
1856 daselbst öffentlich hingerichtet.
Seit dieser Zeit meiden die Leute diese Stelle und machen
einen weiten Bogen um den "Blutweiher".
Vor langer Zeit passierte in Hiltersdorf folgende Geschichte:
Ein alter Bauer, der als Geizkragen schlimmster Sorte bekannt war und der
sogar seine
Dienstboten um den sauer verdienten Lohn betrog, war
unerwartet gestorben.
Ist es verwunderlich, dass er sich nach seiner Beerdigung
als kohlschwarze Krähe auf seinem Hof herumtrieb? Vertreiben liess
sich diese nicht und sie zu
töten wagte man nicht; so holte man den Geisterbeschwörer.
Er war ein erfahrener Mann und kam von weit her. Ihm gelang es, die Krähe
unter seltsamen
Beschwörungen zu fangen. Er steckte sie in einen
Sack und fuhr damit um Mitternacht zum Haidweiher, wobei "die Funken um
die Räder seines Wagens
sprühten".Als er im geisterblassen Mondlicht den
Sack mit seinem unheimlichen Inhalt versenkte, da hörte man ein Seufzen;
dann war es still über dem
Wasser und im Haus des Toten.
Die Wutschdorfer Sagensammlung
Geistergeschichten aus Freudenberg und Wutschdorf erzählt
von der Langerwieserin (Barbara Piehler, Wutschdorf 1901 - 1983) in den
Jahren 1950 bis
1952 veröffentlicht von Lotte Beer geb. Heidrich
in ihrem Heft "Tagebuchnotizen einer Dorfschullehrerin in Wutschdorf"
Zahlreiche alte Schlösser, Burgen und Ruinen haben ihre Geister und Gespenster, die zu mitternächtlicher Stunde ihr Unwesen treiben.
Die Untere Hammermühle in Freudenberg -eine ehemalige Papiermühle- hat, obwohl bürgerlich ebenfalls Gespenster in ihren Mauern.
Die Großmutter einer Schülerin diente als Magd
in dem Haus. In einer Nacht hörte sie das Klirren von Tellern und
ein Geist zog ihr die Decke weg. Das
Mädchen hielt es vor Angst nicht mehr aus, kündigte
und suchte sich eine andere Stelle.
Es wir dauch erzählt, dass nachts oft perückengeschmückte
Herren in das Haus kamen. Sie trugen Mappen unter den Armen. Im kleinen
Häuschen neben
dem Mühlgebäude setzten sie sich an den Tisch
und schrieben mit Gänsekielen. Wenn es aus der Dorfkirche in Freudenberg
Mitternacht schlug gingen sie
wieder weg.
Auch in Freudenberg selbst geht es um. Beim alten Nieblerhaus
hat man früher öfters eines weissgekleidete Gestalt umgehen sehen.
Die Gestalt trug weiße
Bretter halb unter dem Kleid verborgen. Zuerst war sie
unten auf dem Abhang des alten Schloßberges zu sehen, kam heraufgestiegen
zum alten Nieblerhaus,
umschritt es und verschwand darauf im alten Bierkeller,
der sich tief in den Burgberg hineinzieht. Die Leute sagen, es wäre
wohl eine arme Seele gewesen,
die etwas gut machen wollte, was sie in ihrem früheren
Leben verbrochen hatte.
Auch in der Brauerei Märkl spukt es! Der Großvater
des damaligen Besitzers hatte im ersten Stock, im jetzigen Magdzimmer,
seine Schreibstube. Eine
Magd wachte jede Nacht dadurch auf, daß ihre Kammertür
aufging. Kurzentschlossen liess sie in Zukunft die Tür offen stehen
und wurde nicht mehr in ihrer
Ruhe gestört.
In einem anderen Haus in Freudenberg (jetzt Schurzenhaus)
erschien jedes Jahr in der Christmette ein rotes Licht, das sich in der
Schlafstube des Bauern in
einen Geist verwandelte. Es legte sich zu dem Bauern
ins Bett, schüttelte in tüchtig durch und ging dann wieder hinaus.
Von draußen klopfte es noch dreimal
ans Fenster. Auch die Tochter des Bauern hat einigemale
das rote Licht gesehen.
Übrigens geht nach einem alten Glauben der Leute mit jedem Besucher der Christmette ein rotes Licht mit.
Der Ur-Ur-Großvater eines Schleißdorfer Mädchens
("beim Bischof") hat einmal in der Kirche zu Rottendorf gerauft und seinen
Gegner von der Empore
hinuntergeworfen. Als er heimkam, rann aus allen Ecken
seines Hofes Blut aus.
