Der
Markt Schmidmühlen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die
sicher auch von Tiefen, aber vor allem auch durch wirtschaftliche und kulturelle
Glanzeiten geprägt ist. Diese Geschichte spiegelt sich heute noch
in den vielen, teilweise sehr imposanten Häusern und Anwesen wieder.
Quasi ein magisches Dreieck im Ortskern bilden die drei Schlösser:
das Obere Schloss, das Hammerschloss und das Zieglerschloss. Bereits die
erste urkundlichen Nennung im Jahre 1010 zeugt von wirtschaftlicher Emsigkeit.
Schmidmühlen
war um 1000 nach Christus im Besitz der Marktgrafschaft von Hohenburg.
1010 wird von einer Ladestätte (Anlegestelle für Schiffe) am
Fluss „Vilsia ge smidimulni“ berichtet. Der Name lässt den sicheren
Schluss zu, dass hier eine Schmiedemühle stand. Bereits zu dieser
Zeit war Schmidmühlen an ein weitverzweigtesHandelsstraßennetz
angebunden. Immerhin führte die wichtige Bayerische Eisenstraße
durch Schmidmühlen und somit am Hafen vorbei. Dieser durchaus große
wirtschaftliche Aufschwung im frühen Mittelalter ließ es so
manchen rührigen Handwerker, aber auch den Ort, zuReichtum
bringen. Das Marktwappen mit Mühlrad und Hammer erschien erstmals
1311 als Schildbild des Reimbot von Schmidmühlen, einem der Besitzer
des Oberen Schlosses. 1270 wurde Schmidmühlen zum Markt und gleichzeitig
zum Amt erhoben.
Ein
wirtschaftlich derart bedeutender Ort musste natürlich auch geschützt
und verwaltet werden. Auf diese Begebenheitdürfte
wohl die Gründung und Erbauung des Oberen Schlosses zurückzuführen
sein. In Schmidmühlen gab es früher zwei Adelssitze: einer befand
sich im Hammerherrenschloss, der zweite im Oberen Schloss. Dies hatte zur
Folge, dass es über Jahrhunderte viele Adelige gab, die auch in der
Ortschaft, vor allem in der Pfarrkirche und in derFriedhofkirche
ihre letzte Ruhestätte fanden.
Ursprünglich
befand sich an der jetzigen Stelle des Oberen Schlosses eine Wasserburg.
Auf der Burg selbst saßen bis 1270 Ministeriale der Hohenburger Grafen,
dann wurde sie wittelbachisch. Etwa um 1353 erfolgte durch den letzten
Schmidmühlner (Karl von Schmidmühlen) entweder ein Neubau oder
eine umfangreiche Neugestaltung. Das heutige Schloss ist um 1600 durch
Hans Jakob Hausner von Winbuch erbaut worden. In diesem Schloss befand
sich auch im Erdgeschoß eine kleine Kapelle, die jedoch bereits vor
langer
Zeit zugeschüttet und zugemauert wurde. Im Laufe der Jahrhunderte
wechselten immer wieder die Besitzer. Bei einer wissenschaftlichen Erfassung
um 1900 war das obere Schloss unbewohnt. Es diente, so der Bericht, seit
vielen Jahrzehnten zur Aufbewahrung von Hopfen und Getreide. 1919 verkaufte
es Josef Rubenbauer an einen Nürnberger Architekten mit Namen Jakober,
der es wieder gründlich renovierte und bewohnbar machte. Im Jahre
1937 ging es in den Besitz der Marktgemeinde Schmidmühlen über.
Das Schloss wurde anschließend als Rathaus verwendet. Während
des Zweiten Weltkrieges und danach hatte das Obere Schloss unter derEinquartierungen
durch die Besatzungsstreitkräfte schwer gelitten.So
wurde im zweiten Stock ein wertvoller Keramikofen zerstört. In dieser
Zeit des 2. Weltkrieges war auch der Kindergarten und von 1947 bis 1960
zwei Klassen der Volksschule im Schloss untergebracht. Von 1977 bis 1980
erfolgte eine gründliche Restaurierung, bei der nicht nur das Schloss
selbst, sondern auch der Schlossgarten sein Gesicht veränderte. Seit
der Nachkriegszeit dientdas Schloss
dem Markt Schmidmühlen als repräsentatives Rathaus.
Im
Oberen Schloss ist oben im Turm ein runder, mit Blumen und Rosetten bemalter
Plafond, der von einer zierlichen Holzsäule gestützt wird. Das
gesamte zweite Obergeschoß gehört durch seine Ausstattung zu
den interessantesten Resten der deutschen Renaissance. Was zwei Jahrzehnte
früher in dem herzoglichen Schloss Trausnitz in Landshut in umfangreichen
Maße auf dem Gebiet der profanen Wandmalerei geleistet wurde, wiederholt
sich im Oberen Schloss im kleinen.
1166
–1170Ernst
von Schmidmühlen 1179
– 1191 Reginbot
von Schmidmühlen 1242Reimboto
von Schmidmühlen 1263Otto
von Schmidmühlen 1270
– 1284Eberhard
von Schmidmühlen – Jakobäa von Sinzenhofen, Eltern
des Abtes Albert von Emmeram zu Regensburg 1328-
1348 Karl und Hugo von Schmidmühlen,
Brüder des Abtes 1352
– 1356Karl
von Schmidmühlen, Sohn des vorstehenden Karls 1363 Ulrich
und Hans Ettenstetter, Brüder 1367 Ulrich
Wolf von Nabburg, Richter zu Rieden 1407Georg
Ettenstetter 1463Lienhard
Haug 1514
- 1532Heinrich
Alberger, Vinzenz von Würzburg 1546
- 1551 Wilhelm
Hausner von Winbuch 1552
– 1555Mathäus
Hausner von Winbuch 1595
– 1614Georg Hausner von Winbuch,
Pfleger zu Regenstauf, Erbauer des jetzigen Schlosses 1614
– 1655Hans
Jakob, Ludwig und Bartholome Hausner von Winbuch (Brüder,
gemeinsamer Besitz) 1655Christoph
von Kürmreuth 1676
– 1720 Wilhelm Franz Freiherr
von Spiering, Herr von Fronberg, auch von Bergheim, kurfürstlicher
Rat, Kämmerer 1720Carl
Wilhelm Freiherr von Spiering 1746
– 1767Carl
Lorenz Wilhelm Freiherr von Spiering 1775
– 1777 Maximilian
Karl Freiherr von Spiering 1777
– 1803 Adeliges
Damenstift Niedermünster zu Regensburg 1829Michael
Schmid, Rösslwirt und Posthalter 1866Isidor
Rubenbauer, Rösslwirt und Posthalter Josef
Rubenbauer 1919Architekt
Jakober Baron
von Clanner Engelzhofen aus Prag 1923 Ferdinand
Eichenseer 1937Markt
Schmidmühlen
Die
Besitzer


Das Obere Schloss in den 50er Jahren...
...und so präsentiert es sich dem Betrachter im Jahr 2005
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