Eine alte Frau aus Wutschdorf, in einem Haus hart am Fuße
des Kirchbergs, wurde in der Nacht so stark von einem Geist bedrängt,
dass sie kaum atmen
konnte. Da schlug der Sohn sein Messer in das Holz der
Bettstatt, worauf der Geist verschwand.
Diese Sage könnte vielleicht an einen letzten Rest
von heidnischen Aberglauben erinnern, wie auch folgende Überlieferung:
Bei Högling soll es auf einer Wiese umgehen. Einer
Frau, die dort einmal Gras mähte, begegnete ein braunes Weib, das
drohend zu ihr sagte: "Hinterrrücks
z'ruck, Hinterrücks z'ruck, sag ich!" Die erschrockene
Frau ging tatsä rückwärts und überschritt dabei den
Bach am Rande der Wiese. Rasch hielt sie dort
ihre Sense in das Wasser - daruaf verschwand die Gestalt.
Angeblich soll es der Geist einer Frau gewesen sein, die ihr Kind umgebracht
hatte.
Die Geister scheinen sich draussen, vor allem im Wald,
besonders Wohl zu fühlen.
Im Dammbachtal hatte einst ein Mann einen Markstein ausgesrissen.
Nachdem der Übeltäter gestorben war, wurde er oft noch an jener
Stelle gesehen. Die
vorübergehenden Leute bat er, für seine arme
Seele zu beten, damit sie erlöst werde. Einmal erfüllte auch
wieder ein vorbeikommender Mann diese Bitte des
Geistes und betete ein Vaterunser. Dauraufhin hörte
er zu seinem Erstaunen die Worte: "Gottseidank, jetzt bin ich erlöst."
Eine Frau (Freller) erzählt, daß sie bei Baumgarten,
unweit von Freudenberg Klee gemäht habe. Da erschien ihr plötzlich
ein eigenartiges Weib. Die Frau
rannte in ihrer Angst völlig kopflos davon. Sie
erzählte ihr Erlebnis dem Pfarrer. Dieser riet ihr, sie solle, wenn
ihr das Weib noch einmal begegnen würde,
sofort "Amen!" sagen. Anderntags erschien der Frau tatsächlich
die seltsame Gestalt wieder und verschwand so plötzlich, wie sie gekommen
war, als die
Frau das Wort "Amen" ausgesprochen hatte."
Auf dem Weg zwischen Kemnath und Witzlricht sollen häufig nachts zwei Geister mit Laternen umgegangen sein.
Als einmal eine Frau von Grimmerthal bei Schleißdorf
nachts durch den Wald ging, erschien plötzlich ein Licht. Die Frau
dachte geistesgegenwärtig an ihre
kürzlich verstorbene Großmutter und betete
rasch "o Gott, gib ihr die ewige Ruhe!" - darauf sagte plötzlich eine
Stimme: "Hab Dank, jetzt bin ich erlöst.""
Aber Geister mach auch nicht vor der Kirche und dem Pfarrhaus
Halt! Ein ehemaliger Wutschdorfer Pfarrer sah einen Mann, der auffallend
rot gekleidet war
aus der Kirchtür auf den Friedhof gehen und sich
wie suchend umblicken. Der Pfarrer dachte, es sei vielleicht jemand, der
beichten wolle und schickte sich
an, hinüber zu gehen. Da sah er zu seinem Erstaunen
die Gestalt in einem Grab verschwinden. Der Pfarrhof wurde von dem unheimlichen
Gast von nun an
täglich besucht. Einigemale stieg der Geist auf
den Getreideboden des Ochsenwirts, dessen Gasthof auf der anderen Seite
der Kirche heut noch steht. Dort
schaufelte er dreimal das Getreide um. Erst als der alte
Pfarrhof abgerissen wurde, blieb der Geist weg."
Bei Hötzelsdorf gibt es eine Stelle, in die bei jedem
Gewitter, das Blitze über der näheren Umgebung entlässt,
der Blitz einschlägt. Die Sage erzält, dass dort
ein großer Silberschatz vergraben sein soll."
Der Geist des Försters
Ein Förster hat sich 1905 in einem Wald bei Wutschdorf
erschossen. Sein Gehirn blieb dabei an einer Fichte kleben, die seitdem
nicht mehr gewachsen ist.
Wenn Frauen am Abend von Hainstetten nach Wutschdorf
gehen, führt sie der Geist des Toten vom rechten Weg ab, in die Irre
und zu der Fichte. Dort
bleiben sie dann sitzen, bis sie von ihren Angehörigen
gefunden und nach Hause gebracht werden.
(Die Langerwieserin bildete sich eines Tages ein, sie
ginge nach Hötzelsdorf und sie sah ständig diesen Weg vor sich
und währe auch in den Wald
gegangen, wenn ihre Begleiterin sie nicht davon abgehalten
hätte).
Der Engel
Das Zeitler-Mädl von Ellersdorf hat dreimal hintereinander
bemerkt, dass sie von einem Engel begleitet wurde auf ihrem Weg von einem
Marterl zwischen
Wutschdorf und Schleißdorf und dem Marterl kurz
vor Schleißdorf. Sie erzählte das Erlebnis ihrer Mutter, Diese
riet ihr, beim nächste Male den Engel zu
fragen, was er wolle. Man darf aber die Geister nicht
ansprechen, denn dann muss man sterben. Das Mädel wusste dies aber
nicht und sprach den Engel bei
seinem neuerlichen Erscheinen an. Da zeigte ihr der Engel
einen Zettel, auf dem die Worte standen: "Du wirst an meiner rechten Seite
gehen." Nach wenigen
Tagen war das Kind tot."
Der Wechselbalg
Eine Frau hörte in der Küche ein kleines Kind
schreien. Sie eilte hinein und fand vor dem Oen zwei ganz gleich ausschauende
kleine Kinder. Eine Stimme
sagte zu ihr:" Wenn du dein Kind erkennst, nimm es doch!"
Sie überlegte lange, dann packte sie eines der Kinder. In diesem Augenblick
erscholl ein
hämisches Gelächter. Da wusste sie, dass sie
das falsche Kind erwischt hatte. Das andere Kind war blitzschnell verschwunden.
Die Frau wollte nun um jeden
Preis ihr richtiges Kind wieder haben und ging zu einem
Pfarrer, um sich Rat zu holen. Dieser riet ihr, den Backofen fest anzuheizen
und mit den Worten des
Kreuzzeichens das Kindlein hineinzuschleudern. Zuerst
wollte sie das nicht tun, aber er riet ihr, wenn sie sicher sei, das falsche
Kind im Hause zu haben, es
doch zu tun.
Da entschloss sie sich dazu. Sie heizte den Backofen
kräftig an. Nach kurzem Zaudern hielt sie das Kind hoch über
sich in die Luft und wollte es über ihre
Schulter in den Ofen schleudern. Als sie im Begriff war
das Kind wegzuwerfen, erscholl ein furchterregender Schrei -das Kind wurde
ihr aus dem Arm
gerissen und im selben Augenblick lag ihr richtiges Kind
plötzlich wieder vor ihren Füssen."
Die Weber von Freudenberg
Nach dem Brande von Heimstatt im 30jährigen Krieg,
das unweit von Hainstetten lag, sollen die Schuster aus diesem Ort nach
Hirschau und die Weber auf
die andere Seite nach Freudenberg gelaufen sein. Deshalb
gibt es bis n die jüngste Vergangenheit in Hirschau zahlreiche Schuster
und in Freudenberg
mehrere Weber. Als Hausname hat sich "Riesenweber" oder
"Weberbartl", "Weberthoma" "Stegweber" bis heute erhalten."
Das schwarze Männlein von
Rannahof
von L. Kastner und Konrad Zoller, veröffentlicht
im "Oberpfälzer Heimatbuch" von Karl Winkler Kallmünz 1929
Einer musste oft Holzkohlen fahren von Rannahof nach dem Hammer Leidersdorf bei Ensdorf. In heiligen Zeiten kam der feurige Mann zu ihm und schüttelte sich, dass die Funken davonflogen. Dann sagte der Kohlenbrenner allemal: " Wie geh her und zünd mir." Wenner ihm drei Heller hinschmiss, - eine ungerade Zahl musste es sein - zündete ihm der Geist auf dem ganzen Wege. Hie und da schimpfte ihn der Kohlenbrenner aus Spass: "Geltenscheisser" oder "Blecharsch." Dann rugelte ihm aber der Feurige auf und er musste ihn bis Leidersdorf tragen. Und schwer ist er gewesen, der Kohlenbrenner hat gerade gemeint, er druckt ihm das Kreuz ab. Oft konnte er sich nicht mehr anders helfen, als dass er recht fluchte und sakraqmentierte, dann ging der feurige Mann davon. Ausgesehen hat er wie ein richtiges Leut. Bloss dass er hinten ausemöltert war. Und im Gesicht und am ganzen Leib war er kohlschwarz. Ein Gewand hat angehabt, das war aus einem Stücke, Goller und Hose, und ein Hut hat er auch aufgehabt. Er konnte sich himmlisch machen und winzig klein, wie es ihm gerade passte. War er bezahlt, dann mußte er zünden. (Aus "Seelen und Geister" Volkssagen aus der Oberpfalz.
Die wilden Hunde von Hiltersdorf
veröffentlicht im Buch von Stefan Helml "Oberpfälzer
Geschichten - Schmankerln"
Neben den weitverbreiteten Sagen von Irrlichtern und feurigen Männern berichten ältere Leute aus Hiltersdorf noch Erlebnisse mit den sogenannten wilden Hunden. Diesen geisterhaften Spukgestalten gab ihr zottiges Aussehen den Namen. Insbesondere zwischen Hiltersdorf und dem heute aufgelassenen Götzendorf gingen sie nachts um, sprangen den Leuten auf den Rücken und liessen sich tragen. nach allgemeiner Ansicht waren diese Geisterwesen arme Seelen, für deren Erlösung sich die Lebenden durch das Tragen der Last mühen mussten. Eigenartig war das Gebot, dass keiner, der auf diese Art unfreiwillig für die Erlösung dieser Geister sich geplagt hatte von seiner Arbeit berichten durfte.
Frau Nichtl aus Hiltersdorf erzählte einmal: Einst
ging der Sammelbauer von Götzendorf nächtlicherweise vom Wirtshaus
in Hiltersdorf heim. Kaum hatte er
den Wald erreicht, so "huchelte" sich ihm so ein wilder
Hund auf. Nur widerwillig trug er die Last bis auf seinen Hof. Dort verschwand
der geisterhafte Reiter, der Bauer glaubte aber die Mahnung zu hören,
von dieser Geschichte nichts zu erzählen.
Doch er war zu erbost, über diese nächtliche
Arbeit. Erst erfuhren es die Angehörigen, dann die Nachbarn und am
nächsten Abend war der Sammelbauer mit seinem Bericht der Mittelpunkt
der Abgendunterhaltung im Wirtshaus zu Hiltersdorf. Die Befürchtungen
einiger Alter beunruhigten ihn nicht. Auf seinem Heimweg belästigte
ihn diesmal nichts. In der Nacht jedoch überfiel ihn seltsame Übelkeit.
Nimand konnte ihm helfen und am nächsten Tag war er tot.
Weniger schlimm ging es einem Bauern, der auf der Paulsdorfer Straße mit einem Handwagen fuhr. Ständig umsprang ihn ein Hund, so dass er kaum richtig ziehen konnte. Schliesslich brummte der Bauer erbost:" Stör mi halt niat bei der Arbeit". Sofort sass ihm der Geist auf dem Rücken Mühsam zog der Bauer weiter. Bei seinem Hof erst verliess ihn der Hund. Erst nach Tagen berichtete der Bauer dieses Erlebnis. Ständig hatte er für die armen Seelen inzwischen gebetet und ihm geschah nichts. (Nach Hansi Hammer, Engelsdorf)
Der schwarze Reiter von Paulsdorf
und der Schimmel ohne Kopf
veröffentlicht im Buch von Stefan Helml "Oberpfälzer
Geschichten - Schmankerln"
Auch auf der Öd bei Paulsdorf war es einst nicht
geheuer. Hier soll vor vielen Jahrhunderten das Dorf Paulsdorf gelegen
sein. Erst als droben das Wasser rar wurde, zogen die Bauern ins Tal. Andere
glaubten, dass hier das Schloss der Paulsdorfer gestanden wäre. Erst
später seien die Herren auf den Frottenberg übergesiedelt. Einer
vom Göblhof in Bühl, der als Mauerer arbeitete, ging nachts die
alte Strasse von Engelsdorf nach Bühl. Als er über die Öd
ging, erblickte er einen Schimmel ohne Kopf. Ein schwarzer Reiter
sass darauf. Mehrmals ritt die Erscheinung an ihm vorbei. Ganz verstört
kam der Mauerer heim und ging nie mehr bei Nacht diesen Weg. (Mitgeteilt
von Hansi Hammer)
Tatsächlich aber stand auf der Öd einst ein
Einzelhof, der ¨de Hennhof 1543 in den Zinsbüchern des Hofkastenamtes
Amberg erscheint. Beim Ackern stösst hier der Pflug öfter auf
Mauerwerk.